Blogger Relations: Wie Unternehmen mit Bloggern zusammenarbeiten sollten

Mike Schnoor hat in seinem Blog kürzlich zu einer Blogparade zum Thema „Blogger Relations“ aufgerufen – hier mein Beitrag. Mit Stand von heute weist die Liste der Teilnehmer an der Blogparade schon weit über 20 Beiträge auf, mit einem breiten Spektrum von PR-, Reise-, bis hin zu Marketing- und Museumsblogs.

Blogger Relations bezeichnet gemeinhin die Zusammenarbeit von Unternehmen, Advertisern, Werbetreibenden, Markeninhabern mit Bloggern. Ob die Blogger nun renommiert sind, welche Reichweite sie erzielen oder wie wichtig ihre Stimme ist, möchte ich mal außen vor lassen, weil dies meines Erachtens für die Art und Weise der Zusammenarbeit unerheblich ist.

Viele schreiben von den unterschiedlichen Problemen und Schwierigkeiten, von den „Dont´s“, wie man es nicht machen sollte. Da hätten wir z.B.

  • unpersönliche Ansprache
  • schlechte Medienaufbereitung
  • kein Feedback, ob die Zusammenarbeit positiv verlaufen ist
  • Einladung zu Veranstaltungen, die sich mit einem nebenberuflichen Blog nicht vereinbaren lassen

um nur ein paar zu nennen.

Mit Sicherheit gibt es je nach Sparte und Branche Besonderheiten zu beachten, aber ich möchte mal aus meiner Sicht schreiben, wie ich mir die Zusammenarbeit mit Unternehmen vorstellen würde.

Wer will was von wem?

Die Mutter aller Fragen ist: Wer möchte eigentlich etwas von wem? Ist ein Blogger der verlängerte Marketingarm des Unternehmens? Oder ist der Blogger nur auf der Suche nach sinnvollem Content, den ihm die Unternehmen liefern sollen?

Natürlich lebt ein Blog von gutem Content – gerade „Content Marketing“ ist das Schlagwort der Stunde. Nur ein Blog mit interessanten Inhalten wird gelesen und sorgt auch für wiederkehrende Aufrufe, somit Stammleser. Wer nicht gerade über „Cat Content“ oder „Pornfood“ berichtet, sondern über Produkte, Unternehmen, Startups, eCommerce und alle möglichen weiteren Businessthemen, muss folglich die Informationen und Angaben entsprechend zur Verfügung gestellt bekommen. Dies führt dann zwingend immer zu einer Berichterstattung von der Unternehmen profitieren. Inwieweit die Veröffentlichung positiver, durchaus auch negativer / kritischer, Nachrichten diesen nützt kann hier nicht weiter ausgeführt werden – ist aber wohl unstrittig.

Dies bringt mich zu folgenden Thesen

  • Unternehmen profitieren immer von Bloggern, die über sie schreiben
  • Unternehmen sollten Informationen sinnvoll aufbereitet zur Verfügung stellen
  • Unternehmen sollten nicht nur eine professionelle und inviduelle Kommunikation mit Bloggern pflegen, sondern auch entsprechend auf Anfragen reagieren

Zum letzten Punkt möchte ich anfügen, dass es mir nicht nur darum geht, wie Unternehmen eine Anfrage an einen Blogger stellen. Zuletzt habe ich konkret bei mehreren Firmen angefragt, ob Sie mir Informationen liefern können oder für ein Interview bereit wären. Darauf eine professionelle, bzw. überhaupt eine Antwort zu bekommen wäre ebenso wichtig, wie die korrekte Ansprache von Autoren.

Wie spreche ich einen Blogger an?

