DELL Computer wird privatisiert

Der Computerhersteller DELL, unter der Leitung von Michael Dell, wird wieder privatisiert. Nach zunächst übereinstimmenden Medienberichten wurde dies bis Freitag offiziell bestätigt.

Der stets gut informierte Technik Blog TechCrunch veröffentlichte bereits am Dienstag eine Pressemeldung von Microsoft.

Microsoft has provided a $2 billion loan to the group that has proposed to take Dell private. Microsoft is committed to the long term success of the entire PC ecosystem and invests heavily in a variety of ways to build that ecosystem for the future. We’re in an industry that is constantly evolving. As always, we will continue to look for opportunities to support partners who are committed to innovating and driving business for their devices and services built on the Microsoft platform.

Microsoft greift mit 2 Milliarden Dollar unter die Arme

Microsoft beteiligt sich an dem Management Buyout mit einem 2 Milliarden schweren Darlehen. Immerhin laufen auf den meisten DELL Computern Windows Betriebssysteme und Microsoft Office Software. Es ist auch nicht das erste Mal, dass das kalifornische Unternehmen auf diese Weise in andere Technologie Hersteller investiert.

Das Wallstreetjournal bewertet den Schritt folgendermaßen:

Der Software-Anbieter setzt mit seinem Engagement beim weltweit drittgrößten Computerbauer darauf, einen seiner größten Kunden unterstützen zu können, ohne gleichzeitig alle anderen zu verärgern. […] Eine Pioniertat ist das nicht, denn Microsoft hat zuvor schon Milliarden in Nokia gesteckt, um die eigene Software auf den Smartphones des finnischen Anbieters zu platzieren. Außerdem greift das Unternehmen der Internetfirma Yahoo beim Ausbau ihrer Suchmaschine Bing unter die Arme. […] Das eigentliche Wagnis ist anders gelagert: Als Gläubiger von Dell könnte Microsoft in Gefahr geraten, dass sich die Geschäftsbeziehungen zu seinen anderen Hardware-Alliierten verschlechtern.

Zu den Einzelheiten der Vereinbarung berichtet Golem.de:

Microsoft erhält wohl kein Mitspracherecht bei Entscheidungen im Tagesgeschäft des Dell-Konzerns. Aber der Computerhersteller sichert offenbar zu, Windows auf der großen Mehrheit der verkauften Rechner einzusetzen. Dell ist bereits einer der größten Käufer von Windows-Lizenzen, die Partnerschaft ist für Microsoft wegen der wachsenden Bedeutung von Tablets wichtig. Das Windows-RT-Tablet XPS 10 von Dell hat mit fünf Prozent einen relativ hohen Marktanteil. Zudem kann Microsoft so auch seine Serversoftware-Produkte und Unternehmensanwendungen besser an Dell verkaufen.

Finanzinvestor Silver Lake federführend beteiligt

Neben Microsoft ist der wichtigste Partner bei diesem Schritt das Investmentunternehmen Silver Lake. Hat doch die geplante Transaktion ein Volumen von 24,4 Milliarden Dollar. Zudem werden auch eine Reihe von Banken wie die Bank of America Merrill Lynch, Barclays, Credit Suisse und RBC Capital Markets den Deal durch Kredite mitfinanzieren.
Das Angebot an die DELL (Nasdaq: DELL, WKN: 121092) Aktionäre beträgt 13,65 Dollar. Ein Aufschlag von 25 Prozent zum Kurs vom 11. Januar. Nach diesem Datum waren erste Gerüchte über die bevorstehende Übernahme aufgekommen und die Aktie hatte kräftig zugelegt.
Laut Manager Magazin müssen die Anteilseigner und die Wettbewerbshüter der Übernahme allerdings noch zustimmen. Zudem können andere Interessenten ein Gegenangebot vorlegen. Der Dell-Verwaltungsrat sucht die kommenden 45 Tage nach anderen Bietern – vor allem um späteren Aktionärsklagen vorzubeugen über einen zu niedrigen Preis.

Was bringt die Zukunft für DELL?

Schließen möchte ich mit den Worten von Handelsblatt Korrespondent Axel Postinett:

Die Zeit ist knapp, im Zuge verschmelzender Telekom- und IT-Märkten, in denen sich Giganten wie Oracle längst in neue Gefilde aufgemacht haben und ihr Software-Dasein hinter sich lassen. Das zeigt gerade exemplarisch der Erwerb des Netzwerkspezialisten ACME für 2,1 Milliarden Dollar. Microsoft sieht sich schon als „Geräte und Dienste-Anbieter“, nicht mehr als Software-Firma.
Die Ursprungsidee des Michael Dell war genial. Preiswerte Computer preisgünstig liefern. Sie hat Dell groß gemacht. Das funktioniert nicht noch einmal. Er muss eine neue Idee mit dieser Tragweite haben. Wir werden es sehen.

Letzte Änderung: 11:41:56 – 2018-02-10

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