Quartalszahlen: Der Amazon Tsunami entfaltet sich weiter ungebremst

In der laufenden Berichtssaison reiht sich Amazon an einige andere Tech Riesen, was die guten und durchaus beeindruckenden Zahlen angeht. Vor allem aufgrund einem großen Umsatzsprung bei seinem Cloud Service Amazon Web Services, kurz: AWS, ist auch der Gewinn, gegenüber dem Vorjahresquartal, deutlich gestiegen.

Die Amazon Zahlen im Überblick

  • Quartalsgewinn von 19 Cent pro Aktie.
  • 92 Millionen Dollar Gewinn im zweiten Quartal 2015.
  • Quartalsumsatz von 23,2 Milliarden Dollar – 20 Prozent über dem des Vorjahreszeitraums.
  • AWS wächst um mehr als 80 Prozent auf einen Umsatz von 1,8 Milliarden Dollar im letzten Quartal.
    Insbesondere wurde das neu eröffnete Rechenzentrum in Frankfurt als erfolgreich bezeichnet.
  • Der AWS Gewinn lag bei 391 Millionen Dollar.
  • Die AWS Marge liegt bei 21 Prozent.
  • In Nordamerika erreicht die Handelssparte eine Marge von 5,1 Prozent.
  • Zusätzlich zu den guten Geschäftszahlen hat Amazon auch seine Personaldecke deutlich erhöht. In den letzten drei Monaten wurden weltweit 18.000 Mitarbeiter eingestellt, was über 10 Prozent Zuwachs entspricht.
    Die Mehrheit wird in den Logistikzentren und Call-Centern eingesetzt. Zum Ausbau der Logistik siehe unten, bei den Zukunftsplänen.

Die Amazon Aktie konnte am Donnerstag im nachbörslichen Handel einen Sprung um 18 % verzeichnen, was ein neues Allzeithoch, mit einem Aktienkurs von über 500 Dollar bedeutete.

Die Grafiken zum Conference Call finden sich hier.

Einige Grafiken, die u.a. auf Twitter geteilt wurden, verdeutlichen wesentliche Aussagen:

Frank Chen ist Partner bei Andreessen Horowitz und weist darauf hin, dass offensichtlich Viele Umsatzpotential und Gewinnentwicklung bei Amazons Cloudservice AWS unterschätzt haben.

Beeindruckend an den AWS Zahlen ist auch, dass man die Margen trotz dem Preiskampf mit u.a. Google und Microsoft verbessern konnte. Im letzten Quartal lag diese noch bei ca. 17 Prozent.

Amazon baut Dominanz auch in Deutschland aus

Holger Schmidt vergleicht die Amazon Zahlen mit den deutschen Konkurrenten Otto und Zalando:

In seinem Blog heißt es weiter: „Wurden im Jahr 2010 erst 19 Prozent des deutschen Online-Handels auf Amazon.de getätigt, waren es 2014 schon 31 Prozent.“

Im Vergleich mit Wal Mart noch viel Luft nach oben

Vergleicht man freilich Amazon mit Wal Mart, dann hat der E-Commerce Riese noch viel Luft nach oben, bis er die Umsatzhöhen des stationären Retailers erreicht – siehe linke Grafik. Hier stehen den 23,2 Milliarden Dollar von Amazon 114,83 Milliarden von Wal Mart gegenüber.

Ein Wort an alle „Überraschten“

Vielfach lauten Überschriften gestern und heute „Amazon überrascht“ oder „plötzlich mit Gewinn“. Wer davon überrascht ist, dass Amazon Gewinne erzielen kann, hat meines Erachtens, wenn ich das mal so offen sagen darf, das Geschäftsmodell nicht verstanden. Vielleicht sollte man darüber in meinem ausführlichen Beitrag nachlesen.

Auch Netzökonom Dr. Holger Schmidt schreibt:

Amazon hat wieder einmal demonstriert, dass das Unternehmen jederzeit ordentliche Gewinne erzielen kann, wenn es einmal kurz auf die Investitionsbremse tritt.

Dem schließe ich mich an und sage:

Weder Umsatz noch Gewinn sind ein Zufallsprodukt oder eine Überraschung. Es ist genau das, was Amazon erzielen WILL! Man sollte hier also vielmehr die Leistung von Management und Controlling anerkennen.

Wie geht es weiter bei Amazon?

Im Schnellüberblick einige Trends und Entwicklungen.

Indien

Gerade investiert und expandiert das Unternehmen aus Seattle stark in Indien. Auch gegenüber Analysten äußerte sich CFO Brian Olsavsky:

“What I can say about India is that when we see a positive surprise we double down on it,” said Olsavsky without getting into specifics of his company’s investments in the country. “We have more than 25 million products and we are the largest online store in India.” (via Forbes.com)

Amazon wird zum Nahversorger

In Deutschland baut Amazon gerade ein eigenes Logistiknetz auf, um in Zukunft als Nahversorger zu agieren. In Großbritannien gibt es bereits 13 Zustellstationen. Nachzulesen auf logisticsmanager.com.

Amazon Logistics is to open a delivery station at Washington in Sunderland – its 13th in UK. It will work with nine independent delivery companies to deliver orders to customers across the North East of England.

Amazon Prime Credit Card

Die Add Ons für Amazons Prime Kunden werden ununterbrochen ausgebaut, um die LockIn Effekte weiter zu verstärken. Relativ unbemerkt, weil auch wenig vermarktet, wurde kürzlich eine Art Kreditkarte herausgegeben, die Käufern einen Cashback auf getätigte Einkäufe ermöglicht.

Mehr dazu auf Fast Company und Re/Code. Oder am Besten gleich direkt bei Amazon.com nachlesen.

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