Einfluss der neuen gTLD auf die Markenstrategie im Web

In den kommenden zwei Jahren erfolgt die Einführung von mehr als 1.400 generischen Top Level Domains (gTLD). Aktuell gibt es in den meisten Fällen jedoch noch keine genauen Informationen, wann welche der einzelnen Domainendungen verfügbar sein wird. Unternehmen und Webseiten-Betreiber sollten sich aber schon jetzt Gedanken über die Domainstrategie ihrer Marke machen und ermitteln, welche neue Domainendung sie im Zusammenhang mit ihrem Markennamen sichern sollten – auch um Missbrauch vorzubeugen.

Welche Domainendungen sind möglich?

Die neuen gTLDs lassen sich in drei Kategorien einteilen: markenspezifische TLDs, geographische TLDs und generische TLDs.

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  • Erstere sind für Unternehmen bestimmt, die ihre Eigenmarke als eigene Domainendung registrieren wollen (z.B. .axa, .adac), um so das Image der eigenen Marke zu stärken.
  • Geographische Domainendungen sind besonders für kleine und mittelständische Unternehmen interessant. Durch die Verwendung von Endungen wie .wien, .hamburg oder .koeln können Kunden zukünftig noch leichter ein lokales Geschäft oder eine lokale Niederlassung eines Unternehmens finden.
  • Die dritte Kategorie, die generischen TLDs, bieten die Möglichkeit, die Branche oder das Geschäftsfeld durch eine passende Domainendung, wie zum Beispiel .fashion oder .finanzen, noch prägnanter zum Ausdruck zu bringen.

Diese Domainnamen sind praktisch selbsterklärend und potentielle Kunden wissen, welches Angebot sich hinter der Seite verbirgt. Die Vergabe einiger dieser Endungen wie z.B. .bank sind jedoch an bestimmte Bedingungen geknüpft.

Eine gTLD sichern – Wie funktioniert das?

Eine gute Domainendung ist für viele Nutzer, seien es Shopbetreiber, Filialen, Städte oder Kommunen, der erste Schritt zu mehr Sichtbarkeit im Netz. Deswegen ist es sinnvoll, sich möglichst rasch die neuen Domainendungen zu sichern. Die ersten gTLDs wie .ruhr, .bike oder .ventures befinden sich bereits in der Sunrise-Phase oder stehen kurz davor: Diese neuen Domains sind vorerst ausschließlich Markeninhabern vorbehalten, um Missbrauch mit eingetragenen Marken (Domaingrabbing) zu unterbinden. Danach startet die öffentliche Registrierung. Informationen dazu findet man bei den Providern, die detaillierte Listen mit Daten und Preisen zu den bereits vorhandenen gTLDS pflegen. In den kommenden zwei Jahren wird es einen wahren Ansturm auf die neuen Domainendungen geben.

Einige größere Provider bieten ihren Kunden deswegen an, ihr Interesse an einer Domainendung schon jetzt anzumelden und ihre Mailadresse zu hinterlassen. Sobald die gewünschte neue Domainendung bestellbar ist, erhält der Kunde eine Benachrichtigung und kann sich dann umgehend die begehrte Domain sichern. Ein anderer Weg ist die Vorabanfrage bei einem Domain-Name-Registrar.

Neue Möglichkeiten für die Markenstrategie im Web

Die neuen gTLDs bieten großen internationalen Unternehmen die Gelegenheit, die Web-Präsenz ihrer Marke zu stärken und ein Domainportfolio zu schaffen, das genau auf die Bedürfnisse ihrer Kunden zugeschnitten ist. Große Player wie .apple, .audi oder .google haben bereits Anträge für eigene Domainendungen gestellt. Kleine lokale Unternehmen profitieren von den neuen geographischen Domainendungen, da der lokale Bezug bei einer URL mit .berlin oder .hamburg deutlicher hervorgehoben wird.

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Wer im touristischen Bereich tätig ist, sollte sich aber auch die internationale Version einer lokalen Domainendung wie z.B. .cologne zusätzlich zu .koeln sichern, um auch von Kunden aus dem Ausland gefunden zu werden.

Einsatzfelder der neuen gTLDs im Online Marketing

Neue Domainendungen lassen viel Spielraum für gezielte Marketingaktionen wie zum Beispiel direkte Aufforderungen à la www.tickets.buy. Daher sind die neuen Endungen besonders interessant für Microsites bzw. Landingpages kurzfristiger, absatzfördernder Maßnahmen. Man sollte dabei beachten, dass Landingpages mit einer neuen gTLD nicht unter der Domain der Hauptseite angelegt werden können, sofern diese unter einer etablierten Domainendung läuft. Möchte man den aufgelaufenen Traffic nach Ablauf der Aktion dennoch für die Hauptseite nutzen, sollte man einen permanent http redirect (301) einrichten und gleichzeitig den entsprechenden Content auf die Hauptseite umziehen.

Neue Domainschätze heben

Als Unternehmen, Startup oder Online Shop stößt man schon mal an seine Grenzen, wenn die Wunschadresse nicht verfügbar ist. Der Domainname soll ja bekanntlich kurz, prägnant und leicht zu erinnern sein. Aber was ist, wenn dieser schon vergeben ist?

Entweder greift man tief in die eigene Tasche und versucht, diese vergebene Domain zu erwerben oder man denkt sich neue Namen aus, mit denen man aber dann meist nicht wirklich glücklich ist. Mit der Einführung der neuen Webendungen kann jetzt auch der Raum nach dem Punkt genutzt werden, um sich zu positionieren. War es zum Beispiel vorher nicht möglich, einen Domainnamen wie www.spielzeug.de zu sichern, weil dieser schon vergeben war, gibt es jetzt mit einer neuen generischen Domainendung wie beispielsweise www.spielzeug.shop eine neue Option. Durch die Vielzahl neuer Domainendungen sind wieder begehrte Keywords frei. Doch natürlich zählt auch hier Schnelligkeit, denn Begriffe, nach denen bei Google häufig gesucht wird, werden auch nach Einführung der neuen gTLDs sicherlich rasch vergeben sein.

Fazit

Sicherlich gibt es aktuell noch einige Ungewissheiten über die tatsächlichen Folgen der Einführung der neuen Domainendungen – insbesondere in Fragen der Suchmaschinenoptimierung. Doch eines steht fest: Die neuen gTLDs werden sehr bald Auswirkungen darauf haben, wie Unternehmen, Online Shops oder Startups ihre Dienstleistungen und Produkte im Web vermarkten. Daher ist jetzt der richtige Zeitpunkt für Unternehmen, sich mit ihrem Domainportfolio auseinanderzusetzen und eine Strategie für die kommenden Jahre zu erarbeiten.

letzte Aktualisierung: 11:07:42 – 2014-10-13

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