Jacques-Antoine Granjon, Gründer und CEO von vente-privee.com

Jacques_Antoine_Granjon (copyright_Thomas_RABSCH)eCommerce, elektronischer Handel, Versandhandel – alles Schlagworte die den digitalen Wandel im Handel bezeichnen. Neben Nullen und Einsen, Zahlen, Big Data und dem Browser statt der Ladentür stehen gerade hinter den Branchenriesen oft außergewöhnliche Persönlichkeiten. Nach Zitaten von Steve Jobs und Jeff Bezos möchte ich mich heute näher mit Jacques-Antoine Granjon oder „JAG“, wie viele sagen, beschäftigen. Wie tickt der Gründer und CEO von ventee-privee.com? Was zeichnet ihn aus? Was können Sie von ihm lernen?

Zur Person: Jacques-Antoine Granjon

Das Unternehmen ist mein Leben. Menschen mögen Entrepreneure. Viele Leute denken, ich sei ein sehr ungewöhnlicher Typ. Dabei bin ich im Grunde sehr konservativ. Ich mag langfristige Planung, ich mag Exzellenz in der Umsetzung, ich mag Marken und ich lege Wert auf Vertrauen. Das sind doch alles sehr klassische Tugenden. (etailment.de)

Zu seinem Auftreten schrieb die FAZ 2011:

Der Gründer, Großaktionär und Geschäftsführer von Vente-Privée, einem der größten Internetunternehmen in Europa, muss sich nicht verstellen. Er wirkt wie einer, der kaum Kompromisse zu machen hat. Das signalisiert schon sein Äußeres. Die Haare kurz zu schneiden, um sich den anderen Managern mit Milliarden-Umsätzen anzupassen, sei ihm nie in den Sinn gekommen. Das anfängliche Misstrauen in der Welt der Wirtschaft nahm er hin. „Das ist wie beim Aikido. Das macht einen nur stärker.“

Jacques-Antoine Granjon wird am 09. August 1962 in Marseille geboren. Er besucht die European Business School (EBS) in Paris. Mit 22 Jahren gründet er mit einem Freund seinen ersten Betrieb für den Resteverkauf. Nach seinem Studium an der European Business School in Paris gründete Jacques-Antoine Granjon 1985 gemeinsam mit seinem Studienfreund Julien Sorbac das Unternehmen Cofotex S.A., das sich auf den Abverkauf von Lagerrestbeständen spezialisierte. Die FAZ weiter zu seiner Biografie und den ersten unternehmerischen Schritten:

Der vielfache Millionär, der mit einem eigenen Learjet seine Märkte bereist, ist Sprössling einer gutsituierten Familie mit Unternehmergeist. Sein Onkel ist Pierre Bellon, der Gründer und Präsident des weltgrößten Kantinenbetreibers Sodexo, die Mutter ist Anwältin. Anfang zwanzig lautete Granjons Devise „wenig arbeiten und viele Mädchen aufreißen – wie man halt so ist in dem Alter“. Nicht zuletzt in den Discos von Saint-Tropez formte sich aber auch seine Geschäftsidee eines Resteverkaufs zu niedrigen Preisen.

1996 kaufte er im Rahmen eines Städtesanierungsprogramms in La Plaine Saint-Denis nördlich von Paris das alte Druckereigebäude der Zeitung „Le Monde“. Dort richtete er den Geschäftssitz der Oredis Group ein. Jacques-Antoine Granjon erfand ein innovatives Konzept: eine digitale Plattform für den diskreten und schnellen Verkauf von Markenprodukten innerhalb eines exklusiven Clubs. Daraus entstand 2001 vente-privee – lesen Sie dazu unten mehr.

Heute ist er einer der erfolgreichsten Internetunternehmer Europas. Zur Nachwuchsförderung ruft er eine „Europäische Schule für Internetberufe“ ins Leben. Er hat drei Kinder aus einer ersten Ehe und ist seit 2011 zum zweiten Mal verheiratet.

ventee-privee

ventee-privee LogoIm Jahr 2001 gründete Jacques-Antoine Granjon, gemeinsam mit sieben Partnern, das Unternehmen vente-privee.com, das durch sein innovatives Konzept den Sektor des Vertriebs von Lagerrestbeständen tiefgreifend verändern sollte. Innerhalb weniger Jahre etablierte sich vente-privee.com mit diesem revolutionären „B2B2C“-Geschäftsmodell als unangefochtener europäischer Marktführer. Bereits nach drei Jahren konnte „JAG“ das Unternehmen in die Gewinnzone führen. Die beiden Co-Founder Ilan Benhaim und Xavier Court bilden das aktuelle Management Trio.

