Collins: Fashion-Start-up der Otto Group setzt auf Open Commerce

Das von Benjamin Otto und Tarek Müller gestartete Unternehmen der Otto Group präsentiert das erste offene Geschäftsmodell am deutschen E-Commerce-Markt. In Kooperation mit Kreativen, Entwicklern, Markenanbietern und Händlern entstehen auf Basis einer neuen Infrastruktur Shops mit integrierten Fashion-Applikationen für die digitale Generation. Erste Shop-Marken von Collins sind ABOUT YOU und EDITED.

Neben dem Projekt Collins möchte Otto laut einem Bericht der Welt in den nächsten Wochen auch Informationen zu Neckermann und Quelle bekanntgeben. Otto hatte diese erworben und plant eine Wiederbelebung der bekannten Marken.

Olaf Kolbrück von etailment war recht schnell und hat bereits zwei ausführliche Beiträge veröffentlicht:

Auch t3n.de hat sich ausführlich dem Thema gewidmet: E-Commerce Reloaded: So will Otto mit Projekt Collins den Markt neu aufrollen

Die wichtigsten Aspekte der verschiedenen Artikel und was Collins selbst kommuniziert hat, möchte ich in diesem Artikel zusammen fassen. Da es sich insgesamt um eine sehr komplexe Thematik handelt, wird es wohl in Folge noch eine Serie von weiteren Posts zum Projekt Collins geben, so wie ich schon im letzten Jahr die Entwicklung immer wieder begleitet und kommentiert habe.

Collins präsentiert Open-Commerce Plattform

Es war zu erwarten, dass ein einzelner Onlineshop nicht den deutschen eCommerce umkrempeln würde. Es wurde von Seiten des Collins Teams auch nie kommuniziert, dass man anstrebe ein neues Zalando oder gar ein deutsches Amazon aufzubauen. Nein, die Idee der Hamburger geht viel weiter: in Richtung Marktplatz, aber nicht in der althergebrachten Form einer simplen Angebots-Vermarktungs-Plattform – sondern in Form von Apps. Diese Apps geben in ihrer möglichen Vielfalt und Breite das Bild der eierlegenden Wollmilchsau wieder.

Collins setzt auf die Demokratisierung des E-Commerce, indem es sich für kreative Köpfe im Markt wie Content-Lieferanten, Developer, Markenanbieter und Händler radikal öffnet. Auf Basis einer neu entwickelten Technologie- und Business-Plattform entwickeln Dritte neue Zugänge zu Mode in Form von Content-, Social Media- und Mobile-Applikationen. Tarek Müller, Co-Chef von Collins und Geschäftsführer Shops:

„Die besten Ideen entstehen auf Dauer nicht in einem Unternehmen allein, sondern oft durch einzelne kreative Köpfe, mit denen wir eine neue Dimension für den Online-Handel erschließen können.“

Jochen Fuchs meint zu diesem Konzept:

das dahinterliegende Konzept einer offenen E-Commerce-Plattform liegt im Trend und könnte langfristig der Otto-Gruppe das Potential in die Hand geben, um zum Mitbewerber Amazon aufzurücken.

Für ihn bieten die Möglichkeiten des neuen Ökosystems drei für Amazon gefährliche Faktoren, die ich mit meinen Ergänzungen wiedergeben möchte:

  1. Die Basis des Ökosystems: Mit der technischen Basis verschafft man sich die Option beliebige Frontends zu bedienen, wie man es nun bereits bei AboutYou, Mary & Paul und Edited sieht.
  2. Die am Ökosystem Beteiligten: Auch wenn Collins derzeit im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung liegt und in den letzten Tagen für ordentlichen medialen BUZZ gesorgt hat, so ist es geradezu prädestiniert, die verschiedenen Unternehmen der Otto Group technisch zu vereinen und konzertiert zum Einsatz zu bringen. Auch wir haben in der Vergangenheit über die Finanzdienstleister der Otto Group berichtet. Hinzu kommt die bekannte Logistik-Gruppe Hermes oder der Fulfilment-Anbieter Baur Fulfilment Solutions. Auch wenn das weder offen noch zwischen den Zeilen von Collins so kommuniziert wird, ist es offensichtlich, dass hier ein Masterplan für ein Gegenstück zum Amazon-Ökosystem aus Shopping-Plattform, Payment-Dienstleistung und E-Commerce-Software entsteht. Jede Transaktion die hier abläuft, wird langfristig Umsatz in Ottos Kassen spülen – vielleicht sogar mehr als nur der simple Verkauf von Produkten auf AboutYou.de.
  3. Der Krieg der Ökosysteme: ebay und Amazon machen schon lange vor, wie man durch die erfolgreiche Einbindung Dritter die Marktplatzumsätze ordentlich nach oben treiben kann. Durch Provisionen, Fulfillment oder Paymentdienstleistungen werden, wie im Fall ebay, so zum Teil höhere Gewinne erwirtschaftet, als im eigenen Kerngeschäft. Womöglich schafft sich die Otto Group nun eine Infrastruktur Händler und Innovationstreiber in Form der Entwickler und Agenturen anzuziehen.

