Bereits 15 Millionen Deutsche kaufen Lebensmittel im Internet

Als regelmäßiger Pendler kann man seit Monaten der großflächigen Plakat-Werbung von Online Lebensmittel Händlern in der Münchner U-Bahn nicht entgehen. Es wird für Internet Angebote von Shopwings und neuerdings Allyouneed.com praktische ohne Unterlass geworben.

Wer nun dachte, dieses Angebot richte sich nur an Hardcore Online-affine Käufer, mit Zeitmangel, die die komfortable Zustellung zu einem definierten Zeitpunkt schätzen, muss aufhorchen, ob der jüngsten Zahlen des Branchenverbandes BITKOM, die gestern veröffentlicht wurden.

  • 15 Millionen Deutsche erledigten 2014 ihren Lebensmittel Einkauf im Internet
  • Das sind 28 Prozent aller Internetnutzer, wie der Digitalverband BITKOM anlässlich der Landwirtschaftsmesse „Grüne Woche“ in Berlin mitteilt.
  • Verdreifachung gegenüber 2011. Damals gaben 4,5 Millionen Menschen an, schon einmal ihren Lebensmitteleinkauf im Netz erledigt zu haben.

„Lebensmittel gehörten bis vor kurzem zu den wenigen Warengruppen, die fast ausschließlich im stationären Einzelhandel verkauft wurden. Das ändert sich nun“, sagt BITKOM-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Fast alle großen Handelsketten, dazu einige innovative Start-ups, haben in den letzten Jahren entsprechende Konzepte etabliert, die von den Kunden inzwischen gut angenommen werden.“

Laut Statista beträgt der Umsatz mit Lebensmitteln im interaktiven Handel in Deutschland bald eine Milliarde Euro. Im Verhältnis zu den 164 Milliarden Euro Umsatz im Lebensmitteleinzelhandel insgesamt, aber immer noch ein verschwindend kleiner Anteil. In Bayern laufen derzeit nur etwa 0,4 % der Lebensmittelumsätze online. Matthias Zwingel, Vizepräsident des Handelsverbands Bayern (HBE) gegenüber der tz: „Viele Experten gehen davon aus, dass der Anteil bis 2020 bis auf 20 Prozent steigt.“

Großes Wachstumspotential für Food Commerce

Das Potenzial für weiteres Wachstum im Online-Handel mit Lebensmitteln ist laut BITKOM-Umfrage groß: 38 Prozent der Befragten erklären, zwar noch nie Lebensmittel im Netz gekauft zu haben, sich dies aber für die Zukunft vorstellen zu können. Frauen zeigen mit 41 Prozent stärkeres Interesse als Männer mit 36 Prozent. Besonders aufgeschlossen sind die Nutzer im Alter von 14-29 Jahren. Von ihnen können sich 43 Prozent vorstellen, künftig auf einer Webseite statt im Supermarkt einzukaufen. Selbst bei den Nutzern ab 65 Jahren sind es 27 Prozent.

Derzeit kaufen Verbraucher mit 26 Prozent mehrheitlich abgepackte Lebensmittel wie Tiefkühlgerichte, Mehl oder Müsli im Internet. Erst 5 Prozent der Nutzer bestellen online auch frische Waren wie Milch, Eier oder Obst.

Angeboten wird die Online-Bestellung von Lebensmitteln sowohl von klassischen Supermärkten als auch von spezialisierten Web-Shops. Neben gängigen Produkten finden Verbraucher im Internet zum Beispiel auch Delikatessen, die im stationären Handel eher schwer zu bekommen sind. Die Lieferung frischer Waren ist bislang vor allem in Ballungsräumen verbreitet.

„Der Kunde spart beim Einkauf im Internet Zeit und Nerven“, erklärt Rohleder. „Er bekommt die Waren bis in die Wohnung geliefert, in der Regel gegen eine geringe Gebühr.“ Zudem könnten Kunden im Internet anders als im Supermarkt auch alternative Zahlungsmethoden wie etwa Paypal nutzen.

Startseite des neuen Food Commerce Startups Bonativo.

Startseite des neuen Food Commerce Startups Bonativo.

