Amazon 3D Smartphone Fire Phone – das eCommerce Gadget

Amazon hat sein 3D Smartphone Fire Phone, das bereits lange erwartet wurde, diese Woche in Seattle präsentiert. Anhand der reinen technischen Daten kann es allerdings nicht mit aktuellen Flaggschiffen der Konkurrenz mithalten. Was zeichnet das Gadget von Jeff Bezos also aus?

Technische Übersicht

Ausführliche technische Angaben finden sich in der englischen Pressemeldung von Amazon. Mobilegeeks fasst die wichtigsten Features zusammen:

Angetrieben wird es vom Snapdragon 800, dem Qualcomm ja bereits Snapdragon 801 und 805 folgen ließ. Der Akku ist mit 2.400 mAh meiner Meinung nach auch ziemlich knapp bemessen, erst recht, wenn man bedenkt, dass vier zusätzliche Kameras im Einsatz sind. Beim Display gibt man sich mit einem 4.7-inch großen HD-Panel mit 1.280 x 720 Pixeln zufrieden und für einen 4.7-Incher ist das Smartphone mit 160 Gramm Gewicht auch alles andere als ein Leichtgewicht. (…)

Im Artikel werden zwei Hands-on-Videos von Slashgear gezeigt. Interessant finde ich ein kurzes Video zum neuen Leseverhalten von Texten und Büchern. Durch die vier Kameras kann sowohl durch das Wippen des Geräts als auch durch Kopfbewegung der Text gescrollt werden.

Fire---Maps-Landmark

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Vier Frontkameras erfassen permanent die Augenbewegungen des Nutzers und erzeugen eine Art 3D-Effekt auf dem Bildschirm – egal ob der Nutzer gerade durch die Systemmenüs streift, auf einer Karte navigiert oder spielt. Amazon nennt die Technik „Dynamic Perspective“. Eine Brille zur Betrachtung ist nicht notwendig, jedoch müssen Entwickler ihre App an die Technik anpassen. Der Versandhändler will ein entsprechendes Software Development Kit (SDK) dafür bereitstellen. Zum Start bieten unter anderem Yahoo und Pinterest angepasste Apps an. (Quelle: Netzwelt.de)

Technischen Daten des Fire Phone im Überblick

  • 139,2 x 66,5 x 8,9 Millimeter
  • 160 Gramm
  • 4,7-Zoll-IPS-Display optimiert für Betrachtung im Freien, Dynamic Perspective, Auflösung: 1.280 x 720 Pixel
  • 2,2 Gigahertz Quad-Core-Prozessor (Qualcomm Snapdragon 800)
  • zwei Gigabyte Arbeitsspeicher
  • wahlweise 32 oder 64 Gigabyte Gerätespeicher, nicht erweiterbar
  • 2.400-Milliamperestunden-Akku
  • 13-Megapixel-Kamera mit F2,0-Blende und optischem Bildstabilisator
  • 2,1-Megapixel-Frontkamera und weitere Kameras für 3D-Effekt
  • Stereolautsprecher
  • Betriebssystem Fire OS 3.5 (basiert auf Android)

Neben dem Gerät selbst gibt es von Amazon einige weitere Dreingaben oben drauf:

  • unbegrenzter Cloud Speicher von Fotos
  • ein Jahr kostenlose Mitgliedschaft für Amazon Prime – was in den USA einem Gegenwert von 99.- $ entspricht
  • selbstverständlich sind der Musikstreamingdienst Prime Music und Amazon Instant Video bereits vorinstalliert
  • bereits bestehende Prime Mitgliedschaften werden ein Jahr gratis verlängert
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Preis und Verfügbarkeit

Wie bei den meisten amerikanischen Herstellern wird das Smartphone zunächst nur in den USA verfügbar sein. Ähnlich wie Apple wurde ein Exklusivvertrieb mit AT&T abgeschlossen.

Die größte Überraschung dürfte allerdings der Preis sein: AT&T bietet das Fire Phone von Amazone mit 32 Gigabyte Gerätespeicher in Verbindung mit einem Laufzeitvertrag über zwei Jahre für 199 US-Dollar (circa 147 Euro) an. Die 64-Gigabyte-Version kostet 299 US-Dollar (cira 220 Euro).

Ohne Laufzeitvertrag ist das Fire Phone für 649 US-Dollar (32 Gigabyte) beziehungsweise 749 US-Dollar (64 Gigabyte) erhältlich. Umgerechnet sind dies circa 479 beziehungsweise 552 Euro. Diese Preispolitik ist ungewöhnlich, da Amazon in der Vergangenheit seine Hardwareprodukte wie den e-Reader Kindle oder das Tablet zu Kampfpreisen verkaufte.

Erhältlich ist das Fire Phone bei AT&T ab dem 25. Juli. Vorbestellungen nimmt der US-Mobilfunkgigant ab sofort entgegen.

Der FOCUS Online Experte Axel Oppermann meint zu der Preispolitik:

Mit diesem Schritt will Amazon einerseits klarmachen, dass es sich um ein innovatives Hightech-Produkt handelt, welches einen Marktpreis hat. Anderseits reduziert sich das Unternehmen in Sachen Preisstrategie auf die gängige Branchenlogik. Eine Taktik, die riskant und nicht zwingend erfolgversprechend ist.