Blogger sind auch nur Menschen. Sie haben einen Namen. Also sollte das Anschreiben die Formen

  • Sehr geehrter Herr Hoffmeister
  • Lieber Stefan
  • Hallo Stefan – die beiden informellen Varianten lasse ich mir in der Blogosphäre eingehen, wenn man bereits Berührungspunkte hatte, sich im weitesten Sinn „kennt“

aufweisen und nicht

  • Hallo Webmaster – bei Nennung einer Funktion sollte es auch die richtige sein
  • Hi there – irgendwer wird sich schon angesprochen fühlen…

Grund der (ersten) Kontaktaufnahme

Selbst im Privatleben sage ich normal, warum ich mich bei einer Person melde. Wieviel mehr im beruflichen Alltag. Entsprechend sollte ein Unternehmen genau formulieren, warum es Kontakt aufnimmt.

  • Was ist der Grund, die Ursache für das Anschreiben?
  • Was soll der Blogger tun?
  • Wie soll die Zusammenarbeit, Kooperation aussehen?

Es sollte nicht Aufgabe des Adressaten sein, sich erst Gedanken darüber zu machen was er für den Anderen leisten kann. Das Durchforsten von Themen-, Link- und Beitragslisten gehört sicher nicht dazu.

Wie wäre es, mit einer Einleitung, wie „seit einiger Zeit beobachten wir Ihren Blog…“, „wir sind schon seit längerem auf Ihren Blog aufmerksam geworden“ oder „in der Vergangenheit haben Sie über Thema XYZ geschrieben, wir würden Ihnen anbieten auch mit unserem Unternehmen ein Interview zu führen“? Das gibt mir das Gefühl, dass man sich Gedanken gemacht hat. Zumindest meinen Blog gelesen hat bevor man sich an mich wendet. Sich überlegt, was man konkret von mir will.

Worin liegt der Benefit für den Blogger?

Natürlich gibt es auch Sponsored Posts, Advertorials und bezahlte Produktreviews, doch darüber hinaus kann ein Blogger auf vielerlei Weise von der Zusammenarbeit mit einem Unternehmen profitieren:

  • Nennung im PR-Bereich der Unternehmensseite – die Verlinkung sollte von beiden Seiten stattfinden
  • Verteilung der Beiträge auf den verschiedenen Social Media Kanälen
  • Klaus Eck nennt Gastartikel im Corporate Blog als weitere Möglichkeit
  • Einladung zu Expertenrunden oder einem runden Tisch – viele Autoren haben sich im Lauf der Zeit zu Spezialisten in ihrem Bereich entwickelt. Sie verfügen nicht nur über eine „Stimme“, sondern über hohes fachliches Wissen. Zugleich weisen sie Neutralität auf, da sie oft nicht für Unternehmen tätig sind, sondern ihre eigene Meinung ausdrücken
  • Pre-Release, vorab oder Exklusivinformationen. Wer kennt nicht die Beifügung von „Exklusiv“, „zuerst bei uns“ oder „unveröffentlicht“? Warum nicht einem Blog exklusive Informationen zur Verfügung stellen? Ihn als ersten Kommunikationskanal wählen? „hinter die Kulissen“ blicken lassen?
  • Werksführungen, Tag der offenen Tür
  • Interviews mit verantwortlichen Mitarbeitern, Management
  • Kostenfreier Besuch von Messen, Release-Partys, VIP Veranstaltungen

Aufbereitung von Informationen und Mediadaten

Unternehmen als „Urheber“, im Sinne von Verursacher und Entstehungsquelle, sollten ihre Informationen und Mediadaten anhand der folgenden Checkliste aufbereiten:

  • Ist ein Pressebereich auf der Corporate Website leicht zu finden?
  • Wird der PR-Sprecher / Ansprechpartner genannt? Hier empfehle ich folgende Kontaktdaten:
    Name, eMail, Telefon, XING / LinkedIn Profil, Google+ Profil, Twitter Profil, Profilfoto (das zum Download und zur Verwendung bereit steht)
  • Gibt es META-Daten? Dies sind
    Logo Dateien, in verschiedenen Formaten und Größen
    Corporate Videos und / oder Produkt Videos
    Zugriff auf Geschäftszahlen (Umsatz, Gewinn, Mitarbeiter, Standorte, etc.)
  • Werden die Pressemeldungen regelmäßig veröffentlicht? Als .html, .pdf, Textdatei?
  • Enthalten die Pressemeldungen Bildmaterial, das auf Blogs und Webseiten entsprechend eingebunden werden darf?

