Die weltweite Expansion von Rocket Internet und der Zalando Klone

Die Samwer Brüder sind mit Zalando in Deutschland in aller Munde, doch ihr Inkubator Rocket Internet hat längst seine Klonkrieger in die ganze Welt geschickt. Zunehmend breitet sich das eCommerce Imperium vor allem auch in Emerging Markets aus. Eine strategische Übersicht der aktuellen Entwicklung:

internationale Völkerschar an Rocket Internet Klonen

An der Börse gibt es die Bezeichnung „BRIC“ – was Brasilien, Russland, Indien und China meint. Zumindest in den ersten drei davon ist man bereits tätig. Hinzu kommen weitere Engagements in Südamerika, Afrika und Asien. Länder mit einer noch kaum entwickelten eCommerce Kultur und Infrastruktur, aber gr0ßer Bevölkerung sind besonders Interesse, bieten sich das Potential von weiteren kreischenden Wachstumsexplosionen. Es soll nicht verschwiegen werden, dasss es natürlich auch Investitionen in Europa und entwickelten Industrienationen, wie Japan und Australien gibt. Doch die Erschließung neuer Märkte sticht ins Auge.

Nachdem zuletzt Zalando mit über 3 Milliarden Euro bewertet wurde und man schwerlich einen Investor finden würde, der ein weltweit operierendes eCommerce Schlachtschiff übernehmen würde, wendet man eine andere Taktik an: jedes neue Unternehmen erhält einen anderen Fantasienamen: linio, dafiti, kanui, zando, zanui ergeben eine wohlklingende Völkerschar.

JUMIA in Afrika

logo_jumia

Exemplarisch sollen hier einige Shops vorgestellt werden:

Jumia.com.ng ist das führende und am meisten besuchte eCommerce Unternehmen in Nigeria. Ende 2012 hatte es 150 Mitarbeiter und sollte in 2013 weitere 100 dazu bekommen. Zu diesem Zeitpunkt wurden 70.000 unique visitors am Tag ausgewiesen, was Platz 5 der am häufigsten besuchten nigerianischen Webseiten bedeutete. Die beiden Gründer Raphael Afaedor und Tunde Kehinde sagen über ihre Vision:

“As Nigeria’s no.1 online retailer, jumia.com.ng plays big within the Nigerian market, with a vision to being the solution to online retail in sub-Saharan Africa. As a place for direct retail shopping online, we implement 24-hour availability, a local and global reach, with the ability to interact and provide custom information and ordering, as well as multimedia prospects.”

etailment liefert weitere Angaben:

  • Märkte: Nahost, Nigeria, Marokko, Kenia, Ägypten, Elfenbeinküste
  • Umsatz 2012: 2,4 Mill. Euro (Quelle: Kinnevik)
  • Angebot: Vollsortiment à la Amazon
  • Gesellschafter: Rocket Internet, Tengelmann, Millicom

Trotz der gewaltigen Anstrengungen müssen die Klonkrieger auch Niederlagen einstecken, wie etailment berichtet:

Dass sich die E-Fashion-Welt nicht im Spaziergang erobern lässt, musste der Klon-Krieger 2012 schmerzhaft in der Türkei erfahren. Dort schloss Rocket Internet den Sportartikel-Shop Sporena, den Mode-Shop Zidaya, den Dawanda-Klon Eleseri sowie die Möbel und Heimtextilien-Anbieter Evimister und Westwing. Ebenso mussten die E-Commerce-Spezialisten ihre Online-Shops in Aserbaidschan (Zidora), Birma (Shopcom), Pakistan (Azmalo) und Nahost (Mizado) wieder abschalten.

Probleme hatte Rocket Internet zeitweise auch in Russland. Im Oktober 2011 gab Oliver Samwer Fehler beim Mode-Vollsortimenter Lamoda zu, dessen Unternehmenswert sich Medienberichten zufolge halbiert hatte.

Wie schwierig es ist, sich neue Märkte zu erschließen, sieht man auch am Beispiel von Zalora.

 Zalora in Asien

Zalora.com Screenshot

Zalora.com Screenshot

Das Manager Magazin schrieb über den asiatischen Klon:

Vor allem Logistik und Infrastruktur stellen noch eine bedeutende Herausforderung dar. Die Dependance in Taiwan etwa wurde wieder dicht gemacht. Das Land wird nun von Singapur aus bedient. Die Anlaufverluste von Zalora sind beträchtlich.

Im vergangenen Jahr war der Verlust von Zalora mit rund 70 Millionen Euro fast doppelt so hoch wie der Umsatz…

Der Hauptsitz von Zalora sind die Philippinen, wo eigentlich gute Voraussetzungen gegeben sind. Auf den Philippinen lockt ein riesiger Markt: 100 Millionen Einwohner und eine wachsende Mittelschicht, deren Kaufkraft rasant steigt.

Das Team von Zalora wächst schnell. In Manila sollen bis zum Jahresende 200 Mitarbeiter, zumeist frisch vom College, beschäftigt werden. Anfang 2012 sind sie mit 2000 Produkten gestartet, inzwischen ist das Sortiment auf 50.000 Produkte angewachsen.

Doch auch für das Projekt auf den Philippinen gibt es Skeptiker, die darauf verweisen, dass man in Taiwan gescheitert sei, obwohl dort eine wesentlich bessere Infrastruktur vorhanden sei. Doch das Management begegnet den Kritikpunkten mit ganz eigenen Lösungen.

Um auf nicht vorhandene Kreditkarten zu reagieren bietet man Barzahlung bei Lieferung an. Da dies selbst von den etablierten Lieferdiensten nicht angeboten wurde, stampfte Zalora einen eigenen aus dem Boden. Die eigene Kuriere helfen auch, im Verkehrschaos von Manila zurecht zu kommen. Die Philippinen sind ein Inselstaat und doch will man das Lieferversprechen von 48 Stunden einhalten. Gerade in Büros gibt es Internetanschlüsse, was das Shopping ermöglicht. Zudem sind, wie in vielen Emerging Markets, die Menschen sehr stark Smartphone affin – was zu einem hohen Mobile Shopping Anteil führt.

Afrika Manager Sasha Poignonnec benennt durch das Barzahlen auch Vorteile: So liegt die Retourenquote meist unter 10 %, weil 90 % der Kunden ihre Rechnung an der Haustür begleichen. Für Deutschland und Europa halten sich nachhaltige Gerüchte, dass Zalando eine Retourenquote über 50 % hat.

etailment liefert weitere Angaben zu Zalora:

  • Märkte: Malaysia, Singapur, Indonesien, Thailand, Philippinen, Vietnam, Taiwan, Hongkong
  • Umsatz: Der Jahresumsatz bewegt sich Unternehmensangaben zufolge im zweistelligen Millionen-Dollar-Bereich.
  • Investoren: Kinnevik, Verlinvest, Tengelmann, Summit Partners
  • Sortiment: 50.000 Produkte von 500 Marken, Bekleidung, Schuhe, Accessoires, Kosmetik

 weiterführende Links

Ausführliche Artikel zur weltweiten Invasion der Klonkrieger finden Sie hier:

Themen:

0 Kommentare