Auch Gartner-Analyst Tuong Nguyen ist eher skeptisch, was die Erfolgsaussichten angeht: „Selbst etablierte Hersteller haben Probleme, sich zu behaupten, aber als Newcomer den Markt aufzurollen, ist quasi unmöglich.“ Seiner Meinung nach ist aber letztlich für den Erfolg von Hardware etwas anderes entscheiden führt er weiter aus: „Ob sie es wissen oder nicht: Kunden wollen, dass Technik ihr Leben einfacher, reibungsloser und besser macht“

Das Fire Phone die Shoppingmaschine

 but Bezos has already made one thing clear: This is a shopping device.

Meint Dan Frommer von Quartz. Dem schließt sich auch Martin Weigert an: „Amazon will über die Gadgets digitale und – in erster Linie – physische Produkte verkaufen. Das liegt in der DNA des Onlinehändlers, der zwar auch andere Geschäftssparten betreibt, dennoch aber den Großteil seiner Erlöse im E-Commerce-Bereich erwirtschaftet.“

Der nun von Amazon neu bezeichnete Dienst Firefly ist im Grunde eine Erweiterung der schon seit längerem gelaunchten App Flow. Die iOS App ermöglichte das abfotografieren und identifizieren von Produkten, die dann sofort bei Amazon gekauft werden konnten. Natürlich hatte die App noch diverse Schwächen und konnte nur flache Objekte erkenne – was aber für Produkte wie CD´s oder Bücher, Hauptumsatzträger von Amazon, kein Problem darstellt.

Firefly hingegen arbeitet mit den neuesten Möglichkeiten der Bilderkennung und Amazons gewaltiger Datenbank, die 100 Millionen Objekte bereits vermessen hat. Das Außenmikro ermöglicht es zudem, Musik oder Dialogen in TV-Serien zu lauschen und diese so zu identifizieren – und bei Amazon zu kaufen.

Amazon hat die Software, die hinter Firefly steckt, für Entwickler frei gegeben, die somit Drittanwendungen schreiben können. Dan Frommer nennt etwa eine Fitness App, die beim Einkaufen gleich Kalorienangaben anzeigt und mögliche Alternativen vorschlägt. Ähnlich wie Apple und Google setzt Amazon also auf den Ausbau seines Ökosystems und will Entwickler dazu bringen angepasste Lösungen für seine Plattform voran zu bringen.

Firefly wird allerdings nicht lange auf Nachahmer von anderen Herstellern warten müssen. Genau wie die Anzeige des Artikels auf Amazon könnte etwa Google Artikel aus Google Shopping anzeigen und gleich einen Preisvergleich anstellen.

„Das Amazon Fire Phone ist kein Smartphone, sondern ein Onlineshop für die Hosentasche“ – Kommentar von Jochen Fuchs auf t3n.

Fazit und Einschätzung

Persönlich bin ich etwas zwie gespalten, was das Fire Phone angeht. Amazon gibt Hardware seitig seine bisherige Strategie auf, mit absoluten Kampfpreisen Produkte in den Markt zu drücken. Die Kindle Produkte waren so eingepreist, dass sie zum Spontankauf verleitet haben. Warum nicht einfach vor dem nächsten Urlaub noch schnell einen Kindle Reader mitnehmen? Wenn man ohnehin schon Amazon Prime ist, um den kostenfreien Versand zu nutzen, kann man eine Vielzahl an Büchern ohnehin kostenfrei in der Kindle Bibliothek leihen oder günstig kaufen.

Bei einem Smartphone für 650.- $ sieht die Sachlage schon anders aus. Geht Amazon den ähnlichen Weg, wie Apple, wird das Teil in Deutschland kaum einen günstigeren Euro Preis haben. Fazit: Das Fire Phone kaufe ich nicht impulsartig, nicht spontan, sondern müsste schon ein gezielter Einkauf sein, weil ich deutliche Mehrwerte in dem Produkt sehe.

Die Diskussion ob Amazon mit der Hardware Geld verdient oder nicht, ist eine andere. Wie Jochen Fuchs bin ich aber auch der Meinung, dass die Hardwarekosten weit niedriger liegen und durchaus profitable Verkäufe ermöglichen, als oftmals behauptet.

Somit stellt sich die Frage, für welche Kunden ist das Fire Phone gedacht? Kann es Apple oder Android Nutzer zu einem Wechsel bewegen? Erst kürzlich hat Tim Cook, auf der WWDC, auf die starke Kundenzufriedenheit und Kundenbindung von Apple verwiesen. Neben allem Marketingsprech schließe ich mich der Kernthese an, dass ein Apple Kunde meistens zum „Jünger“ wird und kaum das Universum aus Cupertino wieder verlassen wird. Somit liegt die einzige Chance von Amazon, in einem zunehmend gesättigten Smartphone Markt, darin Amazon Prime Kunden anzusprechen und Android Nutzer, die auf ein Premium Smartphone upgraden wollen.

Wäre das Fire Phone zwei, drei Jahre früher gekommen würde ich wesentlich bessere Chancen für einen Erfolg sehen. Zumindest hat die Vergangenheit gezeigt, dass Jeff Bezos bereit war Geduld zu zeigen und bereit war genügend Geld zu investieren um von ihm favorisierten Geschäftsfeldern zum Erfolg zu verhelfen.

Wie seht Ihr den Schritt? Glaubt an Ihr an große Verkaufszahlen des Fire Phone? Bin gespannt auf Eure Kommentare…

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