AT&T und die Time Warner Übernahme: Ein weiteres Plattform Modell entsteht

„Plattformen sind das beherrschende Geschäftsmodell der digitalen Wirtschaft. 5 der 10 wertvollsten Unternehmen der Welt und 7 der 10 höchstbewerteten Startups der Welt sind mit diesem Modell erfolgreich.“ Schreibt Holger Schmidt, der gemeinsam mit Tobias Kollmann das absolut lesenswerte Buch „Deutschland 4.0 – Wie die digitale Transformation gelingt“ veröffentlicht hat. Ein weiteres Beispiel dafür sehen wir gerade in den USA, wo der Telekom-Dienstleister AT&T, für 85 Milliarden US Dollar, den Medienkonzern Time Warner übernehmen möchte. AT&T will den Kaufpreis zur Hälfte in bar und zur Hälfte in eigenen Aktien bezahlen.

Die Frage nach der Wertschöpfung

AT&T ist bisher ein Anbieter von Mobilfunkdiensten, Internetzugängen und Fernsehanschlüssen – alles Sektoren, die von massiven Margenverlusten betroffen sind. Hohen Kosten für den Aufbau und den Unterhalt der physischen Netze, stehen immer geringere Umsatzmöglichkeiten gegenüber. „AT&T und andere Spezialisten für Distribution sehen sich gezwungen, über ihren bisherigen Tellerrand hinauszusehen. Das rasante Wachstum im Smartphonemarkt, von dem AT&T in den vergangenen Jahren profitiert hat, kommt zum Erliegen. Und auch das Geschäft mit der Bereitstellung von Kabel- und Satellitenfernsehanschlüssen ist bedroht. Immer mehr Menschen verzichten heute auf ihre teuren Fernsehabonnements und beschränken sich auf billigere Alternativen wie die Online-Videothek Netflix. In Amerika wird dieses Phänomen als „Cord Cutting“ bezeichnet.“ (FAZ.de)

Time Warner hingegen würde eine Vielzahl an hochwertigen, weltweit vermarktbaren und bereits jetzt lukrativen Inhalten liefern, wie z.B.

  • HBO: Game of Thrones
  • Basketball TV Rechte (TNT)
  • Warner Bros. Filmstudios, welche im Besitz der DC Comics Filmrechte sind
  • CNN: Allgemein leidet zwar das Fernsehen immer mehr unter der digitalen Disruption, noch stellt aber CNN eine der weltweit bekanntesten Nachrichten-Marken dar, das auch mit Nachdruck ins Online Business drängt
  • Inhalte für Kinder: Time Warner unterhält auch ein Cartoon Netzwerk
  • Hulu: Ein neuer Netflix Konkurrent, an dem Time Warner 10 % Anteile gekauft hat

„Ein großes Ärgernis für Kunden ist, dass sie einmal für Inhalte zahlen und dann nicht überall und auf jedem Gerät Zugriff darauf haben“, so Randall Stephenson, AT&T-Chef. „Unser Ziel ist es, das zu ändern.“ Stephenson zeigte sich zuversichtlich, mögliche Bedenken der Regulierungsbehörden auszuräumen. „Es wird kein Wettbewerber vom Markt verdrängt, es gibt keine Wettbewerbsbeschränkungen, die durch die Fusion dieser beiden Unternehmen entstehen“, sagte er. Time-Warner-Chef Bewkes sprach von einem „großartigen Tag für Time Warner und seine Aktionäre“. Beide Konzerne hätten die moderne Medien- und Kommunikationslandschaft geprägt.

Der Abschluss der Übernahme ist für das Jahr 2017 geplant, entsprechende Genehmigungen der Behörden stehen noch aus.

Weitere Plattform Modelle und der Plattform Index

Mit seiner Strategie steht AT&T nicht alleine da. Sein größter Wettbewerber in den USA Verizon hat sich mit dem Kauf von AOL weitere Online Medien, die die Huffington Post einverleibt und strebt die Übernahme des, trotz aller Versuche von Marissa Mayer, immer noch in Schieflage befindlichen Internetdinosauriers Yahoo an.

Wer sich noch mehr mit anderen Plattformen und deren Entwicklung an der Börse auseinander setzen möchte, der sollte den Plattform Index vom Netzökonom Holger Schmidt verfolgen. „In dem Index enthalten sind: Google/Alphabet (GOOG), Amazon (AMZN), Facebook (FB), Alibaba (BABA), Tencent (TCEHY), Paypal (PYPL), Linkedin (LNKD), Microsoft (MSFT), Zalando (ZLDSF) und Tesla Motors (TSLA), weil das Unternehmen ein Car-Sharing-Angebot aufbauen will.“

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