iPod: Apple verändert in kleinen Schritten seine Preispolitik

Apple ist nach wie vor DIE Premium Marke im Hardware Sektor. Gab es früher nur zu festen Zeitpunkten im Jahr Produktneuerungen, nutzt man jetzt kleinere Modifizierungen, um die Preispolitik Stück für Stück zu verändern.

Apple senkt Preis des iPod Touch

Aktuelles Beispiel der neuen Preispolitik ist der iPod Touch:

Das 16-GByte-Modell ist für knapp 200 Euro (statt 240 Euro) erhältlich, der iPod touch mit 32 GByte kostet knapp 250 Euro (zuvor knapp 320 Euro), die 64-GByte-Ausführung liegt jetzt bei fast 300 Euro – das sind 120 Euro weniger als bisher. Dabei rückt Apple vom bislang gängigen Aufpreis von rund 90 bis 100 Euro für die Verdopplung des Speicherplatzes bei iOS-Geräten ab.

Einzige Veränderung am Produkt selbst: Das 16GB Modell wird nun auch mit der von den größeren Modellen bekannten 5 Megapixel iSight Kamera ausgestattet und ist in mehreren Farben erhältlich. Die übrige Ausstattung entspricht den teureren Versionen, die Apple schon Mitte September 2012 vorgestellt hatte. Den anfangs für 239 Euro angebotenen Vorgänger ohne iSight-Kamera gab es nur in Silber.

Die Preissenkung gilt ab sofort, das neue Einstiegsmodell soll in den nächsten Tagen erhältlich sein.

Die Preisanpassung ist insbesondere daher auch interessant, da sie einen Vorgeschmack auf das iPhone 6 geben könnte, das voraussichtlich im September vorgestellt wird. Sollten die Preisstufen bei diesem ebenso gestaltet werden, könnte dies den Anreiz vieler Kunden, zu höherstufigen Modellen zu greifen, noch einmal deutlich erhöhen.

Apple senkt Preise für Apple TV und Mac Mini

Apple-TVDie Set-Top-Box Apple TV wird von 109.- auf 99.- € gesenkt. Apple hat diese Maßnahme für ganz Europa sowie Großbritannien (Preise in Britischen Pfund) durchgeführt. In den USA bleibt der Listenpreis für das Apple TV allerdings bei 99 US-Dollar.

Hier wird vielfach als Grund der Druck von Amazon und Google angeführt, die mittlerweile wesentlich günstigere Streaming Hardware anbieten. So liegt Google´s Chromecast bei 35.- € – freilich mit einem anderen Funktionsumfang.

Alle Modelle des iMac Mini wurden um 30.- € gesenkt. Die kleinste Konfiguration, mit einer 500 GB Festplatte, ist nun bereits ab 599 Euro zu haben.

Modifizierter iMac zum günstigeren Einstiegspreis

Für 1099.- €, um 200.- € weniger als früher, erhält der interessierte Kunde nun einen iMac zum Einstiegspreis. In der Apple Pressemeldung hieß es dazu:

„Der neue 21,5-Zoll iMac verfügt über einen 1,4 GHz Dual-Core Intel Core i5 Prozessor mit Turbo Boost-Geschwindigkeiten von bis zu 2,7 GHz, Intel HD 5000 Grafik, 8GB Speicher und eine 500GB Festplatte. Alle iMac-Modelle unterstützen 802.11ac Wi-Fi der nächsten Generation und haben zwei Thunderbolt- und vier USB 3.0-Anschlüsse für sehr gute Erweiterbarkeit und Unterstützung von hochperformantem Zubehör.“

Der Arbeitsspeicher des abgespeckten Modells lässt sich nicht erweitern, auch nicht ab Werk. Als Speichermedium kommt eine Festplatte und kein SSD-Speicher zum Einsatz, was die Geschwindigkeit etwas reduziert.

MacBook Air 2014 ebenfalls günstiger

Bereits im April kam das MacBook Air 2014 auf den Markt. Wie üblich wurde das Vorjahresmodell 1:1 ersetzt und wird nicht mehr angeboten. Das neue Modell wurde mit einem schnelleren Prozessor ausgerüstet: Jede Konfiguration verfügt nun standardmäßig über einen Core-i5-Prozessor mit 1,4 GHz (via Turbo-Boost bis zu 2,7 GHz). Zuvor kam eine Core-i5-CPU mit 1,3 GHz (bis zu 2,6 GHz via Turbo-Boost) zum Einsatz. Das günstigste MacBook Air kostet nun 899 Euro. Die restlichen technischen Daten blieben unverändert.

“Mit dem MacBook Air verfügbar ab 899 Euro gibt es keinen Grund, sich mit weniger als einem Mac zufrieden zu geben,” sagt Philip Schiller, Senior Vice President Worldwide Marketing von Apple. “Macs sind so beliebt wie niemals zuvor und heute haben wir die Leistung des MacBook Air gesteigert und den Preis gesenkt, damit noch mehr Nutzer das ultimative Alltags-Notebook erleben können.”

Das 11,6-Zoll-MacBook-Air bietet laut Apple eine Akkulaufzeit von bis zu neun Stunden, beim 13,3-Zoll-MacBook-Air sind es bis zu zwölf Stunden.

Die intelligente Preispolitik von Apple

Es ist nicht so, dass die Veränderungen von der Öffentlichkeit unbemerkt geschehen würden. Aber da sie nicht auf den großen Messen WWDC und der Produktvorstellung im Herbst bekannt gegeben werden, entsteht deutlich weniger Buzz um Apple als üblich. Die Preisminderungen sind teils deutlich, führen aber nicht zu einer Abkehr des Premium Status. Über Jahre schon hält Apple somit seine Margen sehr hoch – passt sich aber nun der veränderten Marktlage weiter an. Google / Android / Samsung Produkte werden einfach zu deutlich günstigeren Straßenpreisen angeboten. So schenkt z.B. Samsung seit Mai, in einer Werbeaktion, Käufern von Haushaltsgeräten, wie Kühlschrank oder Waschmaschine, ein Galaxy Tab oder Galaxy S5.

Eine sehr ausführliche Betrachtung der Preispolitik, am Beispiel der beiden neuen iPhone Modelle S5 und C5 gibt es auf Harvard Business Manager, von Andrea Maessen, zu lesen. Ich zitiere den letzten Abschnitt.

Es gibt triftige Gründe, Preise im Zeitverlauf zu senken. Das setzt aber voraus, dass die Preissetzung eingangs hoch genug angesetzt wurde und damit Preisspielraum nach unten geschaffen wurde, wie beim 5C geschehen. Apple könnte den 5C-Preis zukünftig absenken, um die Zahlungsbereitschaften weiter abzuschöpfen und in (chinesischen) Kundensegmenten zu wachsen, sollte das mit der aktuellen Preisdifferenzierung geplante Wachstum nicht erzielt werden. Die preiswertere Alternative konnte dann auch zur Abwehr von preisaggressiven Konkurrenten genutzt werden. Durch den gezielten und kontrollierten Einsatz eines solchen „Alternativproduktes“ würden sich die Kollateralschäden eines Preiskampfes auf das Flagschiff besser steuern und kontrollieren lassen. Damit wäre es möglich weiterhin einen hohen Preispunkt als Referenz im Markt halten zu können, der Wert, Beständigkeit und Alleinstellung signalisiert.

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