Medium.com – Blog-Minimalismus oder Twitter plus

Auf der Suche nach Möglichkeiten, ein für Anfänger einfach bedienbares Blog einzurichten, stieß ich auf Medium.com. Mich faszinierte von Beginn an die Einfachheit, Schlichtheit, der Minimalismus dieser Plattform.

Medium als Brücke zwischen Twitter und Blogger

Medium ist der Missing Link zwischen Twitter für minikurze Texte und Blogger für lange Texte. Medium steht irgendwo dazwischen: Während man auf Twitter ultrakurze Texte schreibt und in Blogs eher lange Artikel zu finden sind, sind die Texte auf Medium eher mittellang. Nicht umsonst sind die Macher von Medium auch die Macher von Twitter und Blogger gewesen.

Die Macher von Twitter, die unter dem Namen „Obvious Corp.“ firmieren, waren bzw. sind sich des größten Kritikpunkts von Twitter durchaus bewusst: Die Limitierung auf 140 Zeichen. Deswegen begann Obvious schon früh mit der Suche nach Möglichkeiten, um Nutzern auch längere Beiträge in Form von Blogposts ermöglichen zu können. Die Idee dahinter war ähnlich wie bei Twitter: einen einheitlichen Rahmen für Texte schaffen, der die Aufmerksamkeit des Lesers auf den Inhalt lenkt, und gleichzeitig die Hürden in Form von technischen Voraussetzungen senkt.

So entstanden in den Jahren 2011 und 2012 erste Prototypen der Plattform Medium.com, und schließlich ging das Netzwerk im August 2012 online. (t3n)

Medium LogoAnders als auf Blogger sortiert Medium Texte nicht nach Autor, sondern nach Thema, was spannende neue Einblicke und Kombinationen mit sich bringt. Medium kombiniert die besten Teile von Pinterest, Tumblr und Digg: Es sortiert Texte in Sammlungen, ähnlich wie Pinterest das mit Fotos tut. Ähnlich wie bei Digg kann der Leser die Beiträge bewerten, so dass die bestbewerteten Beiträge weiter oben stehen und ohne Scrollen lesbar sind. Medium zeigt auf der Übersichtsseite an, wie lange man voraussichtlich für das Lesen des Textes brauchen wird .Und es ist so einfach zu bedienen wie Tumblr, ganz ohne Schnickschnack und ohne viel Hintergrundwissen kann der Nutzer einfach losbloggen.

Minimalismus und typographische Reduktion

Medium lenkt die Aufmerksamkeit des Lesers auf den Inhalt und das ist gut so. Es gibt nur wenige Möglichkeiten, Texte zu formatieren: Fett, kursiv, Überschriften und Links. Schluss. Zusätzlich zum Text können Bilder oder Videos eingefügt werden. Das war es. Mehr braucht es nicht. Und jeder Post sieht gleich aus, keine Themes, keine Schnörkel, keine Menüs.

Dieser Minimalismus ist nicht nur für den Leser sehr gut, sondern auch für den Autor. Nahezu ohne technische Hürden kann auf Medium jeder ein Blog anlegen und mit Inhalten befüllen. Es gibt ein leicht überschaubares, klares Backend. Man muss nichts installieren, anpassen, mit PlugIns aufbohren. Einzig ein kleiner Button mit wenigen Menüpunkten führt zu den Einstellungen, zu einem neuen Post (der hier Story genannt wird), zu den Entwürfen, den Statistiken und den vom Nutzer angelegten eigenen Collections, in denen sich Beiträge thematisch gesammelt veröffentlichen lassen.

Ansonsten ist das Backend beschränkt auf einen WYSIWYG-Editor. Die Anpassungsmöglichkeiten für den Text werden erst sichtbar, wenn der Text markiert ist. Der Button zum Einbinden von Fotos ist nur sichtbar, wenn ein neuer Absatz begonnen wird.

Veröffentlichte Beiträge lassen sich teilen und empfehlen. Außerdem bookmarken und damit direkt über die Startseite schnell erreichen. Sehr gut und wichtig ist die Möglichkeit, eine Google Authorship Anbindung einzurichten, das könnte für einige Autoren spannend sein.

Sehr schade hingegen finde ich, dass es noch keine Möglichkeit gibt, Beiträge mobil zu verfassen. Die Apps von Medium dienen nur zum Lesen, nicht zum Verfassen von Beiträgen.
Klaus Eck

Einige interessante Medium.com Accounts

Unter dem Titel „Produktiver schreiben“ können Sie nachlesen wie Klaus Eck Medium erlebt.

Inzwischen geht Medium noch einen weiteren Weg und bietet firmenfinanzierte eigene Collections an, in denen Artikel gesammelt werden. Ein Beispiel hierfür ist das von BMW finanzierte Magazin re:form, mit dem die Plattform selber erstmals zum Publisher wird.

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