Bereits in seinem letzten Studienjahr an der Rouen Business School in Paris im Jahr 2000, hat Ilan Benhaim seine Karriere bei vente-privee.com gestartet. Sein Potenzial wurde von den Gründern schnell erkannt. Mit seinen wegweisenden Ideen und dem leidenschaftlichen Einsatz neuer Technologien, hat Ilan Benhaim der revolutionären Erfindung von Jacques-Antoine Granjon Leben eingehaucht. Auch die Struktur der vente-privee.com Website mit all ihren dahinterliegenden Prozessen stammt aus der Feder Ilan Benhaims. In den frühen 2000er Jahren gab es noch keine technologische Lösung für innovative Modelle wie vente-privee.com, Ilan Benhaim und sein Team sind das Abenteuer eingegangen und haben alle nötigen Werkzeuge intern entwickelt und implementiert.

Der 1966 in Saint-Étienne geborene Xavier Court steuert die Kommunikation und neue Geschäftsentwicklungen bei vente-privee.com. Als Kopf eines internationalen Teams leitet er die Public Relations und schafft exklusive Partnerschaften, so dass Marken von der Erfahrung und Bekanntheit des Online-Shopping-Clubs profitieren können. Darüber hinaus kümmert sich Xavier Court um die Sondierung neuer Geschäftsmöglichkeiten zur Unterstützung der Partner-Brands, um die Bekanntheit der Marken und den Traffic im Einzelhandel zu erhöhen.

Nach seinem Studienabschluss 1989 an der ESLSCA Paris begann Xavier Court seine Karriere bei der Danone Group. Nach zwei Jahren in New York als Marketing Manager für die französische Traditionsmarke Maille zog er nach Paris und übernahm diverse Positionen bei Belin/LU.

1997 war Xavier Court am Aufbau der Gesellschaft D2i beteiligt – Spezialisten für den Lagerabverkauf bekannter Markenhersteller.

Das Sortiment wurde längst ausgehend von Mode und Markenartikeln auf andere Bereiche erweitert:

  • Vente-Privée ist die Nummer 1 im Weinversand in Frankreich
  • es bietet ein eigenes Couponing Programm mit dem Namen Rosedeal an
  • Reisen, Entertainment, Schmuck, Haushaltswaren, Spielwaren sowie Hightech sind weitere Kategorien

Vier bis fünf Wochen dauert es in der Regel bis zur Auslieferung. Um Clubmitglied zu werden, brauchen sie eine Art Patenschaft eines bestehenden Mitglieds und können sich dann im Internet einschreiben. Die Verkaufsaktionen sind zeitlich auf meist drei bis fünf Tage beschränkt.

Im Grunde geht es darum, Events zu kreieren und Emotionen zu transportieren. Unter diesem Dach kann man die unterschiedlichsten Produkte verkaufen. Wir denken vor allem darüber nach, was bei den Kunden einen „Wow“-Effekt auslösen kann. (etailment.de)

ventee-privee Tonstudio. Original Pressematerial

ventee-privee Tonstudio. Original Pressematerial

Für die Präsentation der Produkte betreibt das Unternehmen großen Aufwand. 2010 wurden 60 Foto- und fünf Tonstudios betrieben.

Der französische Shoppingclub Vente-Privée wurde auf dem World Retail Congress in Paris als „Pure Play Retailer“ des Jahres 2013 ausgezeichnet. Im Geschäftsjahr 2013 konnte das Internetunternehmen erneut zweistellige Zuwächse verbuchen. Es erhöhte den Bruttoumsatz um 23% auf 1,6 Mrd. Euro. Wie das Unternehmen mit Sitz in Saint-Denis bei Paris mitteilte, wurde ein Drittel davon (35%) mit mobilen Applikationen erwirtschaftet. Vor zwei Jahren hatte der Anteil noch bei 15% gelegen. Langfristig geht Jacques-Antoine Granjon von einem Mobile-Anteil von 80% aus.

„Das Smartphone ist der Zauberstab des E-Commerce“, sagt Granjon.

Seiner Ansicht nach müssen sich die stationären Händler darauf einstellen, dass der anhaltende Smartphone-Boom und die digitale Revolution das Einkaufsverhalten der Kunden entscheidend verändern.

„Der Konsument ist frei zu entscheiden, was er wo kaufen will. Er vergleicht sowohl den Preis als auch den Service.“

Vente-Privée realisiert noch immer rund 80% seiner Verkäufe auf dem französischen Heimatmarkt. Ziel ist mittelfristig, das Auslandsgeschäft auf 50% zu erhöhen. 2013 gelang es dem E-Commerce-Pure Player in den USA, den Umsatz auf 50 Mill. Dollar zu verdoppeln. In acht europäischen Ländern und den USA hat die französische Einkaufsgemeinschaft inzwischen 20 Millionen Mitglieder. In Deutschland, wo sie seit 2006 aktiv ist, sind es mit 1,3 Millionen Nutzern rund 30 Prozent mehr als im Vorjahr. 2013 wurden bei 10 100 Aktionen rund 70 Millionen Produkte in Europa verkauft. Von den inzwischen 2000 Mitarbeitern sind knapp 100 für den deutschen Markt zuständig.

