Flipboard Update bedeutet Fingerzeig für Medien und Advertiser

Gestern habe ich über das neue Update von Flipboard berichtet. Im Flipboard Magazin von Klaus Eck habe ich heute Morgen einen sehr interessanten Artikel zu den Folgen für Medien und Advertiser – zu deutsch: Werbetreibende – gefunden.


Unter dem Schlagwort Medien habe ich vor allem im letzten Jahr mehrfach über die Krise der deutschen Medien, aber auch in Amerika, wie z.B. die Einstellung der Daily Magazine App, geschrieben. Die Verlagerung der Leser, weg von klassischen Printmedien hin zu Onlineinhalten zeigen alleine schon die gigantischen Werbeeinnahmen von Google auf. Google erwirtschaftete im ersten Quartal 2012 mehr Werbeumsatz, als alle amerikanischen Printmedien zusammen.

Flipboard macht Nutzer zum Verleger

Flipboard ermöglichte bis dato die individuelle Aggregation von Inhalten. Aus verschiedensten Quellen konnte der Nutzer der APP sich die Neuigkeiten und Informationen zusammenstellen, die ihn interessierten. Die eigentliche Veränderung von Flipboard wird vielleicht erst auf den zweiten Blick deutlich: Der Leser / Nutzer hat nun das Potential selbst zum Verleger zu werden. Er kann die Magazine, die er nach wie vor zusammen stellt, Anderen zur Verfügung zu stellen.

 

Dieser Trend ist ja mittlerweile auch von anderen sozialen Netzwerken bekannt. Denken wir an Pinterest, wo Follower meinen Pinnwänden folgen. Doch neben der Nutzung von Flipboard durch Privatpersonen lohnt es sich einen Blick auf die Möglichkeiten für Unternehmen, Werbetreibende und Verleger zu lenken.

Werbetreibende werden selbst zu Verlegern

Mathew Ingram weist in seinem Artikel darauf hin, dass Flipboard eCommerce Funktionen ermöglicht:

Chief technology officer Eric Feng said some advertisers are already creating their own magazines using both their own ads and content from other sources. Those magazines could then be selected and highlighted by Flipboard’s algorithms just like any other effort by a Flipboard user.

Laut Chef Entwickler Eric Feng kreieren einige Werbetreibende bereits ihre eigenen Magazine, wobei sie ihre eigenen Anzeigen mit Inhalt von anderen Quellen kombinieren. Diese Magazine könnten dann durch Algorithmus von Flipboard ausgewählt und prominent dargestellt werden, genauso, wie die von anderen Flipboard Nutzern.

Durch diese neuen technischen Möglichkeiten haben im Grunde Marken und Werbetreibende dieselben Möglichkeiten, die bisher den Verlegern vorbehalten waren. Sie sind nun selbst in der Lage interessante Inhalte den Lesern bereit zu stellen, in denen sie ihre Werbung unterbringen. Sie sind in der Lage das Publikum direkt, ohne Mittelsmänner, anzusprechen. Werden Markenunternehmen und Werbetreibende also in Zukunft überhaupt noch traditionelle Magazine nutzen müssen?

Weitergabe von Werbeeinahmen an Ersteller von Magazinen

Flipboard hat bereits Kooperationen mit Medienunternehmen, um interessante Inhalte direkt in der APP anzuzeigen und nicht in den Browser wechseln zu müssen. Dafür erhält Flipboard natürlich eine entsprechende Beteiligung an den Werbeeinnahmen. Umgekehrt könnte Flipboard „Herausgeber“ von Magazinen an Werbeumsätzen beteiligen – vorausgesetzt diese generieren einen entsprechenden Mehrwert, der durch Folgerzahlen, Likes, Shares usw. nachgewiesen werden könnte. Mit diesem Schritt würde man sich weiter unabhängig von den klassischen Medien machen und selbst zum direkten Partner der Werbetreibenden werden.

Natürlich kommen hier sofort einige Fragen auf:

  • In welchem Verhältnis werden die Einnahmen verteilt?
  • Wie bestimmt Flipboard den „Wert“ von Magazinen?
  • Können Werbetreibende ihre Anzeigen in Zukunft direkt bei Flipboard buchen?
  • Oder gar im übernächsten Schritt sich an den Ersteller von Magazinen wenden?
  • Werden Unternehmen in Zukunft selbst Magazine erstellen und damit andere Medien umgehen?

Um hier weitere Schritte zu gehen darf man gespannt sein, inwieweit Flipboard in Zukunft Analyse Tools bereit stellen wird. So hat Pinterest vor kurzem einen Re-Launch durchgeführt, der für Unternehmen diverse Auswertungen mit sich gebracht hat. Diese sind immer Grundlage, um sich für Werbende weiter interessant zu machen.

Fazit

Flipboard macht einen Vorstoß in die richtige Richtung. Allerdings mit möglicherweise weitreichenden Folgen für Medien, Werbeindustrie und Unternehmen. Letztere werden in Zukunft noch mehr Möglichkeiten haben ihre Zielkunden direkt anzusprechen – Branding und Imageaufbau zu leisten. Sie werden dies sicher auch nutzen, um Kosten zu senken und mit den klassischen Medien harte Kämpfe ausfechten. Die Medien stehen wiederum vor der großen Herausforderung, wie sie dieser Situation entgegnen wollen.

Jochen Krisch schreibt immer so schön von den „Tsunami Jahren“ im eCommerce – ich bin der Meinung, dass die Medien schon mitten in diesem Tsunami sind!

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