ebay Quo Vadis? Donahoe Missmanagement endet in Zerschlagung

Seit gestern brüllt es die E-Commerce Presse von den Dächern: Paypal-Abspaltung, Massenentlassungen, Komplettzerschlagung, propagierte Strategie am EndeÜbernahme durch alibaba. Es ist von niemand kleinerem als ebay die Rede.

Doch zunächst zurück zum Anfang. Was ist passiert?

eBay Geschäftszahlen 2014

Infografik: Marketplace und PayPal fast gleichauf | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Am 21. Januar hat ebay die Geschäftszahlen zum vierten Quartal 2014 und die Jahres Highlights 2014 veröffentlicht (*.PDF).

  • Im 4. Quartal ist der Gesamt-Umsatz auf 4,9 Milliarden Dollar, 9 % Zuwachs, angestiegen.
  • Der Nettogewinn stieg im letzten Quartal um zehn Prozent auf 936 Millionen US-Dollar.
  • Paypal erreichte Umsatzplus von 18 % gegenüber dem Vorjahresquartal, was 2,1 Milliarden US Dollar bedeutet.
  • Das Segment Payments, insbesondere PayPal, macht 44 % des Gesamtumsatzes aus.
  • Allerdings: Der Marketplace legte dagegen nur um ein Prozent auf 2,3 Milliarden US-Dollar zu.
ebay Marketplaces Revenue 2014

Screenshot aus der eBay Präsentation zu den Geschäftszahlen

 

ebay Enterprise Revenue operating metrics 2014

Screenshot aus der eBay Präsentation zu den Geschäftszahlen

An und für sich könnte eBay immer noch auf recht solide Zahlen verweisen. Neben dem zweistelligen Gewinnzuwachs werden rund 255 Milliarden Dollar Handelsvolumen im Jahr 2014 ausgewiesen. Dennoch gab es die Ankündigung von Sparmaßnahmen und, neben der bereits bekannten Abspaltung von Paypal, weitere Zerschlagungspläne des Gesamtunternehmens. Die Außenwahrnehmung und die eigene Sicht der Zukunft stellen sich doch wesentlich schlechter dar, als es das reine Zahlenmaterial vermuten lässt.

Die ebay Pläne für 2015

Neben dem Zahlenwerk wurde auch eine Pressemeldung mit den Plänen für das aktuelle Jahr veröffentlicht. Darin heißt es:

During the first quarter, we plan to reduce our workforce globally by approximately 2,400 positions which a represents about 7% of our total workforce across eBay Marketplaces, PayPal, and eBay Enterprise. We will also be exploring strategic options for eBay Enterprise, including a sale or IPO. Enterprise is a strong business and a leading partner for large retailers, managing mission critical components of their e-commerce initiatives. However, it has become clear that it has limited synergies with either business and a separation will allow both to focus exclusively on their core markets, as we create two independent world class companies. (eBay Pressemeldung)

Zu der Zukunft von eBay Enterprise schreibt Roman Zenner im ShopTechBlog:

Die spannende Frage ist jetzt zum einen, wie es mit eBay Enterprise weitergehen wird. Nach eBays Einkaufstour 2011 gehört neben Magento (Einkaufspreis $180 Mio.) auch und vor allemGSI Commerce (Einkaufspreis $2,4 Mrd.) und damit auch indirekt Intershop zu diesem Segment und es stellt sich unter anderem die Frage, ob und wie diese technologische und organisatorische Verbindung auch in Zukunft Bestand haben wird.

Interessant ist aber auch die Frage, was genau aus der Magento-Plattform selbst wird. Diese hatte ja vor allem im letzten halben Jahr durch gute Nachrichten aus dem Magento-2-Lager auf sich aufmerksam gemacht, insbesondere was die Transparenz der Entwicklung angeht. Vor dem Hintergrund der gestrigen Meldung drängt sich also hier die Vermutung auf, dass die Magento-Braut ein wenig aufgehübscht werden sollte, um die Chancen auf dem internationalen Heiratsmarkt zu erhöhen.

