Was ist eigentlich diese Social Media Sprechstunde?

In den letzten Monaten ist in meiner Timeline auf einmal der Begriff „Social Media Sprechstunde“ mehrfach aufgetaucht. Doch worum handelt es sich dabei eigentlich? geistreich78 hat bei Bianka und Juliane von der SMSHN und SMS Main Kinzig nachgefragt.

Die Geschichte der Social Media Sprechstunde

Bereits 2008 hatte Nick Booth die Social Media Surgery in Birmingham gegründet. Zum Start der Social Media Revolution konnten sich engagierte Bürger zu Fragen des Web 2.0, getreu dem Mitmach Gedanken, gegenseitig helfen. 2012 erhielt Booth vom britischen Premierminister David Cameron für sein gesellschaftliches Engagement den Big Society Award. Damals wie heute richtet sich das Angebot an Vereine, wohltätige Organisationen und Non-Profit Einrichtungen den mit Rat und Tag geholfen werden soll, ihre Online Aktivitäten weiter auszubauen.

Eine Social Media Sprechstunde zeichnet sich durch die entspannte und unprogrammatische Atmosphäre aus. Keine Präsentationen, keine Fachvorträge, kein Fachchinesisch, sondern praktische Hilfestellung für die Fragen aus dem Alltag der Hilfesuchenden stehen im Mittelpunkt.

Ursprünglich war nur ein einmaliges Treffen geplant, bei dem freundliche Helfer einer Blogger Gruppe aus Birmingham ihr Wissen weiter geben sollten. Die Birmingham Blogger group wurde 2007 ebenfalls von Nick Booth ins Leben gerufen. Aufgrund des großen Erfolgs und der Begeisterung der Teilnehmer wurden die Treffen weiter geführt und breiteten sich schnell auf andere Orte aus.

Die offizielle Webseite der Social Media Surgery findet ihr hier.

Der Brite war politischer Reporter bei der BBC und produzierte TV und Radio Dokumentationen. Er gehörte zu einigen Dutzend Bloggern, die das G20 Gipfeltreffen im April 2009 begleitet haben. Man kann ihm auf Twitter unter @podnosh folgen. Podnosh heißt auch sein Blog.

In den letzten 5 Jahren gab es an über 150 Orten Treffen von tausenden Gruppen. Nick Booth war auch bei der ersten Hamburger Socia Media Sprechstunde (SMSHH) im Kultwerk West, am 14. Mai 2012, dabei. Seitdem findet dort jeden Monat eine Sprechstunde statt. Auch andere Staaten wie Spanien oder Australien haben die Idee übernommen.

Ablauf einer Social Media Sprechstunde

Im Grunde basiert der Ablauf auf dem Credo von Nick Booth: „Zero expectations“. Kirsten Wohlfahrt führt weiter aus:

Gemeint ist, dass sich alles spontan vor Ort ergibt. Es geht bei also nicht um zeitintensiv vorzubereitende Beratung oder durch inszenierte Workshops mit WordPress- oder Facebook-Übungen. Das Prinzip „Keep it simple“ gilt auch bei der Vorbereitung. Alles, was man braucht, ist ein Raum, Begleiter, Notebooks, Internet natürlich und Web-Präsenzen für Information und Anmeldung. (…)
Dabei lernen nicht nur die Starter. Auch für Begleiter ist die Sprechstunde eine spannende Erfahrung: Man lernt interessante Menschen kennen und wofür sie sich einsetzen. Man ist gezwungen, das eigene Agieren im Internet zu reflektieren, um es zu erklären. In der Zusammenarbeit für die Sprechstunde stoßen Begleiter vielleicht auch auf neue Tools und weiten die eigenen Fähigkeiten aus. So haben alle etwas von der Sprechstunde.

Doch lassen wir mal die beiden Social Media „Doktoren“ Bianka und Juliane zu Wort kommen:

Warum habt ihr euch entschieden eine SMS anzubieten?

