Sebastian Vettel landet mit Tirendo Werbespot viralen Hit

Wer hätte Sebastian Vettel solch schauspielerische Qualitäten zugetraut? Diese verhelfen dem neuen Tirendo Werbespot auf Anhieb zu einem viralen Hit.

Der Formel 1 Weltmeister verkleidet sich als prolliger Automechaniker mit „Spochtbrille“ und bringt zwei Kunden bei der Testfahrt mit den neuen Autoreifen zum Kreischen, respektive Ausrasten.

Der aktuelle Tirendo Werbespot mit Sebastian Vettel

„Der Drehtag hat von vorne bis hinten Spaß gemacht“, sagt Dirk Busse. Wie der Managing Director von Tirendo gegenüber Horizont verrät, war die erste Version des Videos unbrauchbar, weil es sowohl Vettel als auch dem Produktionsteam schwergefallen sei, ernst zu bleiben. „Sebastian Vettel hat einmal mehr bewiesen, dass er immer wieder für eine Überraschung gut ist. Sein rheinländischer Dialekt hat die gesamte Crew zum Lachen gebracht“ , so Busse. Zur Werbestrategie schreibt Horizont weiter:

Tirendo setzte bislang vor allem auf klassische TV-Spots, die von Agenturen wie Thjnk und zuletzt Neverest entwickelt wurden. Laut Busse will der Online-Händler für Reifen nun auch Erfahrung mit Viralkampagnen sammeln. Mit dem ersten Versuch wird es nicht enden. Busse: „Da wird noch einiges nachkommen“.

Sebastian Vettel getarnt als wilder Automechaniker – Tirendo // Prank

Nur knapp 24 Stunden nach Veröffentlichung hat der Werbefilm bereits über 160.000 Views auf YouTube.

Wer steckt hinter der Viral Produktion?

Verantwortlich für das YouTube Video und die einhergehende Verbreitung in den sozialen Netzwerken ist die Berliner dot-gruppe. Sie ist ein führendes Unternehmen im Bereich Social Media– und Viral Marketing und seit über 12 Jahren am Markt. Zu den Kunden der dot-gruppe gehören international bekannte Marken aus den Bereichen Konsumgüter, B2B und Charity. Kampagnen der dot-gruppe wurden beim Cannes International Advertising Festival und beim New York Advertising Festival nominiert.

Für eine optimale Umsetzung wurde mit 25 versteckten Kameras gefilmt. Für den Dreh konnten das erfahrene Kameradepartment um Marc Rogoll mit Kamera- und Operatorteam gewonnen werden. Stephan Longin führte Regie und Executive Producer ist Bernhard Longin. Da bei der dot-gruppe Produktionen für Key Accounts Chefsache sind, wurden die erfahrensten Mitarbeiter mit dem Projekt beauftragt. Die Teamgröße von 50 festen und freien Mitarbeitern der dot-gruppe erlaubt Top Management-Einbindung direkt in die Projekte.

Dass in diesem Werbevideo nicht nur für Tirendo, sondern auch die Automarke Infiniti geworben wird, schreibt die dot-gruppe ganz offen.

Screenshot Sebastian Vettel Tirendo Werbespot

Screenshot Sebastian Vettel Tirendo Werbespot. Quelle: YouTube Video von Tirendo.

(Teurer) Markenbotschafter Sebastian Vettel

Der Online-Reifenhändler arbeitet schon länger mit dem deutschen Rennfahrer zusammen. Seit dem 17. September 2012 geht Tirendo mit dem mehrfachen Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel als Markenbotschafter offensiv an die Öffentlichkeit. Der Rennfahrer spielt die Hauptrolle in den spektakulären und unterhaltsamen Werbespots des Reifenprofis. Diese werden auf zahlreichen Sendern in Deutschland sowie Österreich und der Niederlande ausgestrahlt.

Ob die TV Werbung und die teuren Werbespots letztlich dem Unternehmen zum Erfolg verhelfen steht freilich auf einem anderen Blatt. Immerhin weist der Geschäftsbericht des Eigners Delticom Marketingaufwendungen von Tirendo im ersten Halbjahr 2014 in Höhe von 5,3 Millionen Euro aus. Dort heißt es zur Geschäftsentwicklung von Tirendo:

Die Geschäftsentwicklung von Tirendo liegt auf Halbjahressicht sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis deutlich hinter der ursprünglichen Planung zurück. Mit 17,5-Mio.-€ bewegte sich der Umsatz in den ersten sechs Monaten lediglich auf Vorjahresniveau (H1-13: 17,5-Mio.-€). Die Marketingaufwendungen in Höhe von 5,3-Mio.-€ – darunter auch die TV-Werbespots – haben im H1-14 nicht zum geplanten Wachstum geführt. (…) Größte Position in den sonstigen betrieblichen Aufwendungen von Tirendo sind die Marketingaufwendungen. Im zweiten Quartal wurden die Werbemaßnahmen nicht an die schwächere Geschäftsentwicklung angepasst. Gleiches gilt für die Personalaufwendungen.

Jochen Krisch kommentiert das durch TV Werbung getriebene Geschäftsmodell:

Wer mit jeder Bestellung profitabel sein muss und – aufgrund der Produktkategorie und/oder des Geschäftsmodells – nicht auf ein zeitnahes Stammkundengeschäft hoffen kann, wird sich mit TV-Werbung auch weiterhin schwer tun, ein tragfähiges (Online-)Geschäft aufzubauen.

Wie üblich tragen die Last von nicht erfüllten Geschäftsplänen dann die Mitarbeiter, wie es bei Excitingcommerce weiter heißt:

Nur ein Viertel der Tirendo-Belegschaft, 38 von 151 Mitarbeitern will Delticom behalten, 113 Stellen sollen bis Jahresende wegfallen (“Personalabbau, um Verluste zu senken”) – und das, nachdem Tirendo im 2. Quartal noch fleissig eingestellt hatte – und von 107 Mitarbeitern (Ende März) auf 151 Mitarbeiter (Ende Juni) gewachsen ist.

Fazit:

  • Coole Werbespots mit überraschend lustigem Sebastian Vettel
  • Der positive Werbeeffekt konnte noch nicht in ein gewinnbringendes Geschäftsmodell umgewandelt werden.
  • Sollte das Winterreifengeschäft nicht wie erwartet verlaufen, wird Tirendo und somit auch Delticom seine gesteckten Jahresziele nicht erreichen können
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