  • eBay hat einen enttäuschenden Umsatzausblick für 2015 gegeben. Die Erwartungen liegen um 6 % unter der Konsensprognose der meisten Börsenanalysten.
  • Verkauf oder Börsengang von eBay Enterprise. Ein Teil dieser Geschäftseinheit ist auch Magento.
  • Abbau von 2.400 Arbeitsplätzen. Auswirkungen für die 1.000 deutschen eBay Mitarbeiter sind noch nicht bekannt. Hier ist mit schnellen Entscheidungen zu rechnen, sollen doch die Beschäftigten noch im ersten Quartal entlassen werden.
  • Börsengang von Paypal, noch in der zweiten Jahreshälfte

Auch die Unternehmensspitze wird sich deutlich verändern: Devin Wenig, President von Ebay Marketplaces, wird CEO des neuen Ebay. Der American-Express-Manager Dan Schulman soll das neue Paypal führen. Donahoe hat keine führende Rolle mehr in den beiden Unternehmen, auch Ebay-Finanzchef Bob Swan scheidet aus dem Führungsteam aus.

Mit dem Großaktionär Carl Icahn, der auf die Paypal-Ausgliederung gedrungen hatte, traf Ebay zudem eine Art „Stillhalteabkommen“. Dieses sieht vor, dass Investoren bei dem rasant wachsenden Bezahldienst ein größeres Mitspracherecht bekommen, sobald dieser an die Börse gebracht ist. Das soll noch in der zweiten Jahreshälfte geschehen. Das Management hat gleichzeitig die Erweiterung des Verwaltungsrates (Icahn Capital-Chef Jonathan Chistodoro) angekündigt.

Als voraussichtliche Kosten für den Stellenabbau und den Unternehmensumbau geht Ebay von Aufwendungen zwischen 210 und 240 Millionen Dollar im ersten Quartal und 350 bis 400 Millionen Dollar für das Gesamtjahr aus. Der anvisierte Umsatz soll im ersten Quartal 2015 zwischen 4,35 und 4,45 Milliarden Dollar liegen. Für das Gesamtjahr soll der Umsatz zwischen 18,6 und 19,1 Milliarden Dollar liegen.

Wer wird eBay übernehmen?

Natürlich werden wieder die üblichen Verdächtigen, wie Amazon und Google, aber auch der jüngst in den USA an die Börse gegangene chinesische Riese alibaba als mögliche Interessenten für eine Übernahme genannt. Laut Computer Bild sieht Börsenexperte Paulo Santos gute Gründe für eine solche Übernahme:

Zum einen haben die beiden Handelsplattformen ein ähnliches Geschäftsmodell. Zum anderen wartet Alibaba spätestens seit dem Börsengang im September 2014 auf eine Möglichkeit, in den USA sowie international Fuß zu fassen. Mit einem Kauf von Ebay gelingt das möglicherweise, denn die Handelsplattform macht 53 Prozent des Umsatzes im Ausland. Ohne die äußerst erfolgreiche Tochter PayPal ist der Kaufpreis außerdem wohl deutlich niedriger. Besonders attraktiv dürfte für Alibaba der Dienst ePacket sein, den es exklusiv nur bei Ebay gibt. Der Service ermöglicht es vielen chinesischen Ebay-Händlern, Kunden einen kostenlosen Versand in die USA anzubieten. Das leistet selbst der Online-Versandhändler Amazon nicht.

Matthias Hell kommt auf Channelpartner zu einer klaren Einschätzung:

Trotz eigentlich solider Geschäftszahlen steht eBay (…) heute als Sorgenkind der Branche dar, während sich der Wettbewerber Amazon trotz hoher Verluste weiterhin als E-Commerce-Überflieger präsentiert. eBay-Chef John Donahoe verschärfte dieses Paradox nun zusätzlich mit der Ankündigung von weiteren Krisenmaßnahmen. (…) Vielmehr scheint hier eBay – wie schon so oft in der Amtszeit von John Donahoe – kurzfristigen Impulsen nachzugeben und keine einheitliche Vision für die mittelfristige E-Commerce-Entwicklung zu verfolgen. (…) Die Kunden scheinen das Angebot von eBay jedenfalls weiterhin zu schätzen. (…) Die Potenziale sind also weiterhin vorhanden

Interessant finde ich in diesem Zusammenhang die gestrige Meldung, dass zwei Familienunternehmen (Musikhaus Thomann und Parfümerie Pieper) aus Kundensicht den Thron der Top Onlineshops, laut ECC Ranking, erobern konnten. Natürlich bedeutet ein Familienunternehmen nicht automatisch Erfolg. Jedoch spiele ich hier auf die Möglichkeit an eine langfristige Strategie entwickeln und verfolgen zu können.

0 Kommentare