Crossborder-Commerce: Ist die Logistik die größte Hürde?

Deutsche Produkte sind seit Jahrzehnten begehrt. So begehrt, dass Deutschland auch im Jahr 2016 Exportweltmeister bleiben wird. Doch dies gilt nicht für alle Branchen gleichermaßen. Zum Beispiel leider nicht für den Online-Handel. Hier liegt Deutschland hinter Großbritannien und den USA. Dabei ist der grenzüberschreitende Handel einer der besonders stark wachsenden Bereiche im eCommerce. Laut einer Prognose von OC&C Strategy Consultants wird sich der Anteil des grenzüberschreitenden Handels am Gesamtumsatz im eCommerce von 8 % (2013) auf 16 % (2018) verdoppeln. Und nicht nur das Wachstum spricht dafür. Laut einer aktuellen Studie von Paypal ist Deutschland weiterhin auf Platz 4 der beliebtesten Online-Shopping-Adressen im Ausland. Was hält deutsche Händler auf?

Warum kleine und mittelgroße Händler enorme Chancen liegen lassen

Eine Erklärung ist, dass Online-Händler manchmal nur bedingt risikofreudig sind. Die meisten leiden unter einem erheblichen Margendruck. Die Gründe dafür sind vielfältig: die für Deutschland typische Preissensibilität der Kunden, die durch die Big Player geweckten Serviceerwartungen und nicht zuletzt der große Wettbewerb. Was also tun? Ab in die Nische? Bestimmt ist dies eine Möglichkeit. Aber bei dem Potential, was der Crossborder-Commerce derzeit bietet, ist es fast ein No-brainer, nicht auf diesen Zug aufzuspringen.

Vor welchen Aufgaben steht der Shop-Betreiber in der Logistik?

Ständig hört man die gleichen Argumente, warum Online-Händler ihre Waren ausschließlich in Deutschland oder maximal innerhalb der DACH-Region verkaufen. Es sind Klassiker: Sprachbarrieren, andere Gesetze, Wissensmangel über die jeweiligen Märkte, andere Service-Gewohnheiten der Kunden, andere Zahlungsarten und so weiter. Die Top-Position im Ranking der Hürden hält jedoch die teure und komplizierte Logistik. Gerade bei kleineren und mittelgroßen Händlern, die keine riesigen Mengen pro Land versenden. Zeit, diese Hürde aus dem Weg zu räumen.

Beginnen wir beim Preis: Innerhalb Deutschlands arbeiten viele Shops mit ein bis zwei Versendern zusammen. Es liegt für sie also nahe, diese auch für internationale Lieferungen zu nutzen. Schon alleine wegen des vermuteten Integrationsaufwands in den Online-Shop ist man auf den ersten Blick geneigt, ihnen zuzustimmen. Nichtsdestotrotz lohnt sich für den Shop-Betreiber ein genauer Blick auf die Performance und vor allem auf die Preisgestaltung der bestehenden Dienstleister. Denn hier sind die Unterschiede je nach Land mitunter gewaltig. Auch der Frage, welcher Zustelldienst im Zielland gewählt wird, sollte mit Blick auf das Kundenerlebnis bzw. die Kundenzufriedenheit hohe Beachtung geschenkt werden. Nicht zuletzt gibt es – wie in Deutschland auch – eine Vielzahl von Kniffen, wie sich in anderen Ländern die Versandkosten reduzieren lassen – was kann ich in Italien noch als Brief versenden? Was in den USA noch als Päckchen? Wie sieht es mit der Versicherung und den Lieferzeiten aus? Das Spektrum der Fragen ist sehr umfangreich. Die Preislisten der Anbieter sind da auch keine große Hilfe – erst Recht, wenn man gleichzeitig den besten Service bieten möchte. Und sich natürlich noch in der Gewinnzone bewegen will.

Smarte Lösung statt Do-it-yourself-Chaos

Kommen wir zum Punkt, dass die internationale Logistik als zu kompliziert angesehen wird: Das ist schon eine etwas härtere Nuss, die es zu knacken gilt. Denn das Thema ist in der Tat komplex bis undurchsichtig. Aber gleichzeitig ist – wie oben beschrieben – die Aussicht auf mehr Geschäft sehr verlockend. Will man die beste Lösung, also die Rosinen, für jedes Land rauspicken, bleiben zwei Möglichkeiten: Natürlich kann man die Herausforderung annehmen und versuchen, alles selbst zu machen. Das klappt für denjenigen, dessen Enthusiasmus und die Lust an Akribie ebenso groß ist, wie die Leidensfähigkeit in puncto Listen und Konditionen.

Evgenij Bazenov ist einer der Gründer des Startups PARCEL.ONE

Fazit: Crossborder-Commerce

Der grenzüberschreitende Handel bietet immense Chancen für Online-Händler, aber das Thema ist auch kein Selbstläufer. Vor allem nicht, wenn man es in völliger Eigenregie angeht. Doch genauso wie vor Jahren die Payment Service Provider den gesamten Zahlungsverkehr für die Händler regelten, greifen nun Logistik-Profis den Online-Shops unter die Arme. Die Schwierigkeit, die Logistik im grenzübergreifenden Handel richtig zu nutzen, sollte also nicht weiter als Ausrede benutzt werden, Crossborder-Commerce nicht zu betreiben.

Autoreninfo:

Evgenij Bazenov ist einer der Gründer des Startups PARCEL.ONE, einem Logistikdienstleister speziell für den grenzüberschreitenden Online-Handel. Die Services des Unternehmens ermöglichen es Online-Händlern, ihre Kosten für Sendungen ins Ausland signifikant zu senken. Dies gelingt, indem PARCEL.ONE die Sendungen aller angeschlossenen Händler bündelt und jeweils für die einzelne Sendung den idealen Dienstleister aus mehr als 20 Zustellpartnern auswählt. Zudem können Händler ihren internen Organisationsaufwand deutlich verringern, da sie nicht mehr mit jedem einzelnen Logistik-Unternehmen in jedem Zielland einen Vertrag und eine Integration abschließen müssen, sondern PARCEL.ONE als einziger Vertragspartner für alle Märkte nutzen.

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