Für das laufende Jahr peilt Granjon trotz anhaltender Konsumkrise in Frankreich ein Umsatzplus von 15% an. Wie der Mitbegründer und Teilhaber des Unternehmens in der französischen Presse ankündigte, ist 2014 der Start in zwei weiteren neuen Ländern geplant, „in Nordeuropa, dort, wo zahlreiche Marken aktiv sind“.

Quellen zum Unternehmen:

Auszeichnungen

Im April 2007 wählt eine Jury aus Internet-Usern und Lesern der französischen Fachzeitschrift „e-commerce magazine“ Jacques-Antoine Granjon zum „E-Commerce Businessman of the Year“. Im selben Jahr wird ihm der „Favor’i d’Honneur“ anlässlich der 50-Jahrfeier des französischen Fachverbands des Versandhandels (FEVAD) verliehen, der ihn als eine der wichtigsten Persönlichkeiten im Versandhandel der letzten 50 Jahre auszeichnet. Auch in Deutschland wird er ausgezeichnet: Das e-commerce Magazin wählt ihn zum Mutmacher 2008.

2008 wählt eine Jury der französischen BFM Awards Jaques-Antoine Granjon zum „Unternehmer des Jahres“.

2009 ist er mit dem Preis CMO of the Year ausgezeichnet worden. Der europäische Award honoriert die Marketing-Strategen des Jahres und wird seit mehreren Jahren von der internationalen Strategieberatung Booz& Company vergeben.

Eine internationale Jury von Spezialisten aus Wirtschaft, Medien und Wissenschaften honoriert europaweit die Marketingstrategen des Jahres und damit auch die Marketingleistung des gesamten Unternehmens. Zur Bewertung werden die von Booz & Company festgelegten Kriterien für Marketing-Excellence herangezogen:

  • Der Einfluss des strategischen Marketings auf die Zielsetzung und die Organisation des Unternehmens
  • Die Marken-Kommunikation
  • Das Produktdesign und die Preisgestaltung
  • Die Kundenbeziehung
  • Die Online-Strategie, die ein Schlüsselkriterium der diesjährigen Preisvergabe darstellt

Quelle:

2010 wird Jacques-Antoine Granjon als „Businessman des Jahres 2010“ von den Lesern des Lifestyle-Magazins GQ Frankreich gewählt. 2010 wird er als von der Jury des „Enseignes D’or” als „Mann des Jahres 2011“ Jury ausgezeichnet. Im selben Jahr bekommt er zwei weitere Auszeichnungen als „Persönlichkeit des Jahres 2011“ mit der Trophées LSA de l’innovation sowie als „Kommunikator des Jahres 2011“ mit dem Grand Prix des Agences de l’année. In 2012 wird Jacques-Antoine Granjon mit dem Hub Award 2012 als „Einflussreichste digitale Person“ ausgezeichnet.

Abschließen möchte ich mit einem Zitat zum Arbeitstag des Franzosen:

Und was tun Sie, um das zu erreichen – Wie sieht denn ein typischer Tag in Ihrem Leben aus?

Ich steh um sieben Uhr auf und checke sofort meine Emails und sehe mir die ersten Zahlen der aktuellen Verkäufe an. Dann warte ich eine Stunde, um sie mir erneut anzugucken. Dann weiß ich, ob es eine gute Aktion ist. Danach geh ich zum Sport und arbeite noch etwas von daheim. Mittags hab ich in der Regel ein Business-Lunch und den Nachmittag bin ich dann in unserem Office, wo ein Meeting ins nächste übergeht. Wenn meine Kinder zu Hause sind, dann gehe ich gegen acht heim. Wenn sie bei meiner Ex-Frau sind, gehe ich um zehn. Nach dem Dinner checke ich dann noch mal meine Mails und dann geh ich schlafen.

Wow, ein langer Tag!

Ja, aber wenn man so ein schnell wachsendes Unternehmen wie vente-privee.com führt, dann gibt es so viel, das man verbessern und verändern möchte. Das ist etwas, was meinen Kopf 24 Stunden am Tag einnimmt. Es gibt bei vente-privee keine Routine, jeder Tag ist neu. Von außen sieht man das vielleicht nicht, aber innen schon. (fabeau: Fashion Business News: 11 Fragen an JAG)

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