Bianka: Ich berate im Allgemeinen Unternehmen bzw. betreue deren Auftritte auf Social Media Plattformen und sehe täglich, wie viel die Unternehmen dort bewirken können für ihr Image und wie viel stärker oder auch positiver sie durch diese Auftritte wahrgenommen werden. Dabei ist mir aufgefallen, dass nur wenige Vereine und gemeinnützige Organisationen sich solche professionellen Auftritte in Social Media leisten können und ich wollte etwas dagegen tun. Ich finde, gerade kleine Vereine und Organisationen sollten ebenfalls die Chance bekommen, wahrgenommen zu werden. Daher habe ich gemeinsam mit zwei Kollegen aus dem Social Media Bereich die Social Media Sprechstunde Heilbronn ins Leben gerufen. Wir beraten ausdrücklich keine Unternehmen, sondern bieten die Sprechstunde nur für gemeinnützige Zwecke und in Ausnahmefällen Privatpersonen an.

Was ist eure Erwartung?

Bianka: Anfangs hatte ich gar keine Erwartungen. Klar habe ich gehofft, dass das Angebot angenommen wird, aber ich war bis zuletzt unsicher, ob Heilbronn als doch eher kleine Stadt überhaupt ausreichend Interessenten haben würde. Allerdings haben wir sehr viel Unterstützung bekommen, natürlich von der Heilbronner Stimme, die uns nicht nur den Raum zur Verfügung stellt, sondern auch immer wieder berichtet. Aber auch beispielsweise vom Heilbronner Forum Ehrenamt, das uns auf vielfältige Weise unterstützt. Heilbronn scheint also reif zu sein für unsere Beratung.

Bianka, ihr habt bereits die Termine hinter euch. Wie die Heilbronner Stimme angibt, musstet ihr so manche Anfrage auf die nächsten Termine vertrösten, weil der Andrang so groß war. Was sind deine ersten Erfahrungen?

Bianka: Wie gesagt war ich bis zuletzt unsicher, ob sich überhaupt jemand anmelden würde – dann wurde ich regelrecht überhäuft mit Anfragen und die ersten Termine waren relativ schnell „ausgebucht“. Wir sind ja nur zu dritt als Berater und können daher nicht eine unbegrenzte Anzahl an Teilnehmern einladen. Der erste Termin war ein wenig unkoordiniert. Uns war nicht so wirklich klar, wie wir am besten einsteigen und wie die Sprechstunde am besten ablaufen sollte. Die Teilnehmer waren ein wenig Versuchskaninchen und wir haben aus dem ersten Termin für uns selber auch viel mitgenommen an Learnings. Beim zweiten Termin lief alles schon ein wenig geregelter ab und war damit deutlich „ausgereifter“. Allerdings kann man immer sehr schlecht im Voraus planen, man weiß nie, mit wie viel Vorwissen die Teilnehmer kommen und wenn, wie bei der ersten Sprechstunde, die Fragestellungen weit auseinander liegen, ist der Ablauf nicht so einfach zu gestalten wie beim zweiten Termin, als die Fragestellungen der Interessenten sehr eng beieinander lagen. So konnten wir in einer großen Gruppe arbeiten, beim ersten Termin hatten wir drei kleine Grüppchen gebildet und mehr oder weniger Einzelberatungen durchgeführt.

Grundsätzlich kann ich sagen, dass die Teilnehmer immer sehr dankbar sind. Zu manch einem hat sich inzwischen ein engerer Kontakt entwickelt und wir freuen uns, Teilnehmer auch über längere Zeit begleiten zu können. Es macht wahnsinnigen Spaß und ist immer wieder sehr interessant, mit den Teilnehmern zu reden und ihnen helfen zu können. Meist ist dabei mit wenig Aufwand schon sehr viel zu erreichen. Für mich persönlich ist jede Sprechstunde eine tolle Bestätigung, etwas Gutes bewirken zu können und ich freue mich auf jeden Termin und auf jeden Teilnehmer und damit auf jedes neue Projekt, das wir begleiten können und dürfen.

Social Media Sprechstunden in Deutschland

Die Antworten von Juliane Benad zur SMS Main Kinzig könnt ihr morgen in einem neuen Post nachlesen…

Letzte Aktualisierung 15:22:58 – 2016-11-22

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