Virales Shitstorm Marketing und die Frage nach dem echten „Social Impact“

Am Beispiel der Greenpeace Kampagne „Save the Arctic“ und des jüngsten Video Clips LEGO: Everything is NOT awesome. sehen wir den Einsatz von viralem Shitstorm Marketing gegen andere Unternehmen. Ein Kommentar.

Die 3 AAA´s im Shitstorm Marketing

Wie bereits in meinen Tipps für den tödlichen Shistorm wurden hier die Punkte par excellence umgesetzt.

  • A = Absicht. Greenpeace wollte auf die arktischen Ölbhohrungen von Shell aufmerksam machen. Lego sollte seine Partnerschaft mit Shell beenden.
  • A = Anfang. Kann man hier genau festmachen, als das Video veröffentlicht wurde. Bereits lief die Kampagne „Save the Arctic“
  • A = Ausgang. Wie heute schon beschrieben, will LEGO seinen Vertrag mit Shell in Zukunft nicht weiter verlängern. Wie lange dieser noch läuft wurde nicht bekannt gegeben.

Virale Erfolgsgaranten

Desweiteren hielt man sich an die bewährten Erfolgsmittel:

  • Video – erst das millionenfach viral verbreitete Video verhalf der Kampagne zu einem rechten Durchbruch.
  • Lärm verursachen – Greenpeace verfügt ohnehin über eine breite Basis an Unterstützern. Zum Teil gab es auch offline Maßnahmen, bei denen sich Aktivisten, als LEGO Figuren verkleidet, vor Shell Tankstellen platziert haben.
  • Twitter verwenden – die Kampagne wurde durch einen entsprechenden Hashtag begleitet.
  • Anknüpfen an Bewährtes und aktuelle Trends. Es wurden sowohl die Machart des erfolgreichen LEGO Kinofilms, als auch die Titelmelodie dazu verwendet. Ähnliche Vorgehensweise haben wir in jüngster Zeit öfter gesehen, wenn z.B. Trailer für Online Games, den Einspieler der US Fantasy Serie Game of Thrones aufgegriffen haben.

Doch kommen wir zu der Frage, ob diese Kampagne einen „echten“ Social Impact hat. Also dadurch tatsächlich Denken und Verhalten beeinflusst werden. Hierzu habe ich einen provokanten Artikel gefunden, der doch zum Nachdenken anregen sollte.

Alles nur weich gespülte Heuchelei?

Claire Porter äußert sich zu LEGO: Everything is NOT awesome im australischen Techly recht kritisch. Hier ihre wichtigsten Punkte.

  1. Der Videoclip ist Bullshit, weil LEGO aus Erdöl gemacht wird
    Greenpeace ruft zwar dazu auf, dass LEGO nicht länger mit Shell zusammen arbeiten soll. Dass jedoch Rohöl ein wichtiger Rohstoff, auch für die Spielzeugindustrie, ist wird gar nicht thematisiert.
  2. Der Videoclip ist Bullshit, weil Greenpeace gar keine echte Diskussion um den Erhalt der Polarkappen entfacht. Zitat:
    „There’s no discussion of how much damage you are doing to the environment every time you buy a new LEGO set for Christmas – or a Barbie, or any number of products lining the shelves of Toys R Us for that matter.
    Clearly somebody at Greenpeace thought shaming parents out of buying LEGO was too much to ask. Instead, a more effective way to get at those pesky oil companies was boycotting LEGO in an attempt to remove Shell advertising from its blocks.“
  3. Dieser Werbespot ist Bullshit, weil er nur Clicks verursacht, aber keine echte Veränderung
    Sobald es um Umweltschutz und unsere Kinder geht, ist echtes Handeln wichtiger, als leere Worte.
    Wenn die Leute wirklich besorgt um die Zukunft ihrer Kinder wären, würden sie tatsächlich ihr Leben ändern.
  4. Dieser Werbespot ist Bullshit, weil du zwar das Video likest und teilst, aber dennoch weiterhin LEGO kaufen wirst
    Die ganze Kampagne ist einfach nur schlechtes Click-Baiting, Click Aktivismus und ruft ein gutes Gefühl hervor, ohne dabei wirklich irgendetwas zu erreichen. Die Menschen werden das Video teilen und an der Petition teilnehmen und jeder freut sich über ein bisschen Anteil einem BÖSEN Unternehmen, wie Shell, die Grenzen aufgezeigt zu haben.
    Aber wenn du das Video teilst und weiterhin LEGO kaufst, bist du ein Heuchler der übelsten Art.

Petition zeichnen oder Verhalten ändern?

Wie man sieht funktionieren die Mechanismen über die sozialen Netzwerke Druck aufzubauen und damit selbst definierte Ziel zu erreichen ohne Frage. Jedoch stelle ich die Frage: „Heiligt der Zweck die Mittel?“ Wie bereits von LEGO selbst angemerkt ist zu klären: Ist die Wahl eines indirekten Angriffs legitim und zerrt nicht (unbeteiligte) Dritte ins Rampenlicht? Warum hat sich Greenpeace nicht direkt an Shell gewendet? Ich würde meinen, weil es weit einfacher ist, Menschen unter dem Deckmantel des Schutzes von Kindern zu einer Handlung zu bewegen, als wegen den Polarkappen, die uns doch weit entfernt erscheinen. Im Zweifelsfall liegt einem das eigene Kind doch vielmehr am Herzen, als der Umweltschutz.

Freilich darf gefragt werden, wie es Claire Porter tut, ob tatsächlich eine Verhaltensänderung erreicht wird, bzw. überhaupt das Ziel war. Zumindest ist in LEGO: Everything is NOT awesome außer dem Stop des LEGO Verkaufs an Shell Tankstellen keine weitere Handlungsaufforderung zu sehen. Es wird nicht auf ein Umdenken im Konsum, nachhaltiges Wirtschaften abgezielt oder der Versuch unternommen eine öffentliche Diskussion zu entfachen.

Und wir Internetnutzer? Sollten wir uns nicht auch hinterfragen, ob eine schnelle Teilnahme an einer Petition nicht das Ende, sondern der Anfang einer Bewusstmachung und Verhaltensänderung sein sollte? Ansonsten wäre der Social Impact gleich NULL!

Wie sehen unsere Leser das? Ich würde mich über entsprechende Kommentare zu diesem Beitrag sehr freuen…

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