Wettbewerbsvorteile durch Corporate Incubation

Die Gründerszene in Deutschland verzeichnet in den letzten Jahren eine starke Zunahme an Inkubatoren. Für Konzerne wird Inkubation als Bestandteil der Innovations- und Wachstumsstrategie immer bedeutender.

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Die Managementberatung Mücke, Sturm & Company hat die Chancen und Risiken von Konzerninkubation hinsichtlich der Wachstumspotenziale, der Innovationsstrategie und der Rentabilität von Inkubatoren als Investition analysiert. Eine Umfrage unter Experten und Gründern zeigt zudem, welche Faktoren für Gründer entscheidend sind. Auf Basis der Analyse und der Umfrage hat MS&C ein Corporate Incubation Model entwickelt, das Konzernen ermöglicht, langfristig Wettbewerbsvorteile zu generieren.

„Konzerninkubation bietet hohe Wachstumspotenziale und eine langfristig hohe Investitionsrendite. Die Analyse zeigt, dass ein integrierter Inkubationsansatz, der verschiedene Fördermodelle verzahnt, die mit Inkubation verbundenen Risiken verringern kann“, erklärt Achim Himmelreich, Partner bei Mücke, Sturm & Company.

Inkubatoren, Acceleratoren und Company Builders
Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Bisher wurde der Begriff Inkubator als Oberbegriff für drei unterschiedliche Unternehmensmodelle verwendet. MS&C differenziert dagegen Inkubatoren, Acceleratoren und Company Builders, denn obwohl alle drei Dienstleistungszentren beschreiben, die die erfolgreiche Entwicklung von Unternehmen unterstützen, weisen sie doch wesentliche Unterschiede auf:

Inkubator

Inkubatoren bieten Startups Unterstützung für eine monatliche Vergütung an. Diese Unterstützung umfasst Sachmittel, wie beispielsweise Arbeitsplatz und Büroausstattung, Dienstleistungen wie beispielsweise Mentoring und Networking und gegebenenfalls Finanzierung für einen festgelegten Prozentsatz des Eigenkapitals. Startups können sich bei Inkubatoren jederzeit bewerben. Im Vergleich zu den anderen genannten Unternehmensmodellen haben die Projekte bei Inkubatoren eine mittelfristige Bindungsdauer (in der Regel ein bis zwei Jahre). Konzerninkubatoren (engl. corporate incubators) sind konzerneigene Inkubatoren. Diese bezwecken sowohl die Gründung neuer Unternehmen als auch den Versuch, die Gründungen als Produkte bzw. Dienstleistungen in das eigene Ökosystem zu integrieren.

Accelerator

Ein Accelerator ist in der Regel Startfinanzierer der Startups seines Portfolios. Er bietet ebenso finanzielle wie auch nicht-finanzielle Unterstützung für einen relativ geringen Prozentsatz des Eigenkapitals an. Bei nicht-finanzieller Unterstützung handelt es sich um Dienstleistungen wie beispielsweise Mentoring und Coaching. Im Gegensatz zu Inkubatoren gibt es bei Acceleratoren feste Bewerbungs- und Programmzeiträume, in denen eine bestimmte Menge von Startups gleichzeitig aufgenommen wird. Im Vergleich zu Inkubatoren und Company Builders haben Projekte bei Acceleratoren die kürzeste Laufzeit (in der Regel bis ein Jahr). Viele Konzerninkubatoren bieten neben ihren Inkubator Programmen auch Accelerator-Programme an. Also kann man auch von Konzernacceleratoren als weiterem Unternehmensmodell sprechen.

Company Builder

Bei diesem Unternehmensmodell werden Innovationen, die innerhalb des Unternehmens entstehen, gefördert. Erst nach einer erfolgreichen Marktvalidierung findet die Übergabe an ein Gründerteam statt. Der Company Builder besitzt die Mehrheit der Unternehmensanteile. Nach der Übergabe übernimmt er die Rolle eines Inkubators bzw. eines Accelerators. Manche Company Builders bieten operative Dienstleistungen, z.B. Buchhaltung, zentral für ihre Startups gegen eine monatliche Vergütung an. Im Vergleich zu den zwei anderen Unternehmensmodellen ist die Bindungsdauer der Projekte bei Company Builders am längsten (in der Regel mehr als zwei Jahre).

