Rückblick zum 8. plentymarkets Händler Kongress

Der 8. plentymarkets Händler Kongress, im Kongress Palais Kassel, machte auch dieses Jahr wieder den Auftakt der jährlichen E-Commerce Veranstaltungen, mit weit über 1.000 Besuchern und mehr als 50 Ausstellern.

Die Programm Highlights

Keynote von Jan Griesel

Jan Griesel, Founder und CEO von plentymarkets, gab wie jedes Jahr einen Überblick der aktuellen Entwicklung und stellte neue Features vor.

  • Das Angebot der Marktplatzanbindungen wird kontinuierlich erweitert.
  • Zur Entwicklung der eigenen App wurde ein vier Mann Team geformt. Die App soll den Online Händlern zum Einen Controllingmöglichkeiten zu geschäftlichen Kernzahlen bieten. Zum Anderen das Picking im Lager, über Mobile Devices, ermöglichen.
  • Im Bereich Webshop wurde die eigene, integrierte Suche stark weiter entwickelt, die jetzt auch mit zahlreichen konfigurierbaren Filtermöglichkeiten versehen wurde.
  • Zur Steigerung der Transparenz gibt es auf der Homepage Statusmeldungen und einen eigenen Twitterkanal dazu. Wie bereits am Freitag in der Zukunftskonferenz von vielen Nutzern gewünscht, werden diese in Zukunft mehr in den Entwicklungsprozess eingebunden. Eine neu eingeführte Wahlbox soll so etwa das Voting von Features ermöglichen, um plentymarkets die Priorisierung zu erleichtern.
  • Auch dem Thema Cloud, Verfügbarkeit und Sicherheit wurde viel Augenmerk gewidmet. So überreichte ein Vertreter des TÜV Saarland eine Zertifizierungsurkunde für die plentmarkets Cloud Dienste. Gemeinsam mit Crisp Research hatte man die Cloud Struktur und Serverdienste auf den Prüfstand gestellt und gemeinsam mit dem Rechenzentrum etliche Optimierungen durchgeführt. Etwa die Spiegelung der Daten auf mehrere Standorte in Deutschland und ein flexibleres Hosting.
  • Weitere Neuigkeiten sind die Rest API, die größere individuelle Programmierungen zulassen soll. Layouts können in Zukunft auf Dropbox oder GitHub synchronisiert werden, um auch lokal bearbeitet werden zu können.

Podiumsdiskussion zur Zukunft des E-Commerce

Interessante Aussagen bot die Podiumsdiskussion mit Branchenexperten zur Zukunft des E-Commerce. Hier einige Zitate:

  • Johannes Altmann, Shoplupe: „Kistenschieberei funktioniert immer weniger. (…) Es gibt aber immer Platz für die Nische und das Besondere.“
  • Peter Höschl, shopanbieter.de: „Das Hauptproblem der Händler ist, dass sie kein Geld verdienen. (…) Machen sie ihre Hausaufgaben. Seien sie ein guter Händler und lernen sie rechnen.“ Er ermutigte die Online Händler auch dazu, immer wieder aus der „operativen Tretmühle“ heraus zu treten, da viele zu wenig strategisch denken.
  • Alexander Graf brachte sein Credo auf den Punkt: Entweder werden Online Händler Technologieführer in ihrem Segment oder sie werden selbst zur Marke. Eine Marke benötigt allerdings ein ganz anderes Verhalten und Verständnis für seine Zielgruppe und auch andere Mitarbeiter im Unternehmen.

Aus dem Publikum kam die Frage nach der Bedeutung des Same Day Delivery und ob dieses wohl zwingend den Kunden als Option angeboten werden müsse. Zum Einen waren sich alle Experten einig, dass der Kunde derzeit viel mehr eine individuelle Definierung des Lieferzeitpunktes, wenn er z.B. zu Hause ist, wünsche. Zum Anderen gab es aber auch die übereinstimmende Meinung, dass ein führender Marktteilnehmer wie Amazon Same Day Delivery zum Standard erheben könnte, was dann auch die Käufer von anderen Shops erwarten würden. Ob der großen Marktabdeckung und Käufermassse würden die Nutzer sozusagen zu einer höheren Erwartung hin erzogen. Ein Vertreter der Online Händler gab zu Bedenken, dass man hier auch auf die Logistikdienstleister angewiesen sei, da nur eine späte Abholung, bzw. Paketeinlieferung das Angebot derartiger Lieferangebote für die Kunden sicherstellen könne.

