Deutscher Crowdfunding Boom, aber noch Nachholbedarf international

Die Krautreporter haben dem Crowdfunding, von dem sie auch zum Teil den Namen entlehnt haben, wieder neue Aufmerksamkeit verschafft. Dass das Finanzieren von Projekten durch eine Vielzahl an Geldgebern ein boomendes Geschäftsmodell ist, zeigt eine neue Statista Infografik.


Infografik: Crowdfunding-Boom in Deutschland | Statista

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Insgesamt über 9 Millionen Euro wurden bis zum Ende des ersten Quartals 2014 auf diese Art bereits gesammelt, so der Crowdfunding-Monitor von für-gründer.de.

Die Zahl der erfolgreichen Projekte hat sich dabei zuletzt auf einen Wert von etwa 180 bis 250 pro Quartal eingepegelt. Die gesammelten Geldsummen sind jedoch gestiegen, lagen seit Anfang 2013 in jedem Quartal über einer Million Euro. Anfang 2014 war dieser Wert erstmals wieder rückläufig.

Die Krautreporter sind freilich nicht die ersten und einzigen deutschen Journalisten, die auf diesem Weg ambitionierte journalistische Projekte finanzieren. Enno Heidtmann, 14 Jahre lange Zeitsoldat, hat bisher drei größere Filmprojekte per Crowdfunding stemmen können. Unter anderem „Wenn beim Nachbarn Krieg ist“ über den Syrienkonflikt.

Seine Erfahrungen können Sie in einem Zeit Interview nachlesen.

Kleine Geschichte des Crowdfunding

Die Idee zu Crowdfunding stammt ursprünglich aus den USA und wurde zunächst vor allem bei der Finanzierung von Musikproduktionen eingesetzt. Im Oktober 2003 startete der Musiker und Produzent Brian Camelio die Internet-Plattform ArtistShare als Reaktion auf die Entwicklungen des Raubkopierens und die Bestrebungen der Musikindustrie für ein digitales Rechtemanagement. Die Website ermöglichte es Musikern, das Geld für die Produktion eines Albums zu erhalten, bevor es veröffentlicht wurde. 2006 wurde dann die Plattform sellaband.com ins Leben gerufen. Als sellaband.com im August 2006 in Europa startete, galt es je 50.000 US-Dollar für Musiker und Bands mit der Hilfe der Believer zu erreichen, um ein Album zu produzieren. Bereits am 2.11.2006 hatte die Band Nemesea 528 Unterstützer zusammen und konnte so ihr Album „In Control“ aufnehmen. In den vergangenen vier Jahren haben es weitere 50 Bands ins Tonstudio bei Sellaband.com geschafft. (siehe wikipedia und startnext Blog) Ein weiterer Meilenstein war 2010 die Finanzierung eines Albums der bereits sehr bekannten Band Public Enemy.

Ins Deutsche übersetzt, bedeutet Crowd „Ansammlung“ oder „Menschenmenge“. Funding umfasst das Aufbringen von Mitteln bzw. die Finanzierung. Auf großen internationalen Crowdfunding Plattformen wie das 2009 gegründete kickstarter.com oder indiegogo (2008 ins Leben gerufen) werden so Projekte aus den Bereichen Design, Fashion, Kunst, Film & Video, Nahrungsmittel oder Spiele finanziert. Weitere deutsche Anbieter sind seedmatchstartnext, visionbakery oder fundsters.

Deutschland international nur auf Platz 5

Eine andere Infografik zeigte im März allerdings, dass Deutschland gemessen am Investitionsvolumen erst auf Platz 5 der Crowdfunding Nationen kommt. Davor liegen mit Australien und Kanada, jeweils mit deutlichem Vorsprung, zwei Nationen mit wesentlich geringerer Wirtschaftsleistung.

Infografik: Die Top 10 Länder für Kickstarter-Investments | Statista

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Mehr als eine Milliarde US-Dollar haben rund 5,7 Millionen Menschen seit dem 28. April 2009 für Projekte auf Kickstarter.com bereitgestellt. Deutsche haben bisher 21,6 Millionen US-Dollar in Kickstarterprojekte investiert. Mit Abstand am populärsten ist die Crowdfunding-Plattform mit 663 Millionen US-Dollar eingesammelten Kapitals in den USA.

Auf den anderen Kontinenten, wie Asien, Afrika und Südamerika spielt Crowdfunding offenbar keine Rolle. Das Finanzierungsmodell setzt eine wohlhabende Bevölkerung voraus, die das eigene Kapital in innovative stecken kann.

Mit 7 Schritten zur eigenen Crowd

Van Bo Le-Mentzel erklärt im Rahmen seiner Teilnahme an der Panel-Diskussion auf der co:funding „Wie können Journalisten, Autoren und Verlage Crowdfunding als Finanzierungsstrategie für sich nutzen?“ seine sieben Schritte zum erfolgreichen Aufbau einer Crowd. Van Bo selbst hat es selbst auf Startnext geschafft sein Buchprojekt „Hartz IV Möbel“ mit 260 % zu überfinanzieren. (Quelle: für-gründer.de)

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