Venture Capitalist als weiterer Akteur in der Gründerszene

Venture Capitalists sind weitere bedeutungsvolle Akteure in der Gründerszene. Venture Capital (VC, engl. für: Wagnis- bzw. Risikokapital) ist eine Form der Eigenkapitalfinanzierung – also Kapital, das sowohl für einen Prozentsatz des Eigenkapitals als auch für eine aktive Rolle in der Steuerung des Startups angeboten wird. Analog zu Konzerninkubatoren versteht man unter Corporate Venture Capitalist (CVC) ein konzerneigenes VC. Viele Konzerne besitzen schon länger ein CVC als Inkubator bzw. Accelerator. So hat die Deutsche Telekom bereits 1997 T-Ventures gegründet, den Inkubator Hubraum hingegen erst in 2012.

Neben der Art der Unterstützung, der Art der Vergütung, dem Ursprung der Ideen und der Bindungsdauer der Projekte lassen sich die genannten Unternehmensmodelle anhand der Kriterien Investitionszeitpunkt und -volumen ebenfalls wesentlich unterscheiden.

Im Vergleich zu Inkubatoren, Acceleratoren und Company Builders, steigen Venture Captialists meistens zu späteren Zeitpunkten ein und stellen den Startups höhere Investitionsvolumina zur Verfügung. Acceleratoren steigen in der Regel am frühesten ein.

Bezeichnung von Inkubatoren in der Praxis

Die obengenannten Definitionen bzw. Eigenschaften machen die Unterschiede zwischen den drei Unternehmensmodellen deutlich. In der Praxis ist diese Abgrenzung nur schwer möglich, weil der Begriff Inkubator oft als Oberbegriff für die drei Bezeichnungen benutzt wird.

So kommt es, dass sich viele Unternehmen, die gemäß den oben genannten Eigenschaften eher als Acceleratoren bzw. Company Builders gelten, als Inkubatoren bezeichnen. Bei Unternehmen, die die Eigenschaften von zwei der drei genannten Unternehmensmodelle besitzen, ist es leichter, sie den einzelnen Eigenschaften statt den Bezeichnungen der Unternehmensmodelle zuzuordnen.

  Investitions-
volumen
Grad der
Unterstützung
Eigenkapital
übernommen
Portfolio
(Anzahl)**
Unabhängig-
keit
Internatio-
nalität
Netzwerk
Rocket Internet +++++ +++++  +++++ +++++ +++++ +++++ +++++
Team Europe ++++ +++++  ++++  +++++   +++++  ++ ++++
Hubraum* +++ ++++ ++ +++  +++  +++  ++++
Project A
Ventures
++++  ++++  ++++  ++++  +++ ++ ++++ 
Wayra ++ ++++  ++  +++  +++  +++++ +++++
Axel Springer
Plug & Play
+ ++++  +++  +++  ++  ++++ 
P7S1 Accelerator + +++  +++  +++  ++  ++++ 
You Is Now* +++ ++++  ++  +++++ +++ ++  +++ 

+ sehr niedrig, ++ niedrig, +++ mittel, ++++ hoch, +++++ sehr hoch
* You Is Now und Hubraum bieten jeweils zwei unterschiedliche Programme an (Inkubator und Accelerator). In dieser Tabelle werden werden ausschließlich die Inkubator Programme der beiden Unternehmen berücksichtigt.
** Nur Startups in Deutschland fanden Berücksichtigung