Das Amazon Gefangenen Dilemma

Alexander Graf ging in seinem Vortrag zum Amazon Dilemma, bzw. Gefangenen Dilemma darauf ein, dass der Marktplatz zwar Vielfach Mehrumsatz bedeute, man sich aber auch in große Abhängigkeit zu dem US Riesen begebe. Eine ausführliche These dazu gibt es auf Kassenzone.de nachzulesen. Grundsätzlich steigt der Umsatzanteil der Hersteller über Amazon zunehmend weiter an, was für eine Nutzung des Verkaufskanals spräche. Jedoch sehen sich die Hersteller gleichzeitig für sie negativen Maßnahmen von Amazon gegenüber:

  • Eigene Produkte, bzw. Produkte mit besseren Margen werden in der Produktübersicht über andere „Marken“ Produkte gestellt.
  • Über gezielte Aufforderungen zu Produktbewertungen betreibt Amazon „SEO“ und forciert damit die gezielt bessere Bewertung einzelner Produkte.
  • Hersteller sollen sich über Werbekostenzuschüsse oder Strategic Vendor Services (spezielles Programm, bei dem ein Mitarbeiter für die Betreuung des Herstellers abgestellt wird) an den Kosten von Amazon beteiligen.

Am Ende blieb jedoch auch von Alexander Graf die ernüchternde Aussage, dass es aktuell im Markt keine funktionierenden Modelle gebe, um aus dem Amazon Dilemma heraus zu kommen. Im Gegensatz zum Gefangenen Dilemma, wo man im Vorhinein weiß mit welcher Strafe, bzw. Straferleichterung zu rechnen ist, lässt sich eben bei Amazon nicht abschätzen, ob die komplette Auslistung seiner Artikel oder die Schaffung eigener Artikel, die nicht auf Amazon verkauft werden, tatsächlich zum Erfolg führt.

Wie auch von mir beschrieben ist für das Amazon Geschäftsmodell zumindest in den nächsten fünf Jahren nicht abzusehen, dass man die totale Re-Investitionspolitik beenden würde und somit sich das eigene Wachstum verringern würde. Man müsse sich vor Augen führen, dass Amazon jetzt bei einem Umsatzvolumen von 100 Milliarden US Dollar liege, was bei den ungebremst jährlichen Zuwachsraten von 20 % weitere 20 Milliarden US Dollar Wachstum in 2015 erwarten lässt.

Fazit – offen, ehrlich, konstruktiv

Wie auch Henning Gross in seinem Rückblick zum plentymarkets Händler Kongress anmerkt, ging es auf der Veranstaltung recht offen und ehrlich zu. Es wurden zum Teil sehr klare Worte, aber auch konstruktive Aussagen an die Besucher gerichtet. So gab es neben den genannten Highlights im Plenum 40 Workshops und Vorträge zu Themen wie: „Marketing-Controlling: Haben Sie Geld zu verschenken?“, „Strategie-Check: Ist Ihr Geschäftsmodell noch zukunftsfähig?“ oder „Wo liegen die Eintrittshürden und was sind die Lösungsansätze, um den Schweizer Markt in ein weiteres „Bundesland“ zu verwandeln?“

Nach dem sehr offenen Dialog und Austausch auf der Zukunftskonferenz, am Freitag, sah man am Samstag auch das Bemühen die Händler fit zu machen und ihnen Strategien für ein erfolgreiches Geschäftsmodell aufzuzeigen. Immerhin wickeln plentymarkets Händler aktuell 2,25 Millarden Euro E-Commerce Umsatz ab, wie Peter Höschl von der Pressekonferenz am Freitag berichten konnte. Im Jahr zuvor lag der Umsatz über plentymarkets noch bei 2 Milliarden Euro.

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