Übernahme der Shop Apotheke als Einfallstor von Amazon in den Arzneiversand?

Spekulationen gibt es schon länger, doch heute befeuern neue Gerüchte um eine mögliche Übernahme der holländischen Shop Apotheke durch Amazon die Fantasien eines Einstiegs in den lukrativen Arzneiversand.

Übernahme bestehender Versand Apotheke
eröffnet Markteintritt

Schon im August waren bei Apotheke adhoc 5 mögliche Varianten zu lesen, wie man sich den Einstieg von Amazon in diesen neuen Markt vorstellen könnte. Nach dem Lebensmittel Sektor wird gemutmaßt, dass der Versandriese aus Seattle ein Auge auf den Megatrend Gesundheit geworfen hat. Verspricht dieser doch, im Vergleich zu anderen Bereichen in denen Amazon bereits aktiv ist, noch satte Margen im zweistelligen Bereich.

Zeichen für das hohe Augenmerk der Mannen von Jeff Bezos soll auch der Name für die neue Geschäftseinheit „1492“ sein. Kein geringeres Datum als die Entdeckung der neuen Welt durch Christopher Kolumbus.

„Die Aktien von Shop Apotheke schossen um 25 Prozent auf ein Rekordhoch von 53,49 Euro in die Höhe. Das ist der größte Kurssprung seit dem Börsengang vor etwa einem Jahr.“ berichtet n-tv. Doch Shop Apotheke dementierte: Der Vorstand stelle klar, dass es „aktuell keinerlei Gespräche oder Verhandlungen mit Amazon“ gebe, hieß es in einer Pflichtmitteilung. Amazon erklärte, man habe keine Ankündigungen zu Shop Apotheke gemacht.

Die Entwicklung war bereits abzusehen, da Amazon, seit Mai, im Rahmen von Prime-Now mit einer Münchner Apotheke kooperiert, was nur als erster Schritt zu bewerten ist.

Apotheker Michael Grintz, Inhaber der Bienen-Apotheke Laimer Platz, meint: „Unser Motto bei den Bienen-Apotheken ist seit über 20 Jahren: „Wir schwärmen für Ihre Gesundheit!“. Gute Beratung in der Apotheke und schnelle Lieferung gehören bei uns selbstverständlich zum guten Service. Daher freuen wir uns umso mehr, dass unsere Produkte nun so schnell und bequem zu den Münchnern kommen. Wir konzentrieren uns auf unser Kerngeschäft: die kompetente Beratung durch unsere Apotheker und PTA. Wir sind uns sicher, dass unsere Kunden diesen neuen, ultraschnellen Service lieben werden.“

Quelle: Screenshot Amazon Prime Now

Im Grunde handelt es sich um das übliche Vorgehen von Amazon, wo man sich immer zunächst Know How und Erfahrung in einem Segment erarbeitet, bevor man es dann nach und nach konsequent ausrollt.

Was die Shop Apotheke zu einem interessanten Kandidaten macht

Dazu Apotheke adhoc:

Grundsätzlich würde die Shop-Apotheke mit der Fokussierung auf den OTC- und Freiwahlbereich perfekt zum US-Konzern passen. Nur 3,5 Prozent des Umsatzes hierzulande entfallen auf den Rx-Bereich. Präsenzen gibt es in Frankreich, Italien, Spanien, Österreich, Belgien und den Niederlanden. Immerhin ein Viertel des Umsatzes werden bereits außerhalb von Deutschland erzielt.

Zudem kann die Shop Apotheke ein Wachstum, das weit über dem Branchenschnitt liegt, vorweisen. Laut den Quartalszahlen hat shop-apotheke.com im ersten Halbjahr 2017 126 Millionen Euro verdient. In Deutschland soll allein der Umsatz um 31 Prozent auf rund 92 Millionen Euro gewachsen sein.

Das Handelsblatt ergänzt, dass Amazon auch an dem Versandapotheker DocMorris interessiert gewesen sein soll, habe eine Übernahme jedoch verworfen, da DocMorris auch im Praxisgroßhandel vertreten ist. DocMorris gehört zur schweizerischen börsennotierten Versandapotheke Zur Rose.

Laut Branchenkenner Fabian Kaske von der Marketingagentur Dr. Kaske hätte ein Einstieg von Amazon gravierende Auswirkungen für den gesamten Apothekenmarkt. Denn der US-Konzern sei nicht auf Gewinne fokussiert, sondern auf Wachstum. Darauf müssten sich die Apotheken einstellen. Für ihn ist klar: „Wenn Amazon in den Markt kommt, wird sich die Entwicklung um einige Jahre beschleunigen.“

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