Alibaba: Chance oder Risiko für den deutschen Handel?

In einem Treffen Anfang Januar zwischen Bulgariens Ministerpräsident Bojko Borissow und Alibaba Managern wurden Pläne über den Aufbau eines Logistikzentrums in dem südosteuropäischen Land verlautbart (nachzulesen bei t3n). Dies könnte ein erstes Indiz für einen verstärkten Fokus des chinesischen E-Commerce Riesen auf den innereuropäischen Markt bedeuten.

„Nach weiteren Medienberichten soll sich die Alibaba Group auch in Kroatien, Serbien und Ungarn nach einem Standort für ihr europäisches Verteilzentrum umsehen. Das Internetportal Total Croatia News berichtete am 21. Januar davon, dass sich Alibaba-Vertreter mit der kroatischen Regierung getroffen hätten, um über Investitionen zu verhandeln. Das kroatische Wirtschaftsministerium bestätigte, dass Alibaba wegen einer potentiellen Investition das Ministerium kontaktiert hatte.“ (via Logistik heute)

Dies nahm ich zum Anlass bei Nenad Cetkovic, COO, Lengow, einem Kenner von Alibaba, nachzufragen, wie er das Unternehmen einschätzt.

Unterschiedliches Kaufverhalten in China und Europa

Die Zahlen von Alibaba sind ja sehr beeindruckend. Wenn man sich z.b. den Singles‘ Day ansieht. Ähnlich geht es einem auch mit Rakuten, das in Japan der absolute Marktführer ist. Inwiefern sind solche Angaben auf den europäischen Markt, bzw. Deutschland übertragbar? Hier herrscht ja doch ein anderes Käuferverhalten…

Es gibt eine Reihe wesentlicher Unterschiede zwischen dem europäischen und chinesischen Shopping-Verhalten. Chinesen lieben Online-Shopping – und das viel mehr als Europäer. Jack Ma, der Gründer der Alibaba Gruppe sagte einst: „In anderen Ländern ist E-Commerce eine Art des Shoppings, in China ist es ein wahres Hobby, ja sogar ein Lebensstil.“ Eine Umfrage von PricewaterhouseCoopers, in der 15.000 globale Online-Shopper befragt wurden, hat ergeben, dass 75 Prozent der chinesischen Verbraucher wöchentlich online shoppen, verglichen mit einem globalen Durchschnitt von 21 Prozent. Die Nachfrage von Shopping-Aktionstagen ist von daher viel größer in China als bei uns in Europa.

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4 Tipps für Online Händler in China

Was sind die wichtigsten Unterschiede zwischen China und Europa?

Verbraucherverhalten: Online-Shopper verbringen mehr Zeit damit, Produkte zu vergleichen – Chinesen brauchen 20 Prozent mehr Zeit im Vergleich zu Europäern, um sich für einen Kauf zu entscheiden. Produktseiten in Online-Shops sind viel detaillierter inklusive langen Produktbeschreibungen und vielen Bildern, manchmal bis zu 20 Bilder für ein Produkt.

Preispositionierung: Die Konkurrenz ist stark und es ist wichtig, besondere Angebote oder Aktionen zum Beispiel zum Singles Day oder Neujahrsfest zu veröffentlichen. Zögern Sie also nicht bei Preisnachlässen!

Lieferzeiten: Chinesische Online-Shopper erhalten Waren innerhalb von 24 Stunden und haben meist einen Kunden-Service bis 22 Uhr.

Social Media: Facebook, Twitter und YouTube sind verboten in China. Die meistgenutzte Plattform für Community Management in China ist WeChat. Das Wachstum von Smartphones hat dem Online-Shopping über mobile Endgeräte einen kräftigen Schub gegeben, so dass es für Online-Händler die erfolgreich in China verkaufen möchten, unabdingbar wird einen mobil-optimierten Online-Shop anzubieten. Bereits jetzt haben 69% der Chinesen ein Produkt über ihr Smartphone bestellt. Allein am 11. November, dem Singles Day in China und größten Shopping-Aktionstag in China, wurden 82% der Verkäufe über ein mobiles Endgerät getätigt.

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Was sind die Herausforderungen für europäische Händler?

Es gibt einige Herausforderungen die europäische Händler bewältigen müssen, wie beispielsweise gesetzliche Vorschriften die beachtet werden müssen, die Eigenschaften des lokalen Marktes und das Kaufverhalten verstehen lernen, dann natürlich die Logistik, Kundenservice, Zahlungsmethoden… und das sind nur einige wenige Beispiele. Der Schlüssel um diese Hindernisse zu überwinden sind starke lokale Partnerschaften mit Personen vor Ort denen Sie vertrauen und mit einem Mittelmann zusammen zu arbeiten, der den Markt kennt und vor allem die lokale Sprache spricht.

Alibaba: Chance oder Risiko für den deutschen Handel?

Im Gegensatz zu Amazon verkauft Alibaba nicht selbst, sondern ist lediglich als E-Commerce-Plattform aktiv. Bietet Alibaba also Chancen für deutsche und europäische Händler oder laufen wir nun Gefahr noch mehr von chinesischen Billiganbietern überrollt zu werden?

Auch wenn Online-Händler vielen Herausforderungen ausgesetzt sind, verbirgt sich dennoch ein großes Potential für europäische Händler und Marken ihre Waren erfolgreich in China zu verkaufen. Chinesen lieben Markenprodukte aus Europa!

Informieren Sie sich allerdings vorab genauestens, ob eine Nachfrage für ihre Produkte besteht. Dabei kann ihnen auch ein lokaler Partner helfen, der sich auf dem chinesischen Markt auskennt.

Denken Sie immer daran, in China ist vieles anders als in Europa. Der Lebensstil in China hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt. Der Import ist schon lange keine Nische mehr und chinesische Verbraucher lieben qualitativ hochwertige und internationale Marken. Sie möchten Zugang zu Waren bekommen, die ihre tägliche Lebensqualität verbessern und haben allgemein ein großes Interesse an Mode, Kosmetik, pharmazeutischen und an Baby-Produkten. Chinesen haben besonders Interesse an hochwertigen Produkten aus Europa inklusive aus Deutschland – wie der Erfolg von Marken wie Siemens, Bosch und Wurster bereits gezeigt hat.

Leider existiert nach wie vor viel Counterfeiting (Anm. d. Redaktion: Produktpiraterie) in China – 61 Prozent der Chinesen sind deshalb bereit, mehr für Designer-Produkte zu zahlen, wenn sie direkt die aus dem Ursprungsland importiert werden. In 2016 haben bereits 40 Prozent der Chinesen auf ausländischen Webseiten geshoppt – Tendenz steigend!

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