Rocket Internet News: Aktie mau, Lazada Wow, Samwer Immobilien

In dieser Woche gab es gleich eine ganze Reihe an Meldungen aus dem Rocket Internet Universum, die ich zusammen fassen möchte: Zum einen vermeldete die Rocket Internet Holding einen Verlust von 200 Millionen in 2015. Konnte nach einigen abgesagten Börsengängen aber zumindest Lazada lukrativ an Alibaba verkaufen, das seine Anteile aufgestockt hat. Digital Kompakt berichtet schließlich in einer Artikelserie über das Immobilien Imperium der Samwer Brüder, das von Alexander strategisch und mit dem privaten Vermögen der Brüder aufgebaut wird.

Rocket Internet Geschäftsjahr 2015

  • Jahresverlust von 198 Millionen Euro nach einem Vorjahresgewinn von 429 Millionen Euro
  • Das Umsatzwachstum der wesentlichen Beteiligungen lag bei 69,5 Prozent und die Ebitda-Marge verbesserte sich um sechs Prozentpunkte.

Rocket berichtete erstmals nach IFRS-Standard. Der Umsatz von Rocket Internet blieb praktisch unverändert bei gut 128 Millionen Euro – bei der Dachgesellschaft werden aber nur die Beteiligungen an zahlreichen Internet-Firmen verwaltet. Die Umsätze der Start-ups fließen in diesen Wert nicht ein.

Auch die am weitesten entwickelten Start-ups von Rocket Internet stecken nach wie vor allesamt in den roten Zahlen. Mitgründer und Chef Oliver Samwer versicherte aber, im vergangenen Jahr sei der Höhepunkt der Verluste überschritten worden und die Ertragslage werde sich in diesem Jahr bei weiterem Wachstum deutlich verbessern. „2016 wird das Jahr der Verbesserung der Profitabilität.“ Es bleibe das Ziel, im Jahr 2017 drei Rocket-Beteiligungen aus der Verlustzone zu bringen. Samwer machte in einer Telefonkonferenz auch auf Anfrage keine näheren Angaben dazu, welche Firmen künftig schwarze Zahlen schreiben sollen.

Samwer wollte nicht sagen, wann der im vergangenen Jahr abgesagte Börsengang des Lebensmittel-Versenders HelloFresh nachgeholt werden könnte. Der Umsatz der Firma, die im Abo Pakete mit Lebensmitteln zu vorgegebenen Rezepten verschickt, sprang im vergangenen Jahr von knapp 70 auf 305 Millionen Euro hoch. Zugleich wuchs aber auch der bereinigte operative Verlust von 12,2 auf 86,2 Millionen Euro. Rocket Internet strebte für HelloFresh beim Börsengang eine Bewertung von 2,6 Milliarden Euro an, die jedoch schwer zu erreichen war.

„Auf einem guten Weg scheint Namshi, eine Art Zalando für den mittleren Osten mit Sitz in Dubai. Das Unternehmen konnte seine Gewinnmarge von minus zwölf auf minus zwei Prozent steigern.“ (Handelsblatt)

Die Aktie fiel am Donnerstagnachmittag zeitweise um über 10 %. Schloss dann im XETRA Handel bei 26,50 (-8,62 %). Im Chart unten ist der Kursverlauf in den letzten 12 Monaten zu sehen, sowie der langfristige 200 Tage Trend.

Rocket Internet Chart XETRA. Quelle: Screenshot DAB Bank

Rocket Internet Chart XETRA. Quelle: Screenshot DAB Bank

Lazada geht an Alibaba

Der chinesische Internet-Riese Alibaba übernimmt den Online-Händler Lazada aus der Berliner Start-up-Fabrik Rocket Internet . Alibaba will mehr Kunden außerhalb Chinas haben und lässt sich die Kontrolle über die in Südost-Asien aktive Firma insgesamt rund eine Milliarde Dollar kosten. Rocket Internet bekommt 137 Millionen Dollar für einen Anteil von 9,1 Prozent an Lazada und behält noch eine Beteiligung von knapp neun Prozent.

Weiterer Teil des Deals ist eine Kapitalerhöhung von 500 Millionen Dollar, die Alibaba die Kontrolle sichert. Insgesamt sei Lazada mit 1,5 Milliarden Dollar bewertet worden, teilten die beteiligten Unternehmen am Dienstag mit.

Die britische Supermarkt-Kette Tesco verkauft an die Chinesen einen Anteil von 8,6 Prozent für 129 Millionen Dollar und bleibt weiter beteiligt. Alibaba hat aber ein Vorkaufrecht auf die restlichen Beteiligungen von Rocket und Tesco.

Lazada gehörte zu den am weitesten fortgeschrittenen Projekten von Rocket – die aber bisher allesamt rote Zahlen schreiben. Der Online-Händler ist in Indonesien, Malaysia, Singapur, Vietnam, Thailand sowie auf den Philippinen aktiv. Immerhin zeigt der Lazada Deal, dass es den Samwers immer noch gelingt das eingesetzte Kapital zu vervielfältigen: „Bei dem Amazon-Klon (…) habe Rocket seinen Einsatz verfünfzehnfacht, betont Samwer.“ (Handelsblatt) „Das ist ein sehr guter Deal für Rocket“, sagt auch Sven Schmidt, Gründer und Geschäftsführer von ICS, ein Hamburger Investor und Szene-Kenner, der regelmäßig im Podcast der Online-Marketing-Rockstars zu hören ist. Schmidt ist selbst bei Rocket Internet investiert. („Oliver Samwer macht Kasse“)

Jüngsten Zahlen von Ende September 2015 zufolge hatte Lazada 8,7 Millionen Kunden nach 2,7 Millionen ein Jahr zuvor. In den ersten neun Monaten des Jahres wuchs der Umsatz um gut 80 Prozent auf 190,9 Millionen Dollar. Damit einher ging aber auch ein Sprung beim bereinigten operativen Verlust von 90,3 auf 212,9 Millionen Dollar.

Das Samwer Brüder Immobilien Imperium

Auf Digital Kompakt (hier, hier und hier) berichtet Joël Kaczmarek in einer gut recherchierten Artikelserie über die privaten Investitionen der Samwer Brüder in ein Immobilien Imperium. Diesmal zeichnet nicht Oliver, sondern der jüngere Alexander für die Geschäfte, die über ein kompliziertes Firmenkonstrukt abgewickelt werden, verantwortlich.

„Eine Fokussierung mit Sprengkraft: Selbstverständlich sind Immobilien zum Diversifizieren der eigenen Anlagestrategie sinnvoll und durch günstige Zinsen derzeit besonders attraktiv. Gleichzeitig macht es aber nicht den besten Eindruck, wenn die Macher der weltweit größten Startupfabrik im großen Stil Investorengelder einsammeln, ihr eigenes Kapital aber zu großen Teilen in Immobilien stecken.

Offensichtlich haben Oliver Samwer und seine Brüder aber die Zeichen der Zeit erkannt und vollziehen einen schlauen Schritt, indem sie fleißig Unternehmen aufbauen, an denen sie dann potenziell sogar auch als Vermieter ihrer Immobilien verdienen könnten. Bisher ist nichts darüber bekannt, ob auch Rocket-Gründungen die Immobilien der Samwers frequentieren.“ (Joël Kaczmarek)

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