Polizei in Dallas: Diskussion um Einsatz von Roboter als Waffe

Nachdem ein Heckenschütze letzte Woche in Dallas gezielt auf Polizisten geschossen hat, wurde dieser am Ende einer wilden Schießerei mutmaßlich durch den Einsatz eines mit Sprengstoff beladenen Roboters getötet. Dies stößt eine ganz neue Diskussion um den Einsatz von Maschinen im Kampf gegen Menschen an.

Der US Drohnenkrieg in der Kritik

Drohnen und Roboter werden im Kriegseinsatz, wie im Kampf gegen den Terror, in Irak oder Afghanistan, schon seit längerem vom Militär eingesetzt. Gerade die Administration von Barack Obama hat zu einem exponentiellen Anstieg von Drohnenangriffen und -tötungen geführt. Wofür sie allerdings sogar im eigenen Land heftiger Kritik ausgesetzt ist. Im November 2015 etwa veröffentliche die Zeit Online einen offenen, sehr kritischen Brief von vier Drohnenpiloten an Barack Obama. In dem Brief wird nicht nur der negative Effekt auf die weltweite Sicherheitslage angesprochen,

Diese Regierung und ihre Vorgängerregierung haben ein Drohnenprogramm aufgesetzt, das eine der verheerendsten Triebfedern des Terrorismus und der Destabilisierung weltweit ist.

sondern auch die Folgen, die die Soldaten und Soldatinnen zu tragen haben.

Jeder Einzelne von uns entwickelte eine posttraumatische Belastungsstörung, als die Schuld zu groß wurde, die mit unserer Rolle beim Ermöglichen dieses systematischen Zerstörens unschuldiger Leben einherging. Aber die Regierung, der wir so viel gegeben hatten, ließ uns fallen – sie entließ uns in eine Welt ohne angemessene medizinische Versorgung, ohne Zugang zu einem verlässlichen Gesundheitswesen, ohne notwendige Zuwendungen. Einige von uns sind heute obdachlos. Andere kommen gerade so zurecht.

Drohne Global Hawk

Global Hawk Drohne, wie sie von den USA eingesetzt wird.

In einem Kommentar im Oktober 2015 gibt Holger Stark, basierend auf neuen, durch Whistleblower zu Tage geförderten Informationen, zu bedenken:

Sie (die neuen Dokumente, Anm. d. Autors) belegen, was mittlerweile Allgemeingut im öffentlichen Bewusstsein geworden ist: Dass die Drohnenschläge die Grenzen zwischen Krieg und Frieden vermischen, dass sie neben tatsächlichen Terrorverdächtigen allzu oft auch Unschuldige treffen. Und dass Obama persönlich als Oberster Befehlshaber nicht nur politisch verantwortlich, sondern auch faktisch derjenige ist, der einen Verdächtigen in Afghanistan, Somalia oder dem Jemen zum Abschuss freigibt.

Bis dato bezog sich die Diskussion und Kritik jedoch auf Einsätze, die im Ausland, im fernen Osten, stattfanden. Mit dem Polizeieinsatz wurde nun ein neues Kapitel im Kampf Mensch gegen Maschine aufgeschlagen. Erstmals soll eine Tötung im Inland durch einen Roboter ausgeführt worden sein.

Der Roboter-Einsatz in Dallas

Bislang sind zum genauen Hergang wenig Fakten bekannt. Es ist nicht bekannt:

  • Wie der Einsatz genau ablief
  • Welcher Roboter, bzw. Modell eingesetzt wurde
  • Ob der Roboter von Anfang an zum Einsatz kam
  • Ob die Option einen Roboter als Waffe einzusetzen seit Beginn der Operation geplant war

Bekannt ist aber, dass die Polizei von Dallas über mehrere Typen von Robotern verfügt.

Waffenexperte Peter Singer vom Thinktank New America Foundation auf Twitter:

Im April 2014 sollen mindestens 3 unbemannte Roboter erworben worden sein, wie Fortune berichtet. Zwei Typen, der Andros Roboter und der MARCBot kommen für den Einsatz in Frage, wobei sich die Polizei verständlicherweise zu Details bedeckt hält. Dallas‘ Bürgermeister Mike Rawlings bestätigte am Freitagabend allerdings, dass dem Roboter C4-Sprengstoff angeheftet worden war. Im Spiegel heißt es weiter:

„Die Beamten hatten sich mit dem Afghanistan-Veteranen Schusswechsel geliefert und stundenlang mit ihm verhandelt. Dann schickten die Beamten den Roboter mit Sprengstoff zu ihm, Micah Johnson war sofort tot. „Wir hatten keine andere Wahl“, sagte Brown (Anm. d. Autors: Dallas‘ Polizeichef). „Andere Optionen hätten unsere Beamten in ernste Gefahr gebracht.“

Beide Roboter werden vom Militär zum Transport und absetzen von explosivem Material verwendet. Aber sind ursprünglich nicht für den direkten Einsatz gegen Menschen gedacht.

Ein MARCbot im Einsatz. Quelle: flickr, The U.S. Army, 02.08.2008.

Ein MARCbot im Einsatz. Quelle: flickr, The U.S. Army, 02.08.2008.

Über die an den Robotern angebrachten Kameras kann sich die Einsatzleitung auch ein gutes Bild der örtlichen Lage verschaffen, ohne Menschen einer Gefahr von Verletzungen auszusetzen. Die amerikanischen Medien betonen, dass alle in Frage kommenden Roboter keine autonomen Maschinen sind, sondern, genau wie die Drohnen, von Menschen gesteuert werden. Mittlerweile erlaubt die Technologie zwar eine freie Bewegung, in bekanntem Terrain, nicht aber in unbekanntem Gelände, wo es zu viele unberechenbare Variablen gibt.

Durch den ersten Einsatz eines Roboter zur Tötung eines Menschen, während einem Polizeieinsatz, im Heimatland, werden zukünftige Anschaffungen unter einem anderen Licht betrachtet werden. Die Öffentlichkeit wird sich fragen (müssen), ob sie bewaffnete Roboter in den Händen der Polizei haben möchte.

Mensch vs. Maschine: Offene ethische Fragen

Aus der verständlichen Sicht der Polizei galt es das Leben von Einsatzkräften zu schützen und zu bewahren. Dennoch bleibt eine Reihe von Fragen, die es gilt ganz offen zu diskutieren:

  • Welchen Unterschied macht es, ob ein Mensch unmittelbar den tödlichen, „finalen“ Schuss abgibt oder dies mittelbar über einen ferngesteuerten Roboter geschieht?
  • Wird dadurch die Hürde zur Tötung eines Menschen gesenkt? Immer im Hinblick auf den Einsatz der Polizei bei der Verbrechensbekämpfung.
  • Besteht ferner das Risiko, dass stundenlange Verhandlungen mit Geiselnehmern und Attentätern schneller abgebrochen werden, weil man diese ohne menschliche Polizeikräfte einem Risiko auszusetzen zur Strecke bringen kann?

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