Wettbewerbsvorteile und Herausforderungen

Konzerninkubation hat viele Vorteile: Mittlerweile ist Konzerninkubation ein entscheidender Bestandteil der Innovationsstrategie großer Unternehmen, bietet darüber hinaus aber auch Wachstumspotenziale und eine hohe Investitionsrendite. Inkubatoren geben Konzernen die Möglichkeit, ihre Geschäftsfelder sowohl durch Akquise als auch durch Vermarktung von ungenutztem Wissen und bestehenden Technologien zu erweitern und die Nachfrage nach eigenen Produkten und Dienstleistungen zu stabilisieren. Zudem haben Konzerninkubatoren einen positiven Einfluss sowohl auf die Kultur des Konzerns als auch auf sein Image und seine Attraktivität aus der Perspektive des Kunden. Allerdings führt die Einführung von Konzerninkubatoren zu neuen Herausforderungen. Insbesondere stellt die Rentabilität eines Inkubators ein großes Risiko dar. Etwa 40 Prozent der Startups eines Jahrgangs scheitern nach fünf Geschäftsjahren. Sowohl die Branchen- und Gründungserfahrung der Inkubator-Manager als auch die bereitgestellte technische und operative Unterstützung können allerdings dieses Risiko verringern.

Erfolgsfaktor Umsetzungskompetenz

Bewertung von InkubatorenMS&C unterscheidet grundsätzlich Inkubatoren, Acceleratoren und Company Builders aufgrund ihrer unterschiedlichen Unternehmensmodelle. Basierend auf diesen Unternehmensmodellen sowie ihrer Unterscheidung hinsichtlich Investitionszeitpunkt, -volumen und Angebot hat die Beratung u.a. die in Deutschland verfügbaren Konzerninkubatoren sowie – als Benchmark – die beiden erfolgreichen Inkubatoren Rocket Internet und Team Europe untersucht. Hierbei wurden vor allem die Art der Förderung, die Höhe des bereitgestellten Kapitals sowie das aktuelle Portfolio betrachtet.

Insgesamt wird deutlich, dass die betrachteten konzerneigenen Unternehmen seitens Investitionsvolumen und Portfolio deutlich schwächer aufgestellt sind, als die beiden Benchmark-Unternehmen, Team Europe und Rocket Internet. Zudem besitzen Inkubatoren, die höhere Förderungssummen anbieten, ein größeres Portfolio. Daraus könnte man folgern, dass entweder ein hoher Kapitalbedarf bei den fokussierten Geschäftsmodellen besteht, bzw. die Mehrheit der Gründungen hohe Investitionsvolumina verlangt oder dass die Inkubatoren mit größeren Portfolios aktiv nach Geschäftsideen suchen, Geschäftsmodelle erstellen und dazu passende Gründer finden. Demzufolge kann die erprobte Umsetzungskompetenz im Umfeld Unternehmensaufbau als ein entscheidender Erfolgsfaktor betrachtet werden.

Ausgestaltung kritischer Faktoren bei Gruendern

 

Die Gründer selbst schätzen in erster Linie nicht-monetäre Unterstützung: Die Befragten Experten und Gründer, hauptsächlich aus dem ITK-Sektor, gaben als wichtigste Faktoren bei der Auswahl eines Inkubators die Erfahrung der Manager, das Netzwerk und die prozentuale Beteiligung an. Den Freiheitsgrad und die Betreuung der Gründer, das Image und den Auswahlprozess der Startups schätzen die Befragten bei Konzerninkubatoren am besten ein.

Das MS&C Corporate Incubation Model

Um alle Chancen der Konzerninkubation ausschöpfen zu können, empfiehlt MS&C einen integrierten Ansatz zur Implementierung eines ganzheitlichen Inkubationsprozesses, wie im MS&C Corporate Incubation Model (CIM) beschrieben. Das CIM fokussiert folgende Aspekte:

  1. Die Verzahnung von Creative School, Accelerator, Inkubator und Venture Capitalist verringert die mit der Gründung innovativer Unternehmen verbundenen Risiken, indem höhere Investitionen erst nach erfolgreicher Erreichung von Meilensteinen stattfinden.
  2. Die Systematisierung des Inkubationsprozesses bietet die Möglichkeit, angebotene Unterstützungen und verwendete KPIs anhand des Reifegrades der Portfolioprojekte zu differenzieren.
  3. Die Einführung einer Art Doppelspitze (Konzernmanager und erfahrener Entrepreneur) zur Steuerung des Inkubationsprozesses.

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