Wenn hier eine gute Basis gelegt ist, findet sich die schreibende Zunft gut zurecht und muss sich nicht mit mühsamen Recherchen aufhalten.

In eigener Sache – was geistreich78 leisten kann

Zu diesem letzten Abschnitt hat mich das museumsblog.at inspiriert, ebenfalls ein Teilnehmer der Blogparade. Christoph Pelzl schreibt hier, womit Leser des Bogs, aber auch andere Blogger rechnen können, aber auch was Limitierungen und technische Einschränkungen angeht.

geistreich78 ist mittlerweile ein Multi-Autoren-Blog, mit regelmäßigen Beiträgen und einem Volumen von 400 Beiträgen in den letzten 12 Monaten. Anforderung an Gastautoren, bzw. -beiträge finden sich hier. Diese sind immer herzlich willkommen! Es besteht auch die Möglichkeit einer laufenden, regelmäßigen Kooperation als Co-Autor, zu der ich explizit einladen möchte.

Das Design und die Navigation wurden laufend optimiert, um eine professionelle Darstellung und Navigation durch die Artikel zu ermöglichen. Als Herausgeber betreibe ich das Projekt aber immer noch neben meiner eigentlichen beruflichen Tätigkeit. Dies bedeutet, dass ich am Morgen, vor Arbeitsbeginn, nach dem Feierabend und am Wochenende die Planung und Bearbeitung von Artikeln, Interviews, Themensammlung und Autorenanfragen bearbeite.

Verschiedene Unternehmen, Gastautoren und ein mittlerweile aufgebautes Expertennetz bescheinigen eine professionelle, unkomplizierte und (zumeist) schnelle Zusammenarbeit – was mich natürlich freut.

Anfragen, die die oben beschriebenen Kriterien erfüllen, werden gerne aufgenommen. Mittlerweile gibt es mehrere Unternehmen von denen wir regelmäßig Meldungen veröffentlichen und wo ein reger Kontakt und Austausch entstanden ist. Interessanterweise gab es zuletzt eher von SEO Agenturen sehr unprofessionelle Anschreiben. Es gibt so viele interessante Themen und Projekte, dass ich mich nicht mit der Durchsicht eines „Portfolio“ oder einer „Themenliste“ beschäftigen möchte, um mir zu überlegen, wie ein Linktausch aussehen soll. Bitte schreiben Sie mir, ob Sie einen konkreten Artikel zu einem relevanten Thema von geistreich78 wünschen oder laden Sie mich konkret als Gastautor zu einem Thema ein – oder verschonen Sie mich ansonsten mit solchen eMails.

Ansonsten sie an dieser Stelle darauf verwiesen, dass geistreich78 bei Rankseller, Ranksider und Trustlink gelistet ist.

Events und Veranstaltungen würde ich gerne noch viel mehr besuchen – an dieser Stelle vielen Dank an Metaio, die mir die Teilnahme an der insideAR ermöglicht haben. Gerne nehme ich hier weitere Einladungen an! Bedenken Sie jedoch, wie oben beschrieben, dass ich hier zeitlich begrenzt bin. Warum nicht ein Bloggermeeting am Abend oder am Wochenende anbieten?

Bezüglich „Blogger Relations“ wird mit Sicherheit auch der Austausch und das Networking innerhalb der Blogosphäre noch mehr zunehmen. Hierzu habe ich erst diese Woche über die Münchner Social Media Szene geschrieben.

Update: 11:02:55 – 2013-11-10

Dass es in dem gesamten Kontext nicht nur um „Blogger“, sondern auch um „Influencer“ geht, die sich behebend innerhalb der verschiedenen Social Media Kanäle bewegen, um mit ihren Netzwerken zu kommunizieren führt Johannes Lenz in der Huffington Post aus.

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