Rocket Internet: GFG Neubewertung führt zu weiterem Kursverfall

Haben wir im April bereits zu den Problemen von Rocket Internet und den schlechten Geschäftszahlen berichtet, so führte diese Woche eine bekannt gewordene Neubewertung der Global Fashion Group (GFG) zu weiteren starken Zweifeln der Anleger bezüglich eines tragfähigen Geschäftsmodells, was in einem weiteren Kursverfall mündete.

Die Aktien des Berliner Start-Ups sind am Donnerstag erneut kräftig gefallen (XETRA Handel -4,52%), nachdem sie bereits am Vortag um knapp 15 Prozent eingebrochen waren.

So spricht die Performance der Rocket Internet Aktie seit dem Börsengang eine deutliche Sprache:

Quelle: DAB Bank Screenshot

Quelle: DAB Bank Screenshot. Vom 29.04.2016 07:00 Uhr.

Nicht gerade positiv in der jetzigen Lage wirkte sich ein negativer Analysten Kommentar der Bank of America Merrill Lynch aus. Das Institut hatte Rocket Internet mit an die Börse gebracht. Wegen des schwächelnden Wachstums der Beteiligungen und auflaufender Verluste stuften die Experten der US-Bank Rocket-Titel auf „Underperform“ herunter. Ihr Kursziel liege bei 19 Euro.

Die Neubewertung der Global Fashion Group

Auslöser der Diskussionen in dieser Woche ist die neue Bewertung der Global Fashion Group. Unter dem Kürzel GFG sind sechs Online-Modehändler gebündelt, die allesamt in Schwellenländern von Lateinamerika über den nahen Osten und Russland bis Südostasien aktiv sind. Trotz eines Umsatzplus von 48 % im vergangenen Jahr schreibt die Gruppe nach wie vor tiefrote Zahlen. Am Mittwoch wurde in einer AdHoc mitgeteilt:

Rocket Internet SE (‚Rocket Internet‘ oder das ‚Unternehmen‘) (ISIN DE000A161KH4) hat eine Finanzierungszusage von EUR 100 Millionen als Teil einer Finanzierungsrunde von mindestens EUR 300 Millionen bei der Global Fashion Group S.A. (‚GFG‘) abgegeben. Rocket Internet erwartet, bis zu EUR 85 Millionen inklusive der Wandlung eines bereits bestehenden Investments zu den Konditionen dieser Finanzierungsrunde, zu investieren. Nach den Transaktionen wird GFG mit EUR 1,0 Milliarden bewertet.

Rocket ist mit 23 Prozent, Kinnevik mit 26 Prozent an der GFG beteiligt. Aufhorchen ließ vor allem der letzte Satz, war doch die GFG vor einem Jahr noch mit 3 Milliarden bewertet.

Die Schweden, die mit 13 Prozent auch direkt an Rocket Internet beteiligt sind, verloren selbst in den letzten Tagen fast 5 Prozent an Börsenwert.

„Wir sind weiterhin von den positiven Aussichten von GFG überzeugt“, sagte Rocket-Chef Oliver Samwer. Rocket investiert in der jüngsten Finanzierungsrunde 100 Millionen Euro in die GFG, Kinnevik angeblich sogar 200 Millionen. Partiell gibt es von den Schweden aber erst einmal nur ein Gesellschafterdarlehen, wie aus den Quartalsunterlagen erkenntlich wird (die ursprüngliche PDF Datei steht leider nicht mehr zur Verfügung). 50 Millionen Euro mussten die Schweden offenbar schon im ersten Quartal vorstrecken – ein Überbrückungskredit. (Handelsblatt)

Vorstandschef Lorenzo Grabau zeigte sich im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters ernüchtert: „Von der Bewertung her gesehen ist alles schiefgegangen, obwohl im Unternehmen alles gut aussieht. Da geht es nur um die Stimmung.“

Jochen Krisch schreibt auf Exciting Commerce, dass sich Kinnevik und Rocket Internet nicht einig über die Zukunft sind. Weiter heißt es: „Vor allem Kinnevik hat soviel Kapital in die Global Fashion Group gesteckt (siehe oben), dass es das Investment verständlicherweise nicht aufgeben will. Rocket Internet muss wohl oder übel mitziehen.“

Rockets Fintechs ohne Erfolg

„Nach Payleven und Zencap ist nun mit Paymill ein weiteres Rocket-Internet-Startup aus dem Fintech-Sektor auf Käufersuche – nach einem bereits geplatzen Verkaufsversuch.“ (Jochen Fuchs auf t3n)

Trotz einer Kapitalausstattung von 18 Millionen Euro musste der Paymentanbieter am 26. April Insolvenz anmelden. Das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung soll doch noch zu dem Ziel eines Verkaufs führen. Jochen Fuchs weiter: „Der potenzielle Käufer soll in einem sogenannten Asset-Deal die werthaltigen Unternehmensbestandteile samt der Mitarbeiterverträge herauskaufen und so von bestehenden Forderungen verschont werden. Ein Verkaufsversuch ist vor der Insolvenz bereits gescheitert.“

„Rocket Internet scheint der Fintech-Sektor zunehmend aus den Fingern zu gleiten. Denn die Nachricht der Paymill-Insolvenz steht nicht allein: Das Geschwister-Startup Payleven gab heute (am Mittwoch, Anm. d. Autors) eine Fusion bekannt: Der ebenfalls 2012 gestartete Square-Klon verschmilzt mit dem Wettbewerber SumUp. Vergangenes Jahr hatte Rocket Internet bereits den Kreditmarktplatz Zencap an das UK-Startup Funding Circle abgetreten.“ (Gründerszene) Das gemeinsame Unternehmen wird den Namen SumUp tragen, wie die beiden Anbieter am Mittwoch ankündigten. Der bisherige SumUp-Chef Daniel Klein wird es weiterführen. Payleven-Mitgründer Konstantin Wolff wird Marketing-Chef. Die Technologie-Plattform werde von SumUp übernommen, zugleich wolle man von den Stärken von Payleven im Vertrieb profitieren, sagte Klein der Deutschen Presse-Agentur.

Themen:

0 Kommentare