Bonativo: Rocket Internet mit weiterem Lebensmittel Startup

Mit Bonativo (www.bonativo.de) bringt seit Dienstag ein Berliner Startup den Wochenmarkt ins Internet und versorgt die Berliner mit Lebensmitteln aus der Region. Über die Website können die Nutzer aus einem Sortiment von mehr als 400 Artikeln wählen, die ausschließlich von lokalen Produzenten aus Berlin und Umgebung stammen. Die Lieferung erfolgt bis vor die Haustür des Kunden. Bonativo ermöglicht Nutzern so den Zugang zu lokal produzierten Lebensmitteln, ohne vom nächsten Wochenmarkt abhängig zu sein. Den Produzenten wird zusätzlich ermöglicht, ihre Produkte einer Vielzahl von Kunden zugänglich zu machen. Ein Großteil des Sortiments sind Bio-Produkte. Zunächst ist der Lieferservice ausschließlich in Berlin verfügbar. Das Liefergebiet erstreckt sich über das gesamte Stadtgebiet.

Christian Eggert, Co-Founder von Bonativo, erklärt: “Wir glauben fest daran, dass Menschen genau wissen möchten, wo ihre Lebensmittel hergestellt werden. Damit meinen wir die Geschichte hinter dem Produkt und nicht einfach nur ein Siegel “made in Germany”. Auf unserer Plattform erfahren die Nutzer genau, woher die Produkte stammen”. Die Reihe der Hersteller reicht von Landwirten und Imkern aus dem Umland, bis hin zu Bäckereien und Saftproduzenten aus dem Berliner Stadtgebiet. “Hinter unserem Service stehen Menschen, die ihre Produkte mit Hingabe und Leidenschaft herstellen – genau das macht sie einzigartig”, so Eggert.

Derzeit arbeiten 15 Mitarbeiter für das Berliner Startup. Ab 30.- € Mindestbestellwert liefert Bonativo kostenlos. Bestellen sollten Kunden etwa zwei Tage vor der Lieferung, manche Produkte sind aufgrund von Ernte- oder Produktionszeiten nicht ständig verfügbar, das Sortiment wechselt.

Kurzübersicht Lebensmittel Lieferdienste

  • Rewe bietet seit 2011 einen Lieferdienst an, der aktuell in 18 Städten verfügbar ist. Mainz und Osnabrück sollen demnächst folgen. Abholung nach vorheriger Online Bestellung ist in 12 Filialen möglich.
  • Edeka bot dies bisher nur vereinzelt auf regionaler Ebene an. Durch die geplante Übernahme der Lebensmittelsparte von Tengelmann soll sich dies schlagartig ändern – beachten Sie hierzu die unten eingebundenen Exchanges Podcasts. Edeka würde sein Filialnetz um 451 Kaisers und Tengelmann Filialen, den E-Food Anbieter Bringmeister, die Plus.de und Garten-XXL Onlinesops erweitern.
    „Bei der Übernahme geht es um die Verdichtung des Filialnetzes und Online-Kompetenz“, urteilt Achim Himmelreich, Berater bei Mücke, Sturm & Company in Köln.
    Eine Genehmigung des Kartellamts stehen allerdings noch aus.
  • Shopwings und das oben genannte Bonativo gehören zur Rocket Internet Unternehmensgruppe.
  • Allyouneed.com: Lieferung 4,90 Euro, ab 40 Euro versandkostenfrei. Kein Mindestbestellwert, Aufschlag für (Tief-)Kühlware 4,90 Euro pro Bestellung.
  • food.de: Lieferung 5 Euro, kein Mindestbestellwert.
  • lebensmittel.de: Pro Lieferung 4,90 Euro, ab 40 Euro Einkaufswert frei. Kein Mindestbestellwert, für Tiefkühlprodukte kommen 4,90 Euro obendrauf. Ab 25 Kilo Gewichtszuschlag von 20 Cent pro Kilo.
  • mytime.de: Kein Mindestbestellwert, Lieferung zwischen 2,99 und 4,99 Euro (ab 65 Euro kostenfrei). Frischeaufschlag von 4,99 Euro für (Tief-) Kühlartikel, Pfand für Frischebox 5 Euro.

Exchanges Podcasts zum Lebensmittel Handel

Ausführliche Analysen und Hintergrundinformationen zu den Entwicklungen im Lebensmittel E-Commerce gibt es wie immer von Exciting Commerce. Im Herbst  und zum Jahresbeginn haben Marcel Weiss und Jochen Krisch in zwei Ausgaben des Exchanges Podcasts den Lebensmittel Markt beleuchtet und kommentiert.
Im Oktober machte eine Ausgabe zu Shopwings den Anfang.

Gleich zu Beginn des Jahres rückte dann die neue Positionierung von Tengelmann in den Fokus.

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