Zu den unterschiedlichen Amazon Umsatz Angaben

Bezüglich dem Amazon Umsatz für das Jahr 2012 findet man im Internet unterschiedliche Angaben.

Differenzierung der unterschiedlichen Amazon Umsatz Angaben

So berichteten wir am 08. Oktober über die 10 größten Onlineshops in Deutschland 2012. Als Grundlage diente eine Infografik von Statista zu einer gemeinsamen Studie mit dem EHI.

Dort war von einem Amazon Umsatz von 4,8 Milliarden Euro für 2012 zu lesen.

Ein aufmerksamer Leser fragte uns, wie diese Zahl zustande kommt, wenn z.B. DIE Welt, im Februar, Folgendes berichtet hat:

Im vergangenen Jahr machte der größte Onlinehändler der Welt hierzulande einen Umsatz von 8,732 Milliarden Dollar. Nachdem Experten jahrelang über die Umsätze in den wichtigen Auslandsmärkten des größten Onlinehändlers der Welt spekuliert hatten, gibt es jetzt erstmals eine belastbare Zahl. Sie findet sich im Jahresbericht von Amazon an die amerikanische Börsenaufsicht SEC.

„8,7 Milliarden Umsatz ist tatsächlich mehr, als viele erwartet haben“, sagte ein Branchenkenner der „Welt“. Dass Amazon in Deutschland so stark wächst, ist tatsächlich eine Überraschung. Denn laut dem SEC-Formblatt 10-K hatte der Deutschland-Umsatz im Jahr 2010 gerade knapp 5,3 Milliarden Dollar betragen.

Um die unterschiedlichen Amazon Umsatz Angaben zu klären habe ich direkt bei Statista und EHI nachgefragt, wo man mir folgende Auskunft gab:

Im Amazon-Geschäftsbericht wird für Deutschland ein Gesamtwert von 8,7 Mrd. USD bzw. 6,8 Mrd. Euro (auf Basis des durchschnittlichen Wechselkurses für 2012) ausgewiesen. Allerdings ist dort der Service-Umsatz (insbesondere Marktplatz-Umsatz) sowie alle Exporte von amazon.de ins Ausland inkludiert. Weiterhin sind die Umsätze der Shops javari.de,de.buyvip.comaudible.de und lovefilm.de enthalten, welche auch alle zum Amazon-Konzern gehören. In unserer Studie betrachten wir aber für jeden Shop nur den Umsatz, der in Deutschland über die angegebene Domain – also amazon.de – mit physischen und digitalen Gütern generiert wird.

Daher haben wir den Service-Umsatz, alle Exporte sowie die weiteren Online-Shops aus dem Deutschlandumsatz herausgerechnet und kamen so auf die 4,8 Mrd. Euro.

Also:

  • 4,8 Mrd. Euro Umsatz macht Amazon in Deutschland nur über amazon.de mit physischen und digitalen Gütern
  • 6,8 Mrd. Euro Umsatz ist die kumulierte Summe von Amazon, als Unternehmen, in Deutschland, mit Handels-, Service- und Töchter-Umsatz. Auch alle Bestellungen aus dem Ausland, die über amazon.de abgewickelt werden, zählen hier rein.

Informationen zu Marketplace Umsätze unbekannt

Allerdings:

Meines Erachtens drückt das bei weitem noch nicht die Marktstellung Marktmacht des US Riesen aus. Zu den unternehmenseigenen Zahlen sind nämlich auch die Umsätze der Dritthändler zu zählen, die auf amazon.de Waren verkaufen. NUR: Hierzu liegen keine genauen Angaben vor. Ich zitiere erneut Statista:

konkrete Zahlen zu den Marketplace Umsätzen gibt es leider nicht. Aus dem aktuellen Geschäftsbericht des Konzerns wird der weltweite Konzernumsatz aber immerhin in „Product Sales“ und „Service Sales“ unterteilt. Die Services Sales beinhalten u.a. die Umsätze durch Marktplatzprovisionen (darüber hinaus z. B. aber auch die Amazon Webservices). Bezogen auf den Gesamtumsatz machen diese Service Sales 15% bzw. 9,4 Mrd. USD-Dollar aus.

Über das Gesamtvolumen der Marketplace-Umsätze haben wir leider auch keine weiteren Informationen.

Marktentwicklung des deutschen Onlinehandels

Zur allgemeinen Schwierigkeit korrekte Marktdaten zu erheben, schrieb auch Jochen Krisch im August (anlässlich der bvh Zahlen für die erste Jahreshälfte 2013):

Generell ist nicht davon auszugehen, dass der Markt von 2012 auf 2013 so stark gewachsen ist wie es das Plus von 30% bzw. 50% suggeriert. Viel eher ist davon auszugehen, dass die Zahlen bisher tendenziell zu niedrig angesetzt waren. Das Prinzip kennen wir bereits von den Amazon-Umsätzen („Der Reinfall mit den Amazon-Zahlen und mögliche Lehren“). […]

Erstmals lässt der bvh nun nicht mehr nur die (Einzel-) Handelsumsätze erfassen, sondern auch die Kundenbestellungen, die über Ebay, Amazon und andere Marktplätze laufen. Alleine diese Umsätze, die bisher weitgehend unter den Tisch gefallen sind, beliefen sich im ersten Halbjahr auf 12,4 Mrd. Euro. Im Vergleich dazu wirken die (Online) Umsätze der anderen geradezu vernachlässigbar. […]

Die bvh-Zahlen erfassen (Online-)Kundenbestellungen. Ob und wie die sich dann dem Einzelhandel zurechnen lassen oder nicht, ist für den (entstandenen) Markt erst einmal unerheblich. So bleibt es künftig jedem selber überlassen, was und wieviel er von den Umsätzen der Online-Marktplätze den Einzelhandelsumsätzen zuordnet, und was nicht.

Am Beispiel von Amazon sieht man hier wunderbar, wie schwierig es ist, stichhaltige und aussagekräftige Daten zu liefern. Wie bei jeder Statistik muss genau definiert und beachtet werden, was man miteinander vergleicht, bzw. von welchen Werten man ausgeht.

Die ausführliche Studie finden Sie hier: E-Commerce-Markt Deutschland 2013 (Statista Research, Link leider nicht mehr vorhanden)

Die in Zusammenarbeit mit dem EHI Retail Institute durchgeführte Studie E-Commerce-Markt Deutschland 2013 listet die 1.000 größten deutschen Online-Shops für physische und digitale Güter (mit B2C-Schwerpunkt) anhand der erwirtschafteten Online-Umsätze im Jahr 2012. Sie wird erweitert durch E-Commerce-Markt Österreich/Schweiz 2013. Die Studie ist ideal geeignet für die Akquisition neuer Partner sowie Wettbewerbs- und Marktanalysen.

Ein anderes Beispiel, wie zum Teil wild, mit völlig unbekannten Marktdaten, spekuliert wird, lieferte heute Jan Tißler, auf neuerdings.com – bezüglich der Berichterstattung über den angeblichen Misserfolg des iPhone 5c.

Letzte Aktualisierung: 05:56:37 – 2017-12-11

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