„Demokratisierung des E-Commerce“

Für Entwickler gibt es daher eine Developer-Plattform auf der sie an eigenen Ideen basteln können. Der Anreiz: App-Entwickler werden über eine Provision am Verkaufserfolg ihrer App beteiligt.

Screenshot AboutYou Developer Center

Screenshot AboutYou Developer Center

Schon jetzt wurden alle Apps im Portfolio, immerhin 29, von externen Entwicklern umgesetzt. Mit Stand von November gibt es über 500 Anmeldungen im Developer Center. Weitere Informationen zu geplanten neuen Apps oder dem weiter unten angegebenen Inkubationsprogramm möchte Collins noch nicht machen.

Mitgründer und CTO Sebastian Betz zu den Apps, im Interview mit Gründerszene:

Wir haben uns überlegt, was den Unterschied macht – und das sind Inhalte, also Apps. Apps sind auf der Seite stattfindende eigene kleine Applikationen, die neue Zugänge zu Mode schaffen. Beispielsweise die App „Get the look“. Hier hat man die Möglichkeit, sich durch ständig aktualisierte Fotos und Outfits von Stars wie Blake Lively anzugucken und die Produkte dazu aus unserem Sortiment direkt in den Warenkorb zu legen. Man kann zudem dem Star „followen“ und bekommt dann Updates. Ein anderes Beispiel ist eine App, bei der man den eigenen Schuh designen kann. Und obwohl das fertige Produkt nicht in unserem Sortiment zu finden ist, kann man es in unseren Warenkorb legen. Mit dem selben Serviceversprechen und unserer Abrechnung. Egal, welche App der Kunde nutzt, er hat immer uns als Vertragspartner.

Wird der Begriff App sonst nicht eher mit Mobile assoziiert?

Wir haben darüber sehr lange nachgedacht. Wir hatten viele verschiedene Begriffe im Raum stehen. Wenn man sich den Markt anschaut, ist der Begriff noch sehr von Mobile-App geprägt, das stimmt. Daneben gibt es aber auch jetzt schon Apps für Xbox, Facebook, Spotify und Co. Wir glauben deshalb, dass Apps der aussagekräftigste Begriff für das ist, was wir für den E-Commerce entwickelt haben.

Übersicht der Anbindungen an AboutYou

Wie bereits oben erwähnt wurde, gibt es bereits jetzt diverse Apps, über die hier ein kurzer Überblick erfolgen soll:

  • Partnershops, die einen gemeinsamen Warenkorb nutzen.
    Jamie Jacobs – Designe deinen Schuh
    Project Oona – Designe deine Tasche. Aufgrund von technischen Problemen auf Seiten des Partners, ist die App z.Z. nicht online.
    Mädchenflohmarkt für 2nd Hand Mode
  • zum Thema Customization gibt es eine eigene Kategorie
  • Deals wenden sich an den preisbewussten Käufer, der gerne auf Schnäppchenjagd geht
  • Special-Products deuten derzeit DIY Artikel oder Crowdfunding für in not geratene Kinder an

Neben Apps die dem Abverkauf von Produkten dienen, gilt es auch Entertainment zu liefern und Kundenbindung zu fördern. Hier finden sich:

Screenshot AboutYou Inkubator

Screenshot AboutYou Inkubator

Die bisher aufgeführten Agenturen stammen allesamt aus dem Hamburger Großraum. Dass diese nicht allein gelassen werden, sondern man junge Entwickler und Kreative auch tatkräftig unterstützen möchte zeigt der Bereich „Inkubator“ im Developer Center.

Wie ist Ihre Einschätzung zum Launch von AboutYou und dem dahinter steckenden Konzept? Gerne können wir in den Kommentaren dazu diskutieren.

Letzte Änderung: 08:50:10 – 2018-04-25

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