Umfrage zur Beliebtheit der neuen Top Level Domains (new gTLD)

Es ist nun drei Jahre her, dass die ersten vier neuen Top-Level-Domains in der Root-Zone live geschaltet wurden. Bisher hat die ICANN mehr als 1186 neue Domainendungen veröffentlicht (stand: 27.09.2016). Laut ICANN soll die Zahl in den nächsten Jahren auf noch mindestens 1300 Domainendungen ansteigen. Allein Google hat über 200 Bewerbungen für verschiedene TLDs bei der ICANN eingereicht. Das Interesse der Unternehmen ist also nach wie vor enorm. Doch sind die neuen Domainendungen mittlerweile auch bei Internetnutzern und Webmastern angekommen?

Die damalige Euphorie ist schnell verflogen, da das Interesse der Nutzer an den neuen gTLDs geringer ausfiel, als erwartet. Als Domainprovider hatten auch wir bestimmte Erwartungen an die neuen Endungen. Man stellte sich vor, dass die Branche durch die Neueinführungen erheblich an Auftrieb gewinnen würde.

Registrierungsstellen und Provider geben sich gegenseitig die Schuld an dem schleppenden Start. In einem Interview auf dem WHD.global 2015 bemängelte der CMO der NIC.club, dass die neuen Endungen durch die Domainprovider nicht ausreichend beworben werden.  Vielen Domainprovidern sei es egal, ob ein Kunde eine konventionelle oder neue Domainendung registriere, da sich die Margen in der Regel nicht unterscheiden.

Umfrage von 1.000 Hostingkunden zu den neuen Top Level Domains

Um zu klären, weshalb das Interesse der Nutzer noch heute relativ gering ausfällt, wollten wir von 1000 Kunden die Meinung zu den neuen gTLDs hören. Die befragten Kunden bekamen jeweils vier Antwortmöglichkeiten und sollten sich für eine davon entscheiden.

Die möglichen Antworten waren:

1. Ich habe noch nichts von neuen Domainendungen gehört.
2. Ich befürchte, dass sich die Nutzung einer „new gTLD“ negativ auf die Besucherzahlen meiner Webseite auswirken könnte.
3. Ich interessiere mich für die neuen Domainendungen und habe bereits in Erwägung gezogen eine „new gTLD“ zu registrieren.
4. Ich habe eine der neuen Domainendungen registriert und setze diese schon produktiv ein.

Umfrage neue Top Level Domains. Quelle: Droptop GmbH

Man muss allerdings erwähnen, dass die befragten Nutzer vorwiegend aus dem deutschen Raum stammen. Wir behaupten jedoch, dass sich das Ergebnis international übertragen lässt.

Noch viel Unwissen zu den new gTLD

Interessant ist vor allem, dass die Mehrheit der befragten Personen noch gar nichts von neuen Domainendungen gehört hat. Das könnte ein Indiz dafür sein, dass die Domainprovider bisher tatsächlich zu wenig in die Steigerung der Kundenakzeptanz investiert haben. Darüber hinaus bedeutet Ergebnis (1), dass die Befürchtungen der befragten Kunden, die sich für Ergebnis (2) entschieden haben, durchaus berechtigt sein können.

Ein potentieller Käufer der irgendwo eine Internetadresse (Plakat, Zeitung etc.) aufschnappt, wird sich diese möglicherweise eher merken, wenn sie auf .de statt .shop endet. Das hängt einfach damit zusammen, dass sich die (deutschen) Konsumenten 30 Jahre lang daran gewöhnt haben, dass die meisten Internetadressen auf .de enden. Das ist auch der Grund, wieso heute noch viele Webmaster ihre Homepage über eine www. Subdomain betreiben, obwohl dies längst ein Relikt aus vergangenen Tagen ist.  Die Internetnutzer haben sich über Jahre daran gewöhnt und assoziieren mit den drei „W“s automatisch eine Internetadresse. Sie nehmen sie dadurch besser wahr und können sich die Adresse leichter einprägen.

Auf der anderen Seite haben Unternehmen durch die neuen Domainendungen die Möglichkeit, sich von Mitbewerbern und Konkurrenten abzugrenzen. Diejenigen, die bisher bei den konventionellen Domainendungen nicht zum Zug gekommen sind, können jetzt die Chance nutzen und vielversprechende Domains registrieren.

Statistische Daten zur Entwicklung der new gTLD

Um einen Gesamtüberblick über alle bisher registrierten „new gTLDs“ zu erhalten, haben wir uns der Daten des Analyseportals ntldstats.com bedient. Es fällt auf, dass die Registrierungen seit 2014 exponentiell zunehmen.

Quelle: Screenshot ntldstats.com

Die Grafik zeigt deutlich, dass die Verbreitung der neuen Endungen langsam Fahrt aufnimmt. Interessant ist jedoch, dass knapp 25% der registrieren neuen gTLDs auf .xyz und 18% auf .top enden. Zusammen machen diese beiden bald die Hälfte aller Neuregistrierungen aus.

Der Erfolg der beiden Domainendungen lässt sich darauf zurückführen, dass die zuständigen Vergabestellen teilweise mit extremen Preisnachlässen versuchen diese gegenüber den konventionellen Endungen attraktiver zu gestalten. Die bisherigen Zahlen sprechen für diese Strategie. Allerdings ist unklar, wie viele der registrierten Domains auch tatsächlich genutzt werden.

Es bleibt abzuwarten, was die Zukunft bringt. Wir sehen der kommenden Entwicklung zuversichtlich entgegen. Valentin Küpper, Geschäftsführer der Droptop GmbH – zu den neuen gTLDs:

„Ich persönlich sehe die Einführung von neuen Domainendungen als notwendigen Schritt, um dem Bedarf der immer schneller wachsenden Internetwirtschaft nachzukommen. Jedoch stehe ich dem Vergabeverfahren der ICANN durchaus kritisch gegenüber. Ein besorgniserregendes Beispiel ist die Diskussion um die dot.gay TLD. Hier wurde die berechtigte Community-Bewerbung der non-profit Organistation dotGay LLC mehrfach von der ICANN abgeschmettert. Daraus folgt nun, dass sich die dotGay LLC in einer Auktion gegen drei zahlungskräftige Bewerber mit kommerziellem Interesse durchsetzen muss. Das ist nur ein Beispiel dafür, dass man sich langfristig von dem bestehenden Konzept der zentralen Verwaltung der Root-Zone entfernen muss. Die Bedeutung des Internets für unser tägliches Leben ist heute schon enorm und wird immer größer. Damit einhergehend auch die Verantwortung, welche die ICANN gegenüber der Welt trägt.“

Der Artikel und die Umfrageergebnisse wurden bereitgestellt von Linevast Hosting.

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