Sharing Economy: Access wichtiger als Possess

Zu der Thematik Sharing Economy habe ich bereits einige Beiträge verfasst.

um nur ein paar zu nennen.

Das Wirtschaftsmagazin brand eins titelt nun in seiner aktuellen Ausgabe „Greif zu!“ – Warum Teilen und Tauschen die Wirtschaft voranbringen. Aus dem Leitartikel von Wolf Lotter, Sein und Haben, möchte ich einige Gedanken aus dem Abschnitt „Zugänge statt Eigentum“ vertiefen, die ich persönlich bedeutsam halte.

Zugänge statt Eigentum – Access and not Possess

Zunächst hier die wichtigsten Textpassagen (brand eins Heft 05 Mai 2013):

Die Welt der materiellen Waren und Produkte wandelt sich in eine der immateriellen Güter der Dienstleistungen und des Wissens: „In der vernetzten Wirtschaft ist materielles wie geistiges Eigentum für Unternehmen etwas, auf das man zugreift“ […] „Eigentum an Sachkapital (…), im Industriezeitalter Kern nicht nur des Wirtschaftslebens, wird für den ökonomischen Prozess immer unbedeutender.“ Das Eigentum an Sachkapital […] würde von Unternehmen als Belastung empfunden, „eher als Betriebsausgabe (…) denn als Vermögenswert, als etwas, das man besser leiht als besitzt“. […]

Dass es wichtiger ist, etwas nutzen zu können, als es zu besitzen, gehört zu den Fundamenten der Wissensökonomie. […] Produkte werden gekauft, Dienstleistungen dagegen zugänglich gemacht.“

Wichtige Gedanken des Artikels lehnen sich an ein Buch von Jeremy Rifkin, das dieser im Jahr 2000 veröffentlicht hat:

Jeremy Rifkin beschreibt radikalen Wandel des Kapitalismus

Jeremy Rifkin
Access – Das Verschwinden des Eigentums. Wenn alles im Leben zur bezahlten Ware wird
Campus Verlag, Frankfurt am Main 2000
ISBN 9783593365411
Gebunden, 424 Seiten

Seine Kernbotschaft lautet:

Der Kapitalismus ändert sich radikal – und mit ihm unser ganzes Leben. Die Formel des kommenden Zeitalters lautet: Access, Zugriff, Zugang. Der rasche Zugriff auf Ideen, Güter und Dienstleistungen zählt heute bereits mehr als dauerhafter und schwerfälliger Besitz. Das bleibt nicht ohne Folgen für das gesellschaftliche Zusammenleben. […] Er führt uns eine Welt vor, in der möglicherweise alles, was wir brauchen, nur noch als bezahlter Service erhältlich ist.

Zugriff zählt mehr, als dauerhafter Besitz

Die Realität dieser Aussage begegnet uns heute im Internet überall:

Google hat sein Geschäftsmodell darauf ausgerichtet seinen Nutzern „Zugriff / Access“ zu ermöglichen

  • Zugriff zu Inhalten im World Wide Web – Google Websuche
  • Zugriff zu Bildern und Medien – Google Bildersuche
  • Zugriff zu Videos über seinen Ableger YouTube
  • Zugriff zu Karten und geografischen Informationen – Google Maps
  • Zugriff zu literarischen Inhalten – Google Books
  • Zugriff zu Musik – Google Play wird laufend weiter ausgebaut
  • Zugriff zu Kommunikation – GMail, Messenger

die Liste ließe sich noch weiter fortsetzen…

Aber denken wir nur an einige Start-Ups und Unternehmen, die derzeit in aller Munde sind und ebenso agieren:

  • Musik Streaming Dienste, wie Spotify
  • Wikipedia – auf seine Art ermöglicht es Zugang zu kostenlosem Wissen – noch vor einigen Jahren musste man sich teure Lexika kaufen
  • Watchever, lovefilm oder maxdome – immer mehr Videostream Anbieter strömen auf den Markt

Netzwerke treten an die Stelle von Märkten

In seinem Buch schreibt Rifkin in Kapitel 1:

Im kommenden Zeitalter treten Netzwerke an die Stelle der Märkte, und aus dem Streben nach Eigentum wird Streben nach Zugang, nach Zugriff auf das, was diese Netzwerke zu bieten haben.

Für diesen Abschnitt hätte ich auch die Überschrift „Siegeszug der sozialen Netzwerke“ wählen können. Wobei man hier auch mit der Kritik ansetzen könnte.

Ist das alles wirklich so neu? Natürlich reden wir heute über Social Media. Soziale Netzwerke. Facebook. Aber wie heißt es hier im Zitat: „… was die Netzwerke zu bieten haben“. Ist die Sharing Economy an diesem Punkt nicht einfach Kapitalismus in anderem Gewand? Sozusagen der Wolf im Schafsgewand? Im Grunde genommen streben die Unternehmen doch auch nur dorthin, um Gewinn zu maximieren, Kunden zu gewinnen, Umsatz zu generieren.

Wir haben nur nicht mehr den klassischen Markt. Die Netzwerke und Beziehungen treten mehr in den Vordergrund:

  • Reputation
  • Empfehlungen
  • virales Marketing
  • F-Marketing (Facebook)
  • Crowd und Cloud

sind die Schlagworte der Stunde.

Man könnte sagen: Nicht mehr der Besitz an der Wolke ist entscheidend, sondern wie nutze ich die Cloud? Wie mache ich das meiste aus ihr? Wie nutze ich den Zugang zu ihr gewinnbringend?

Was ist noch Kapital?

Am Ende bleibt die Frage: Was ist denn noch Kapital? Was hat in einer so veränderten Welt noch Wert?

Betrachten wir 2 Beispiele:

  • Facebook kauft Instagram – für 300 Millionen Dollar in bar sowie 23 Millionen Facebook-Aktien
  • Yahoo will Tumblr für 1,1 Milliarden Dollar kaufen

Ich zitiere erneut den Satz von oben: „Zugriff auf das, was diese Netzwerke zu bieten haben. Was haben Instagram und Tumblr zu bieten?

Nutzer, Nutzer, Nutzer. Was ist an diesen Nutzern bedeutsam? Sie sind das „Humankapital“ für Facebook und Yahoo für die Vermarktung von Online Werbung.

So schreibt die WAZ zum Tumblr Kauf:

Für Yahoo selbst geht es vor allem um eines: Verjüngung. Mit Tumblr will der Internet-Konzern wieder „hip“ werden. […] Das Unternehmen braucht einen Jungbrunnen. Es sei wichtig, wieder „cool“ zu werden, so Finanzchef Ken Goldman.
Zwar hat der Blogging-Dienst im vergangenen Jahr nur 13 Millionen Dollar Gewinn gemacht, aber er gilt als „hip“, ist angesagt. Genau das, was Yahoo nicht mehr ist. Vor allem aber ist „Tumblr“ auch eine Art soziales Netzwerk. Eine Welt, in der Yahoo bisher nicht einmal einen Zeh in der Tür hatte.

Die Sharing Economy bietet Privatpersonen und Nutzern viele neue Möglichkeiten. Sie ermöglicht auch Nutzung und Zugriff von Dingen und in Bereichen, die bis dato verschlossen blieben. Dennoch darf man nicht außer acht lassen, dass die Unternehmen immer noch davon angetrieben sind, Geld verdienen zu wollen.

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