Financial Times Deutschland offiziell von Gruner + Jahr eingestellt

Die Vermutungen und Spekulationen um die Zukunft der Financial Times Deutschland wurden heute offiziell bestätigt. Wie bereits von mir in einem anderen Post beschrieben, stellt der Verlag Gruner + Jahr seine Wirtschaftsmarke ein.

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Nikolaus bringt letzte Ausgabe der Financial Times

Internetworld berichtet hierzu: Der Nikolaus bringt noch die letzte Ausgabe, aber am 7. Dezember 2012 ist Schluss. „Tageszeitungen sind unter Druck, im Wirtschaftssegment ganz besonders“, so Julia Jäkel, Vorstand Gruner + Jahr Deutschland. „Die Financial Times Deutschland schreibt seit ihrer Gründung im Jahr 2000 Verluste. Vor diesem Hintergrund sehen wir keinen Weg, die Financial Times Deutschland weiter zu betreiben.“

Der Spiegel bringt ein interessantes Zitat: Am Ende ist die „Financial Times Deutschland“ so geworden, wie ihr Gründungschefredakteur Andrew Gowers sie immer haben wollte. Das Blatt ziele auf „den Leser, der Wichtigeres zu tun hat, als Zeitung zu lesen“, hatte der Brite vor dem Start der „FTD“ am 21. Februar 2000 selbstbewusst erklärt.

In den vergangenen Jahren wuchs die Zahl derer, die offenbar Wichtigeres zu tun hatten, als die lachsfarbene Zeitung zu lesen. Immer weniger Menschen wollten das Blatt abonnieren – zwischen dem dritten Quartal 2006 und dem dritten Quartal dieses Jahres sank die Abonnentenzahl von mehr als 62.000 auf knapp 42.000. Kurz nachdem das Blatt vor zwölf Jahren auf den Markt gekommen war, kauften es pro Tag knapp 11.000 Menschen am Kiosk – zuletzt waren es kaum mehr als 3.000. Zwar liegt die Gesamtauflage des Blattes seit Jahren relativ stabil über der Marke von 100.000, doch immer mehr Exemplare verteilte der Verlag kostenlos. Im vergangenen Quartal lag die Zahl der Bordexemplare bei mehr als 46.000 – also höher als die Zahl der Abonnenten.

Ganz leidenschaftslos erscheint der Kommentar des Chefredakteurs Steffen Klusmann: Wir haben von Unternehmen oder Politikern oft harte Schnitte gefordert, wenn wir sie in einer Sackgasse wähnten – etwa weil ein politischer Plan im Praxistest durchfiel oder weil ein Geschäftsmodell nicht umsetzbar schien. 
Dieses Schicksal ist nun der FTD widerfahren. Wir haben die schöpferische Zerstörungskraft des Internets zwar seit unserer Gründung so intensiv beschrieben wie kein anderer in Deutschland. Es ist uns allerdings nicht gelungen, darauf aufbauend ein Geschäftsmodell zu entwickeln, das unseren Anspruch an Journalismus zu finanzieren vermag.

Wie geht das Print Sterben weiter?

Sascha Lobo schreibt in seiner Kolumne: Das Printsterben in Deutschland scheint begonnen zu haben, offenbar reicht es von links („Frankfurter Rundschau“) bis in die Mitte („Financial Times Deutschland“) und von oben („Impulse“) bis unten („Prinz“). Eine lebhafte Diskussion über die Gründe hat begonnen und darüber, welche Konsequenzen zu ziehen sind. Es geht dabei oft um Geschäftsmodelle, um Papier und natürlich um das Internet. Seltener geht es darum, wie sich Nachrichten selbst verändert haben, egal ob gedruckt oder gepixelt.

 Klar dürfte sein, dass sich die Veränderung der Medienwelt nicht nur auf Deutschland beschränkt, wie in meinem Blogpost zu den Google Werbeinnahmen, im Vergleich zu den amerikanischen Printmedien, zu lesen ist.

Die nächsten Wochen bleiben weiter spannend. Stehen doch durch die Entscheidung von Gruner + Jahr auch die Zeitschriften Börse Online und Impulse zur Disposition. 

 

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