Zalando Gruppe erreicht im zweiten Quartal 2014 Break-Even

Die Zalando Gruppe erreicht im zweiten Quartal 2014, erst zum zweiten Mal in der Geschichte, die schwarze Null. Zumindest sagen das vorläufige Zahlen die Ende der Woche veröffentlicht wurden.

Offiziell heißt es:

Über 1 Milliarde EUR Nettoumsatz
im ersten Halbjahr 2014

• EBIT im ersten Halbjahr 2014 auf Breakeven-Niveau

• Verbesserungen entlang aller wesentlichen Kostenpositionen

Zalando ist im zweiten Quartal 2014 weiter stark gewachsen und erzielte im ersten Halbjahr 2014 nach vorläufigen Zahlen einen Nettoumsatz von 1.020-1.060 Millionen EUR auf Gruppenebene (erstes Halbjahr 2013: 809 Millionen EUR). Im Vergleich zum ersten Halbjahr des Vorjahres ergibt das ein Plus von etwa 200 Millionen Euro. Das entspricht – je nachdem, welche Höhe das Unternehmen im kommenden Monat bestätigt – einem Plus von 19 bis 28 Prozent.

„Die Entwicklung im zweiten Quartal ist sehr positiv, da wir sowohl anhaltend starkes Wachstum als auch eine starke Verbesserung der Marge verzeichnen“, sagte Rubin Ritter, Mitglied des Zalando-Vorstands. „Basierend auf dieser Entwicklung halten wir an unserem Ziel fest, im Geschäftsjahr 2014 einen entscheidenden Schritt in Richtung EBIT-Breakeven auf Gruppenebene zu machen, auch wenn wir den Breakeven eventuell nicht ganz erreichen werden.“

Es gibt also noch einen Ergebniskorridor von 40 Millionen Euro. Weitere Details werden erst Ende August veröffentlicht. Jochen Krisch führt dies unter anderem auf die hohe Retourenquote zurück, was folglich erst zeitversetzt absolute Zahlen ermöglicht.

Gründe für das gute zweite Quartal 2014

Olaf Kolbrück nennt auf etailment.de fünf Gründe, die kurzfristig zu positiven Effekten beitragen:

  1. Aufgrund des weitgehend rabattfreien zweiten Quartals können höhere Margen realisiert werden.
  2. Das Sortiment verschiebt sich zunehmend in Richtung Premium und Eigenmarken, was ebenfalls zu besseren Margen führt.
  3. Frühere Investitionen in Logistik und Fulfillment zahlen sich mittlerweile aus.
  4. Die Werbung wird immer effizienter.
  5. Bis auf die mobile Shopping App, wurde die Internationalisierung nicht weiter voran getrieben.
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Zalando Shopping App. Zum Vergrößern anklicken.

Folglich lässt sich über die tatsächliche Geschäftsentwicklung, also inwieweit die Berliner nun profitabel sind, erst im nächsten Jahr etwas sagen, wenn die vollständigen und endgültigen Zahlen vorliegen. Das noch im Vorjahr nicht erreichte Ziel der zweiten Umsatzmilliarde dürfte nun allerdings erreicht werden. Im gesamten Vorjahr erreichte der Umsatz 1,7 Milliarden Euro. Nach einem gruppenweiten Verlust von 120 Millionen darf man allerdings gespannt sein, wie das Jahresergebnis 2014 aussehen wird.

Mobile Commerce als Umsatztreiber

Die Zalando Mobile App wurde mittlerweile in allen internationalen Märkten gelauncht und diese Investition scheint sich wirklich zu lohnen. Die App verzeichnete zum Ende des zweiten Quartals 2014 insgesamt mehr als 3,8 Millionen Downloads. 41 % der Online Shop Besucher kommen mittlerweile über mobile Endgeräte. Im ersten Quartal waren es noch 38% gewesen. Wie hoch die Zahl derjenigen, die dann auch einen Kauf abschließen ist, ist allerdings nicht bekannt. Die Erlöse seien aber in ähnlichem Maße gestiegen wie die Seitenabrufe.

Zalando forciert folglich die Entwicklung der mobilen Angebote: Geplant sind unter anderem eine Bilderkennungs-Software für Smartphones sowie Push-Mitteilungen, die über den aktuellen Lieferstatus informieren. Darüber hinaus soll im dritten Quartal die Startseite Zalando.de relauncht werden.

Spekulationen um Börsen IPO

Schon seit längerem gibt es ja Gerüchte um den geplanten Börsengang. Zuletzt wurde die Rechtsform von Zalando in eine SE, also eine europäische Aktiengesellschaft umgewandelt, nachdem 2013 die GmbH in eine AG geändert wurde.

Aktuell wird vielfach mit dem Börsengang im Oktober gerechnet. Demnach müssten Angaben dazu im September veröffentlicht werden. Laut Medienberichten haben bereits Goldman Sachs, Morgan Stanley, J.P. Morgan und Credit Suisse ihr Interesse bekundet die Berliner beim Gang auf das Börsenparkett zu begleiten. Die drei erstgenannten würden zumindest über ausreichend Erfahrung mit Internetunternehmen verfügen, haben sie doch in den letzten Jahren Facebook und Twitter mehr oder weniger erfolgreich begleitet.

Finanzen.net weist auf unterschiedliche Überlegungen zum geplanten Emissionsvolumen hin:

Wenn man den Insidern vertrauen kann, dürfte der Börsengang von Zalando auch deutlich kleiner ausfallen als erwartet. Das Emissionsvolumen soll laut Insidern auf jeden Fall unter einer Milliarde Euro liegen, spekuliert wird sogar über ein Volumen von nur 380 bis 570 Millionen Euro. Das IPO dürfte vor allem deshalb so klein werden, weil die Zalando-Großaktionäre zum Konzern halten und ihre Anteile nicht veräußern möchten. Darüber hinaus sollen diese durch die Ausgabe neuer Aktien auch nicht zu stark verwässert werden. Daher dürften im ersten Schritt nur 10 bis 15 Prozent des Unternehmens an die Börse gebracht werden. Da Zalando zuletzt insgesamt mit einem Wert von 3,8 Milliarden Euro bewertet wurde, entspricht dies dem oben genannte Emissionsvolumen im mittleren dreistelligen Millionenbereich.

Die Bewertung von Zalando mit 3,8 Milliarden Euro ist allerdings nur mit Vorsicht zu genießen, da sie von dem schwedischen Investor Kinnevik stammt, der aktuell rund 37 Prozent an Zalando hält und damit der größte Aktionär des Online-Versandhauses ist.

Zweitgrößter Gesellschafter sind die Samwer-Brüder, über den European Founders Fund, mit 17%. Hinzu kommen Bestseller-Chef Andreas Holch Povlsen (10%), Holtzbrinck Ventures, Tengelmann, Holtzbrinck, Digital Sky Technologies (DST), J.P. Morgan, Access Industries, Quadrant Capital Advisors, der kanadische Lehrer-Pensionsfonds OTPP (Ontario Teachers’ Pension Plan) und der US-Investor Putnam. Einem Bericht der Börsen-Zeitung zufolge will auch der ehemalige Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke bei Zalando einsteigen. Der Manager gehört seit Mai dieses Jahres dem Aufsichtsrat des E-Commerce-Anbieters an.

 

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