Gedanken zu den bvh Zahlen 2012

Nach der Veröffentlichung der bvh Zahlen 2012 ist nun die Frage, welche Schlüsse für den eCommerce und den Einzelhandel in Deutschland man daraus ziehen kann.

Umverteilung vom stationären Handel zum eCommerce

Offensichtlich gibt es weiterhin einen starken Trend der Umverteilung. Umsatz der früher im lokalen, stationären Einzelhandel generiert wurde, fließt immer mehr in den eCommerce. Am Meisten profitieren davon die reinen Pure-Player. Diese Online Spezialisten konzentrieren sich zu 100 % auf den Verkauf von Dienstleistungen und Waren im Internet. „Fokussierung“ scheint hier das Erfolgsrezept zu lauten.
In dem enorm dynamischen und immer mehr professionalisierten Markt scheinen sich laut Jochen Krisch „alle großen Handelskonzerne (Metro, Otto, etc.) schwer zu tun, genau wie alteingesessene Unternehmen wie Hugendubel oder Görtz, etc.. Beachtet man wie andere darben und mit der Pleite ringen, dann bekommt man eine Ahnung davon, was gerade am Markt in Bewegung ist“.

Zu erwähnen wären hier nur die Schlagzeilen der letzten Tage:

  • Görtz kämpft um Lebenswerk – Die WELT
    Angesichts starker Konkurrenz durch das Online-Geschäft steckt die Kette mitten in einem Umstrukturierungsprozess, das auch mit Sparauflagen und Filialschließungen verbunden ist.
  • Media-Saturn baut Online-Handel aus – boerse.ard.de
    Die Elektrohandelskette Media-Saturn hat jahrelang den Trend zum Online-Shopping verschlafen. Nun holt die Metro-Tochter allmählich auf. Im vergangenen Jahr wurde der Internet-Umsatz verdoppelt. Ähnlich rasant soll es weitergehen.
  • Online und E-Books bringen klassische Buchhändler in Not – rundschau-online.de
    Bücher werden immer häufiger online bestellt oder gleich im E-Format gelesen. Überall haben die klassischen Buchhändler zu kämpfen. Auch in Deutschland machen große Ketten ihre Filialen zu.
  • „Wirtschaftlich nicht sinnvoll“ – buchreport.de
    Hugendubel baut weiter zurück: Im Laufe des Jahres werden nach Unternehmensangaben die Hugendubel-Filialen in Guben, Husum und Neubrandenburg geschlossen.

Der lokale und klassische Einzelhandel wird sich folglich einige Fragen stellen müssen:

  • ist selbst ein Einstieg in den eCommerce möglich, um einen eigenen Multi-Channel Vertrieb aufzubauen?
  • Wie können mit den Herstellern Kooperationen geschlossen und Konzepte erarbeitet werden – denn auch die Hersteller müssen sich zukünftig für den Vertrieb ihrer Produkte positionieren
  • Wie kann Mehrwert und Verkaufserlebnis geschaffen werden, das Kunden zum Offline Kauf animiert?

um nur ein paar zu nennen…

Überwältigende Marktmacht der eCommerce Marktplätze

Eins spiegeln die bvh Zahlen 2012 unmissverständlich wieder: Die überwältigen Marktmacht der eCommerce Marktplätze. ebay, Amazon, und weitere schöpfen Käuferströme ab und bestimmen den gesamten Markt ungemein.

Der enorme Umsatz von Amazon, mit Höhe von 6,4 Mrd. €, wurde bereits intensiv diskutiert. Auch wenn in den bvh Zahlen 2012 Amazon nicht eindeutig ausgewiesen ist, sind noch 2,6 Mrd. € Umsatz der ebay Powerseller zu berücksichtigen.

Ich fasse zusammen:

  • gesamter eCommerce Umsatz 2012 27,6 Mrd. €
  • Amazon Umsatz 2012 6,4 Mrd. €
  • ebay Powerseller 2,6 Mrd. €

Bedenkt man, dass viele Händler ihren Umsatz über den Amazon Marketplace generieren, ist die Marktmacht von Amazon noch weitaus größer. Wie das Verhältnis von Amazon eigenem Umsatz und Umsatz, den Händler über den Marketplace generieren, ist ist leider bis dato nicht bekannt – wäre aber eine überaus interessante Größe.

bvh Zahlen 2013?

Was wird uns die Zukunft bringen? Internetworld schreibt:

Für das aktuelle Jahr prognostiziert der bvh ein Umsatzplus von 21,3 Prozent auf 33,5 Milliarden Euro, der gesamte interaktive Handel soll auf 43,5 Milliarden Euro wachsen. Traditionell wird diese Schätzung zum Jahresende nach oben korrigiert. So bezifferte der Verband Anfang 2012 die zu erwartenden E-Commerce-Umsätze auf 25,3 Milliarden Euro. Am Ende lag der Markt bei über 27 Milliarden.

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Das Wirtschaftsmagazin Der Handel nennt auch Gründe für das weitere Wachstum:
„Mit Mobile und Social Media haben sich zwei Trends etabliert, die als crossmediale Schnittstellen wachsende Verwendung finden. Wir sind gespannt wie die Verknüpfung dieser Kanäle als Teil der Multichannel-Strategien voranschreitet“, sagte Christoph Wenk-Fischer.

„Auch die Vernetzung von Offline- und Onlinekanälen bleibt ein branchenrelevantes Thema. Für die Händler bleibt die Bedarfsweckung und Bedarfsdeckung verschiedener Zielgruppen durch unterschiedliche Kanäle aktuell“, so der bvh-Chef.

Letzte Änderung: 15:42:40 – 2018-05-07

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